Unten oben ohne - Mit dem U-Bahn-Cabrio durch Berlin

31.03.2016
Normalerweise sieht man bei einer U-Bahn-Fahrt durch Berlin wenig. Doch unter den Straßen der Hauptstadt verbergen sich spannende Einblicke und tolle Geschichten. Bei einer Fahrt mit dem U-Bahn-Cabrio bekommen Touristen das alles zu Gesicht.
Interessante Perspektive: Durchfahrt an einem Bahnsteig. Foto: Andrea Warnecke
Interessante Perspektive: Durchfahrt an einem Bahnsteig. Foto: Andrea Warnecke

Berlin (dpa/tmn) - Auf dem U-Bahnhof Berlin-Alexanderplatz schieben sich die Pendler in die Züge, hetzen die Treppen hinauf und hinunter. Immer wieder ertönt das Signal, das anzeigt, dass sich die Türen der Bahnen gleich schließen. Auf Gleis 4 herrscht dagegen gespannte Ruhe.

Rund 150 Personen - Touristen, aber auch etliche Berliner - warten. Auf dem Gleis steht ein Gefährt, das so gar nichts mit den berlintypischen U-Bahnen gemeinsam hat: vorne und hinten eine rote Lok, dazwischen drei große offene Wagen, auf denen Sitze montiert sind. Dach und Seitenwände gibt es nicht. Als «ungewöhnlichste Rundfahrt durch Berlin» bewerben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Fahrt mit dem sogenannten U-Bahn-Cabrio.

Einsteigen bitte! Vor der Abfahrt gibt es noch für alle Mitfahrer gelbe Helme und Kopfhörer. Punkt 19.00 Uhr springt das Signal auf Grün. Zwei Stunden lang fährt die Bahn kreuz und quer durch die Hauptstadt. Zum Start gibt es noch die nötigen Sicherheitshinweise. Am wichtigsten - trotz der gelben Helme, die jeder Teilnehmer tragen muss: «Während der Fahrt bitte nicht aufstehen», ermahnt die Stimme im Lautsprecher, die sich als «Herr Jäger» vorstellt und in den kommenden zwei Stunden kaum aufhört zu reden.

Extra für das U-Bahn-Cabrio ist die Beleuchtung in den Tunneln eingeschaltet. Normalerweise ist es hier unten stockdunkel. Blaues Licht weist hin und wieder den Weg zu den Notausgängen. Die Fahrt zeigt auch eindrucksvoll das unterschiedliche Design der U-Bahnhöfe: Mal zieren orangene Fließen die Wände, mal blaue Platten, mal gibt es flache Decken, mal hohe, manchmal ist die ganze Station einem Motto unterworfen. So zum Beispiel die Osloer Straße, die komplett in den Nationalfarben Norwegens gehalten ist. Herr Jäger hat natürlich zu jeder Station etwas zu erzählen.

Da ist zum Beispiel der Bahnhof Voltastraße, der fertig war, lange bevor die Strecke es wurde und dann als Kartoffelkeller diente - inklusive Zugang für Pferdefuhrwerke. Dann ist da der Bahnhof Pankstraße, der sich zum Atombunker umfunktionieren ließ. Noch heute sind an den Gleisen die riesigen Schwenktore zu sehen. Im Notfall hätten im Kalten Krieg hier an den Bahnsteigen bis zu 3340 Personen Platz gefunden.

Nach knapp zwei Stunden wird es langsam etwas frisch auf dem offenen Zug. Der Fahrtwind weht kräftig - vor allem auf der Strecke der U9, die fast komplett ohne Kurven gebaut ist und wo bis zu 70 km/h erreicht werden. Am kältesten sind jedoch die Abschnitte, die unter der Spree hindurch führen. Das Wasser sorgt für konstante Kühlung. Noch ein letzte Mal durch den Kehrtunnel, dann ist der Alexanderplatz schon wieder erreicht. Die nächsten 150 Fahrgäste warten schon am Bahnsteig.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Kahnfahrten auf einem Fließ im Spreewald sind sehr beliebt. Rund 1000 Kilometer Fließe (Wasserwege) durchziehen den Spreewald im Südosten von Brandenburg. Foto: Patrick Pleul Prospekte reichen nicht: Wo Tourismus funktioniert Der Deutschlandtourismus läuft, aber nicht in allen Ecken der Republik. Touristiker sagen, manche Regionen müssten sich besser vermarkten - und weg vom «Kirchturmdenken».
Die Deutschen bleiben reiselustig. Einige wollen in diesem Jahr sogar ihr Urlaubsbudget erhöhen. Foto: Julian Stratenschulte Glänzende Aussichten fürs Tourismusjahr 2018 Rekord bei Urlaubsausgaben und sonnige Aussichten für das aktuelle Reisejahr: Die Tourismusbranche ist in glänzender Verfassung. In manchen Regionen wird der Erfolg jedoch zum Problem.
Im Kampf gegen die Corona-Pandemie macht das schwer betroffene Spanien weiter Fortschritte. Doch der Tourismus werde vor Jahresende nicht wieder in Gang kommen, warnt die Regierung. Foto: Clara Margais/dpa Der Sommerurlaub steht auf der Kippe Gerade erst hat das Coronavirus den Osterurlaub über den Haufen geworfen. Jetzt gerät auch der Sommerurlaub in Gefahr - vor allem für diejenigen, die ins Ausland wollen.
Wasserbüffel auf der Pfaueninsel - das Eiland liegt im Südwesten Berlins in der Havel. Foto: Soeren Stache/dpa/dpa-tmn Schöne Picknick-Plätze in Deutschland Das Urlaubsglück liegt so nah: Rund um Deutschlands Metropolen liegen wunderbare Orte zum Picknicken und Entspannen. Sie locken nicht nur einheimische Tagesausflügler, sondern auch Städtereisende.