So klappt der Systemkamera-Einstieg

11.02.2021
Schon mal versucht, den Sternenhimmel mit einem Smartphone zu fotografieren? Wo Handys an Grenzen stoßen, punkten Kameras mit Wechselobjektiven. Wer so eine Ausrüstung möchte, braucht einen Plan.
Man sieht es: Die spiegellose Systemkamera (r) kommt deutlich schlanker daher als die Spiegelreflexkamera (l). Foto: Sina Schuldt/dpa-tmn
Man sieht es: Die spiegellose Systemkamera (r) kommt deutlich schlanker daher als die Spiegelreflexkamera (l). Foto: Sina Schuldt/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Sie sind längst nicht mehr so groß, schwer und unhandlich, wie ihnen nachgesagt wird. Das gilt insbesondere für Modelle ohne Spiegel. Die Rede ist von Systemkameras, den großen Schwestern von Smartphones und Digitalkameras.

Klar: Handykameras werden immer besser und das Smartphone ist stets griffbereit. Aber an die im Vergleich riesigen Sensoren und lichtstarken Objektive kommen selbst die rechenstärksten Smartphones nicht heran. Wer mehr Qualität braucht oder will, muss sich in Richtung Systemkamera orientieren. Doch Einsteigern präsentiert sich die Materie eher sperrig.

Der Body als Basis

Also erst einmal die wichtigsten Begriffe im Überblick: Systemkameras sind Kameras mit Wechselobjektiven. Nimmt man das Objektiv ab, bleibt das Gehäuse übrig, der sogenannte Body. Es gibt zum einen digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) mit optischem Sucher. Zum anderen gibt es digitale Systemkameras ohne Spiegel, die kompakter ausfallen, leichter sind und immer beliebter werden. Auch sie haben meist einen Sucher, in dem aber ein hochauflösender Mini-Monitor steckt, der das Live-Bild vom Sensor zeigt.

Das gewählte Objektiv entscheidet darüber, was man fotografieren kann: Lange Brennweiten, angegeben in Millimetern, holen Objekte zum Beispiel nah heran. Die Lichtstärke entscheidet mit darüber, wie gut Schnappschüsse bei wenig Licht eingefangen werden. Sie lässt sich an der maximalen Blendenöffnung (f) ablesen: Je kleiner die Zahl, desto lichtstärker.

Ansonsten unterscheiden sich Systemkameras vor allem durch ihr Sensor- Format. Sogenannte Vollformatkameras haben den größten Sensor und damit die größte Fläche, um Bildinformationen aufzunehmen. Weit verbreitet sind darüber hinaus die kleineren Formate APS-C und Micro Four Thirds.

Wann der Umstieg lohnt

«Die meisten Smartphone-Fotografen werden keine Systemkamera brauchen», glaubt Markus Bautsch, Foto-Experte bei der Stiftung Warentest. Solange man seine Bilder sowieso nur auf dem Handy ansieht, bearbeitet und verschickt, erkennt man kaum Qualitätsunterschiede. Bei weit entfernten Motiven wie Wildtieren oder bei Sportevents oder Aufnahmen bei wenig Licht gerät das Smartphone allerdings an seine Grenzen.

Eine DSLR samt Objektiv bekommt man ab etwa 350 Euro. «Sie sind einfach gebaut und wenig auf Haltbarkeit angelegt», weiß Bautsch, zum Ausprobieren reiche das aber völlig. «Oft sind einfache Standardzooms dabei.» Das sind Objektive, die den am häufigsten benötigten Brennweitenbereich abdecken, etwa zwischen 18 und 50 Millimetern. Bei spiegellosen Systemkameras starten die Preise bei etwa 400 Euro. Modelle ohne Sucher sind hier etwas billiger, das anvisierte Motiv kann man damit aber nur über das Display sehen, das leicht spiegelt.

Außerdem sollte man prüfen, ob das gewählte Kameramodell nur mit Objektiven der gleichen Marke kompatibel ist oder auch mit anderen Herstellern. «Tamron und Sigma sind oft eine billige Alternative», sagt Bautsch. Auch gebrauchte Systemkameras und Objektive bieten oft ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der Fotograf und Fototrainer Matthias Haltenhof aus Halle an der Saale empfiehlt, dabei auf die Zahl der Auslösungen zu achten, die sich im Kamera-Menü einsehen lässt. «Mehr als 15.000 sollten es nicht sein.» Für ein Starter-Set samt Fototasche, Speicherkarte und Ersatzakku seien etwa 600 bis 700 Euro aufzubringen.

Willens zu lernen

Wer bereits weiß, dass er tiefer in die Fotografie einsteigen möchte, braucht nicht nur ein etwas größeres Budget, sondern auch den Willen zu lernen. «Es ist ein Irrglaube, dass man nur eine Kamera für 600 Euro braucht und dann macht die gute Bilder», sagt Haltenhof, der auch Kurse anbietet. Bei der Wahl eines Kamerasystems sollte man im Kopf haben, dass es mit Body und Standardzoom meist nicht getan ist.

«Die Objektivsammlung kann ein Vielfaches des Kameragehäuses wert sein», weiß auch Warentester Markus Bautsch, der selbst passionierter Fotograf ist. Und ein Markenobjektiv könne man nicht einfach an jede Kamera schrauben.

© dpa-infocom, dpa:210210-99-384050/2

Spezialist werden

Wer auf einem Gebiet Spezialist werden will, sollte auch die Ausrüstung entsprechend anpassen. «Für die Porträtfotografie sollte der Sensor größer sein als APS-C», rät der Fototrainer Matthias Haltenhof. Für Tier- und Sportfotografie ist die Zahl der Bilder bei Serienaufnahmen entscheidend. Und Architektur- und Landschaftsfotografie wiederum funktioniert kaum ohne Stativ. Gute Modelle bekommt man ab etwa 100 Euro.

Und bei Serienaufnahmen gilt ebenso wie beim Filmen mit Systemkameras: Es werden schnelle Speicherkarten benötigt. Wer größere Film- oder Videoprojekte plant, sollte eines wissen. «Die meisten Kameras nehmen maximal 30 Minuten auf», erklärt Markus Bautsch von der Stiftung Warentest. Darauf sollte man beim Kauf achten, wenn man mit dieser Einschränkung nicht leben kann.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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