Blut- und Plasmaspenden sind weiter möglich - und nützlich

14.04.2020
Blutplasma könnte helfen, die Corona-Pandemie zu bekämpfen: Forscher wollen damit unter anderem an einer Antikörpertherapie arbeiten. Wer kann Spender sein - und was müssen Interessenten noch wissen?
Bei einer Blutplasmaspende werden die Blutbestandteile in einer Maschine geteilt und das Plasma dann separiert - alles andere fließt wieder in den Körper zurück. Foto: arifoto UG/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Bei einer Blutplasmaspende werden die Blutbestandteile in einer Maschine geteilt und das Plasma dann separiert - alles andere fließt wieder in den Körper zurück. Foto: arifoto UG/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Ulm/Heidelberg (dpa/tmn) - Wer am Kampf gegen die Corona-Pandemie mitwirken will, kann unter bestimmten Bedingungen mit einer Blutplasma-Spende helfen. Derzeit rufen Forscher etwa des Plasmazentrums Heidelberg dazu auf. Zu den Voraussetzungen zählt, von einer Coronavirus-Infektion genesen zu sein.

Die Idee dahinter: Forscher wollen aus dem Blutplasma unter anderem eine Antikörpertherapie entwickeln. «Es geht darum eine passive Immunisierung zu erforschen, bei der die Antikörper vom Spender stammen», erklärt Prof. Hubert Schrezenmeier der an der Uniklinik Ulm und für den DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen arbeitet.

Neben den allgemeinen Voraussetzungen, die auch sonst für Blutspender gelten, kommt hier noch die überstandene Erkrankung hinzu: «Die Spender müssen eine nachgewiesene Coronavirus-Infektion durchgemacht haben. Zudem müssen sie symptomfrei sein», erklärt Schrezenmeier. Das Virus selbst dürfe nicht nachweisbar sein, die Antikörper aber schon.

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) hat angekündigt, Untersuchungen an Blutspendern und Menschen in Covid-19-Ausbruchsgebieten zu starten. Doch auch unabhängig von dem Forschungsziel sind Blut- und Blutplasma-Spenden in Corona-Zeiten weiterhin möglich und erwünscht.

Plasmaspende ist häufiger möglich als Blutspende

«Blutplasma dürfen Spender bis zu 60 Mal in zwölf Monaten abgeben», sagt Schrezenmeier. Dabei werden die Blutbestandteile in einer Maschine aufgeteilt und das Blut bis auf das Plasma wieder an den Körper zurückgegeben. Vollblutspenden seien dagegen seltener möglich: bei Frauen 4 Mal und bei Männern 6 Mal innerhalb von zwölf Monaten.

Grundsätzlich dürfen alle Menschen Blut oder Plasma spenden, die keine Krankheitssymptome haben und auf die bestimmte Kriterien nicht zutreffen. «So müssen Spender etwa einige Zeit warten nach einer frischen Tätowierung oder nach einer Impfung etwa gegen Röteln, Masern oder Mumps», sagt Schrezenmeier.

Normale Blutspenden werden nicht auf Corona getestet

Wer mit einem Sars-CoV-2-Infizierten Kontakt hatte oder in einem Risikogebiet war, darf vier Wochen lang nicht spenden. Für Menschen, die selbst mit SARS-CoV-2 infiziert waren, gilt eine achtwöchige Rückstellung - und wer Symptome hat, darf gar nicht spenden. Mehr zu den Kriterien erläutert die Website Blutspenden.de.

«Bei einer gängigen Spende wird das Blut oder Plasma nicht auf Coronaviren getestet. Anders ist dies etwa bei einer Aids- oder einer viralen Hepatitis-Erkrankung. Darauf wird das Blut untersucht und Spender informiert», sagt Schrezenmeier, der auch Zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie ist.

Plasmaspende: Rückstellung und Ausschuss

Plasmazentrum-Heidelberg: Spendenaufruf

Ankündigung Robert Koch-Institut zu Blutspender-Studien


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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