Zu wenige Infos über Lebensmittel-Qualität

08.01.2020
Was können Supermarktkunden tun, damit mehr Lebensmittel schonender produziert werden? Weniger zu Schnäppchen greifen, appellieren Bauern und Politik. Verbraucherschützer warnen, so einfach sei das nicht.
Die Verbraucherzentralen fordern mehr Informationen für Kaufentscheidungen im Supermarkt. Foto: Jan Woitas/zb/dpa
Die Verbraucherzentralen fordern mehr Informationen für Kaufentscheidungen im Supermarkt. Foto: Jan Woitas/zb/dpa

Berlin (dpa) - In der Debatte über umstrittene Billigangebote für Lebensmittel fordern die Verbraucherzentralen mehr Informationen für Kaufentscheidungen im Supermarkt.

«Der Preis ist keine Orientierung für Qualität», sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv),Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Es stimme nicht mehr, dass teure Lebensmittel automatisch gut seien und preiswerte automatisch schlecht. Nötig sei deswegen, Verbrauchern das Leben zu erleichtern, sie nicht für dumm zu verkaufen und deutlich zu machen, wo es unterschiedliche Produkt- und Prozessqualitäten gebe. «Dann werden wir auch eine ausdifferenzierte Zahlungsbereitschaft erleben.»

Wunsch nach mehr Umwelt- und Tierschutz

Zu Lockpreisen etwa für Fleisch ist ein Treffen bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Handelsunternehmen geplant. Mehr Wertschätzung für Lebensmittel ist auch ein Thema bei der Agrar- und Ernährungsmesse Grüne Woche (17. bis 26. Januar) in Berlin. Hintergrund ist, dass viele Verbraucher in Umfragen mehr Umwelt- und Tierschutz wünschen. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Bauernvertreter betonen aber, dass Investitionen dafür finanziert werden müssten. Sie rufen Verbraucher daher auch dazu auf, entsprechende Produkte zu kaufen.

Verbraucherschützer Müller kritisierte: «Wenn jahrzehntelang der Handel, aber auch viele Landwirtschaftsfunktionäre gesagt haben, jedes Stück Fleisch, jedes Obst und Gemüse ist gleich gut, dann haben sie Verbrauchern einen Sinn und auch eine Zahlungsbereitschaft für unterschiedliche Qualitäten aberzogen.»

Mangel an Informationen

Zudem halte der Markt in seiner Anonymität keine Informationen bereit, wie gut ein Tier gelebt habe oder mit wie viel Pflanzenschutzmitteln Getreide angebaut worden sei. Man müsse aber beispielsweise erkennen, ob Obst und Gemüse verlässlich aus der Region kommen. Sinnvoll sei auch das geplante staatliche Tierwohl-Kennzeichen für Fleisch aus besserer Tierhaltung.

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Lebensmittel, Franz-Martin Rausch, sagte der dpa: «Die Kunden können sich sehr wohl über die unterschiedlichen Qualitäten und Produktionsweisen von Lebensmitteln informieren.» Gerade beim Tierwohl habe der Handel mit einer Haltungskennzeichnung für Fleisch bewiesen, wie man einfach und wirksam über verschiedene Haltungsformen informieren und Kunden eine Orientierungshilfe beim Einkauf geben könne. Für regionale Produkte gebe es die «Regionalfenster»-Kennzeichnung, die breit genutzt werde. «Dass der Preis keine Orientierung mehr für Qualität sein soll, stimmt nicht.» Der Mehraufwand, der etwa in ökologisch erzeugten Lebensmitteln stecke, spiegele sich sehr wohl auch im Preis wider.

Bezahlbarkeit eine Frage des Einkommens

Der vzbv-Chef mahnte, man könne auch nur dann höhere Preise durchsetzen, wenn die Landwirtschaft bessere Qualität liefere. Dies betreffe etwa sauberes Trinkwasser, Artenvielfalt und Klimaschutz. Müller betonte zugleich: «Die Preise für Lebensmittel haben gerade in Deutschland in den letzten Jahrzehnten ganz stark dazu beigetragen, dass das Leben für viele Menschen mit kleinem Geldbeutel bezahlbar geblieben ist.» Dafür gebühre auch den Bauern Anerkennung und Dank. Diese «soziale Dimension» dürfe man bei allem Verständnis für die Landwirte nicht aus dem Blick lassen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Plattform macht Kontrollergebnisse von Lebensmittelbetrieben transparent. Foto: Marijan Murat/dpa Plattform bringt Lebensmittelkontrollberichte ins Netz Dreht der Dönerladen um die Ecke mir Gammelfleisch an? Arbeitet mein Lieblingsitaliener sauber? Solche Fragen können Verbraucher mit Hilfe der Internetplattform «Topf Secret» beantwortet bekommen. Doch die Aktion schmeckt nicht jedem.
Von heute an überschreiten 3- bis 18-Jährige die empfohlene Jahresmenge an Zucker. Denn sie sollten höchstens zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr durch freie Zucker aufnehmen. Nach Daten von 2016 waren es aber 16,3 Prozent. Foto: Jens Kalaene Foodwatch erklärt den Montag zum «Kinder-Überzuckerungstag» Im Kampf für eine gesündere Ernährung haben Experten auch zu viel Zucker aus Süßspeisen und Getränken ins Visier genommen. Verbraucherschützer warnen: Kinder haben die empfohlene Jahresmenge bereits heute verzehrt.
Verbraucher sollen künftig schneller erfahren, wenn in einem Lebensmittelbetrieb die Hygienevorschriften nicht eingehalten wurden. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn Schnellere Informationen über Lebensmittelverstöße Werden in Gaststätten oder Lebensmittelbetrieben Grenzwertverstöße und Betrügereien aufgedeckt, müssen Behörden das öffentlich machen - doch für wie lange? Die nun geplante Neuregelung stößt auf Kritik.
Fipronil im Ei, Salmonellen im Fleisch: Immer wieder werden in Deutschland Lebensmittel zurückgerufen. Foodwatch schildert in seinem Report, welche Schwachstellen es im System der Lebensmittelwarnung gibt. Foto: Andreas Gebert/dpa Foodwatch: Rückrufaktionen von Lebensmitteln unzureichend Fipronil im Ei, Metallstücke im Keks, Salmonellen im Fleisch: Hunderte Male wurden in den vergangenen Jahren Lebensmittel zurückgerufen. Verbraucherschützern zufolge läuft dabei aber längst nicht alles rund.