Tieren tut ausfallendes Feuerwerk gut

29.12.2021
Böller und pfeifende Raketen bedeuten für Tiere Stress pur. Wildtieren kann der Krach sogar das Leben kosten. Aber auch Haustiere leiden.
Unter der Silvester-Böllerei leiden viele Wildtiere. Tagaktive Vögel werden etwa von ihren Schlafplätzen aufgeschreckt und meiden noch Tage später ihre angestammten Futterplätze. Foto: Ronald Wittek/dpa/dpa-tmn
Unter der Silvester-Böllerei leiden viele Wildtiere. Tagaktive Vögel werden etwa von ihren Schlafplätzen aufgeschreckt und meiden noch Tage später ihre angestammten Futterplätze. Foto: Ronald Wittek/dpa/dpa-tmn

Hamburg (dpa) - Der erneute Verzicht auf das Silvesterfeuerwerk tut nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung Vögeln, Eichhörnchen, Igeln und anderen wildlebenden Tieren in den Städten gut. Auch bei vielen Haustieren löste die Knallerei laut Tierschutzbund in früheren Jahren Panik aus. Einer der Gründe: Tiere haben ein besseres Gehör.

«Silvester-Knallerei ist für viele Wildtiere ein Kraftakt ohne Vorwarnung», teilte die Stiftung mit. «Sie geraten in Aufruhr, Herzschlag und Atmung erhöhen sich und die Tiere müssen ihren Stoffwechsel hochfahren. Das verbraucht lebensnotwendige Energie, die die Tiere für den kalten Winter benötigen.»

Stress kann zum Tod führen

Enten, die sonst nur etwa 100 Meter hoch flögen, stiegen bei Raketen vor Panik bis zu 1000 Meter auf, berichtete die Stiftung. Tagaktive Vögel würden von ihren Schlafplätzen aufgeschreckt, verlieren während ihrer Flucht ihre Artgenossen und meiden noch Tage später ihre angestammten Futterplätze. Oft prallten sie während der Flucht gegen Glas- und Hausfassaden.

Eichhörnchen, die in der kalten Jahreszeit in der Winterruhe sind, würden vom Lärm in Angst und Schrecken versetzt. Die Eichhörnchen-Nothilfe finde Jahr für Jahr verstörte Tiere oder sogar tote Eichhörnchen, die durch die Knallerei einen Herzstillstand erlitten hätten. Auch Igel könnten aus dem Winterschlaf aufschrecken. «Beim Hervorkrabbeln aus ihrem Versteck atmen sie dann auch noch jede Menge Feinstaub ein», berichtete die Stiftung.

Feines Gehör: Krach bedeutet Qual für Tiere

Für das empfindliche Gehör der meisten Wildtiere seien Böller und pfeifende Raketen eine Qual. «Ein Fuchs auf Mausjagd kann seine Beute unter der geschlossenen Schneedecke hören - diese Geräusche liegen in einem Bereich von 10 bis 15 Dezibel. Da löst ein Böller, der in seiner Nähe mit 120 Dezibel explodiert, schon einen gewaltigen Stress aus», warnte die Stiftung.

Nicht nur Wildtiere, auch Haustiere leiden unter der Knallerei. «Der Krach ist besonders für Hunde und Katzen belastend, da sie ein wesentlich feineres Gehör haben als Menschen», heißt es beim Tierschutzbund. Auch bei Pferden und Rindern auf Weiden bestehe die Gefahr, dass sie in Panik gerieten und ausbrächen.

© dpa-infocom, dpa:211229-99-531929/5

Deutsche Wildtierstiftung

Tierschutzbund zu Silvester


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Nach Ansicht von Sprachwissenschaftlern wird die Sprache im Netz durch soziale Netzwerke und Communities differenzierter. Foto: Susanne Kupke Vulgärsprache: Experten erforschen Sprachstil im Netz Verroht die Sprache durch Facebook und Co.? Nicht wirklich, meinen Sprachforscher. Aber sie wird differenzierter: Jede Community hat ihren eigenen Stil.
Falschnachrichten in sozialen Medien zu korrigieren, sei fast nicht möglich, sagt Medienwissenschaftler Prof. Stephan Weichert. Foto: Tobias Hase Facebook stellt unser Informations-Ökosystem auf den Kopf Unterstützt der Papst Donald Trump? Bei Fake News lässt sich oft schwer nachvollziehen, wo sie eigentlich herkommen. Sie zu kennzeichnen, hält der Medienwissenschaftler Stephan Weichert für den richtigen Ansatz. Aber reicht das?
Eine Studie besagt, dass Frauchen und Herrchen ihren Hund oder ihre Hauskatze mit Corona anstecken können. Foto: Bernd Thissen/dpa Menschen können Hunde und Katzen mit Corona anstecken Mit Sars-CoV-2 infizierte Menschen können Hunde und Katzen anstecken. Umgekehrt ist das eher nicht der Fall. In Norditalien sind mehr als 800 Vierbeiner auf Antikörper gegen das Coronavirus untersucht worden.
Wie viele Affen sind zu sehen und was machen sie? Auf chimpandsee.org werden Internetnutzer zu Tierbeobachtern im Auftrag der Wissenschaft. Foto: chimpandsee.org/dpa-tmn Schimpansen beobachten und Tierforschern helfen Wildkameras liefern Forschern wichtige Details, nur leider ist die Menge an Daten immens. Mithilfe von Hobby-Tierforschern will das Max-Planck-Institut nun zum zweiten mal Videomaterial kategorisieren und klassifizieren.