Alles rund um den Heuschnupfen

25.02.2019
Die Ursachen: unklar. Die Behandlungsmöglichkeiten: langwierig - und kompliziert. Die Ausprägung: sehr, sehr individuell. Der Heuschnupfen gibt Experten viele Rätsel auf - und ist eine Qual für die Betroffenen. Doch gegen die Gräser-Pollen ist ein Kraut gewachsen.
Kein Frühling zum Genießen: Für manche Betroffene ist Heuschnupfen nur nervig - andere leiden aber auch richtig darunter. Foto: Christin Klose
Kein Frühling zum Genießen: Für manche Betroffene ist Heuschnupfen nur nervig - andere leiden aber auch richtig darunter. Foto: Christin Klose

München? (dpa/tmn) - Endlich Frühling! Viele Menschen atmen da erleichtert auf - andere würden am liebsten die Luft anhalten. Denn der Heuschnupfen sorgt dafür, dass sie sich über das Ende des Winters nicht nur freuen können.

Und für manche Betroffene ist die Pollenflug-Saison sogar die mit Abstand schlimmste Jahreszeit. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Heuschnupfen gibt Carsten Schmidt-Weber, Professor an der Technischen Universität München und Leiter des Zentrums für Allergie und Umwelt (ZAUM).

Was ist Heuschnupfen genau?

Mediziner sprechen bei dem Phänomen von allergischer Rhinitis - also einer durch Allergien verursachten Entzündung der Nasenschleimhaut. Auslöser dieser Krankheit können zum Beispiel Hausstaubmilben sein, aber eben auch die Pollen von Pflanzen. «Dem Begriff nach bezieht sich Heuschnupfen eigentlich nur auf Gräser», sagt Schmidt-Weber. Die Bäume seien aber mitgemeint - vom «Baumschnupfen» spricht ja niemand.

Wann fliegen die meisten Pollen? Und wo?

Was wann unterwegs ist, verrät der Pollenflugkalender. Ein Blick darauf zeigt schnell: Die meisten Pollen sind zwar im Frühjahr unterwegs, frei davon ist aber kaum eine Jahreszeit. «Es gibt zum Beispiel eine neue Erlensorte, die schon im Dezember blüht», sagt Schmidt-Weber. «Und wenn Sie dann nicht nur darauf reagieren, sondern zum Beispiel auch auf die Ambrosia, die erst im Herbst blüht, haben Sie fast das ganze Jahr damit zu tun.»

Wer ist betroffen?

Es gibt einen Stadt-Land-Faktor, sagt Schmidt-Weber: In Ballungsräumen tritt Heuschnupfen häufiger auf. Die Gründe dafür seien aber unklar. Zudem ist Heuschnupfen erblich - teilweise. «Wenn schon ein Elternteil das hat, hat das Kind ein höheres Risiko, auch daran zu erkranken», so der Experte. «Es gibt aber keine Garantie - und umgekehrt auch keine Sicherheit, es nicht zu bekommen, wenn die Eltern keine Allergien haben.»

Können sich Allergien im Lauf der Zeit ändern?

Ja - aber nicht unbedingt in beide Richtungen. «Man muss nicht von Beginn an Allergien gegen etwas entwickeln, das kann einen zu jeder Zeit erwischen - auch mit 30 oder 75», sagt Schmidt-Weber. Häufig sei es auch so, dass mit der Zeit weitere Allergien hinzukommen, gegen Hausstaubmilben etwa. Fälle von wieder verschwindenden Allergien mag es zwar geben. Verlässlich dokumentiert seien sie bislang aber nicht.

Wie finde ich heraus, ob ich Heuschnupfen habe?

Beim Allergologen gibt es verschiedene Formen von Tests, meistens an Haut oder Nase. So finden Betroffene nicht nur eventuelle Pollenallergien, sondern auch die dazugehörigen Kreuzallergien. Grundsätzlich gilt dabei: Heuschnupfen ist sehr individuell, fast jeder Patient reagiert auf unterschiedliche Pollen unterschiedlich stark. Mono-Allergien sind allerdings selten: Die meisten Allergiker niesen und husten bei mehreren Pollenarten.

Was sind Kreuzallergien?

Eine Allergie gegen bestimmte Pollen geht häufig mit einer Allergie gegen bestimmte Lebensmittel einher - weil sich die darin enthaltenen Allergene, die Allergie-Auslöser also, sehr ähnlich sind. «Wer also zum Beispiel allergisch auf die Birke reagiert, wird wohl auch Probleme mit Hasel, Apfel oder Karotte haben», erklärt Schmidt-Weber. Typische Symptome sind ein Jucken an Lippen, Zunge, Gaumen, Rachen oder sogar an den Gehörgängen. Teils kommen auch Schwellungen oder Magen-Darm-Beschwerden hinzu - Bauchschmerzen oder Erbrechen etwa.

Wie gefährlich ist Heuschnupfen?

Kommt drauf an. «Die allergische Rhinitis ist erst einmal nur nervig», sagt Schmidt-Weber. Obwohl sie natürlich einen Verlust an Lebensqualität bedeute. Untersuchungen zufolge könnten darunter zum Beispiel auch Noten von Schulkindern leiden. Gefährlich wird die Rhinitis allerdings erst, wenn sie sich ausweitet - hin zum allergischen Asthma. Spätestens dann wird es Zeit für eine Behandlung.

Was hilft gegen Heuschnupfen?

Langfristig behandeln lässt sich Heuschnupfen mit der Immuntherapie oder Hyposensibilisierung. Die empfiehlt Schmidt-Weber schon bei einer Rhinitis - also noch bevor daraus Asthma wird. Zur Behandlung der Symptome gibt es Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen. Diese Anti-Histaminika haben jedoch Nebenwirkungen - allen voran Müdigkeit. «Das lässt sich vielleicht umgehen, indem man sie abends einnimmt», sagt Schmidt-Weber. Zudem seien Alternativen wie Kortison-Sprays gegen Heuschnupfen inzwischen auch rezeptfrei erhältlich.

Geht es auch ohne Medikamente?

Das kommt auf die Schwere der Allergie an - und darauf, wie viele Pollen unterwegs sind. Denn wirklich aus dem Weg gehen können Betroffene den Erregern im Alltag kaum. «Es kann aber Methoden geben, die im Einzelfall helfen», so Schmidt-Weber. Abendliches Haarewaschen kann zum Beispiel nützlich sein, oder die am Tag getragenen Klamotten nicht im Schlafzimmer zu lagern. Oder man lüftet nur mit gekipptem Fenster, um möglichst wenig Pollen in die Wohnung zu lassen. Hier gilt im Zweifelsfall: ausprobieren hilft.

Pollenflugkalender beim Allergieinformationsdienst

Allergieinformationsdienst zu Kreuzallergien


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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