«Resident Evil 2» im Test

22.01.2019
21 Jahre nach der Veröffentlichung von «Resident Evil 2» veröffentlicht Capcom ein Remake des Horror-Survival-Klassikers. Zum Glück ist die Neuauflage alles andere als ein Blutleerer Zombie-Alptraum.
Für unversehrte Füße müssen Spieler in «Resident Evil 2» auch mal schnell kriechen. Weil Waffen und Munition knapp sind, will auch jeder Kampf gegen die Zombies überlegt sein. Foto: Capcom
Für unversehrte Füße müssen Spieler in «Resident Evil 2» auch mal schnell kriechen. Weil Waffen und Munition knapp sind, will auch jeder Kampf gegen die Zombies überlegt sein. Foto: Capcom

Berlin (dpa/tmn) - Die Zombies sind wieder los. Technisch und inhaltlich verbessert, schickt Capcom ein Remake des Klassikers «Resident Evil 2» von 1998 auf PC und Konsolen.

Mitte der 1990er Jahre waren Zombies eigentlich nicht gerade angesagt. Zwar hatte der spätere «Herr-Der-Ringe»-Regisseur Peter Jackson 1992 mit dem Film «Braindead» dem Zombiefilm neues Leben eingehaucht, der große Hype blieb jedoch aus.

Dies änderte sich schlagartig, als Capcom 1996 das Horror-Adventure «Resident Evil» und 1998 den Nachfolger «Resident Evil 2» auf die Menschheit losließ. Zahlreiche weitere Teile und gefühlt endlos viele Kinofilme folgten.

Auf der Suche nach dem verschollenen Bruder

In der Neuauflage begibt sich Agentin Claire Redfield auf der Suche nach ihrem verschollenen Bruder Chris in die Stadt Raccoon City. In einer Tankstelle vor den Toren der Stadt rettet sie der junge Polizist Leon S. Kennedy in letzter Sekunde vor angreifenden Zombies.

Beide machen sich im Polizeiwagen auf den Weg in die Stadt - doch die ist bereits dem Untergang geweiht: Der mörderische T-Virus der Firma Umbrella hat die meisten Stadtbewohner in menschenfressende Untote verwandelt, die Straßen stehen in Flammen. Leon und Claire werden voneinander getrennt. In einer Polizeistation muss Claire um ihr Überleben kämpfen. Alternativ kann man das Spiel aus der Sicht von Leon erleben.

Spieler kämpfen sich in der 3rd-Person-Perspektive durch die Gebäude und Straßen von Raccoon City. Die Munition ist knapp, das Kampfmesser geht irgendwann kaputt. Das Ziel lautet: überleben. Dafür muss man jedoch reichlich Hirnschmalz investieren: «Resident Evil 2» zieht seinen Reiz vor allem aus knackigen Rätseln und Puzzle-Aufgaben. In dieser Hinsicht haben sich die Macher glücklicherweise sehr nah am Original von 1998 gehalten.

Neuer Gruseleffekt, altmodisches Leveldesign

Die Action-lastigen Ballerorgien späterer «Resident-Evil»-Teile bleiben aus: Gegner erscheinen spärlich und immer dann, wenn man sie nicht erwartet und erschrecken teilweise zu Tode.

Apropos Schreck: Das Remake setzt genau wie das Original sehr stark auf Atmosphäre und psychologischen Horror. Ein unheilvolles Stöhnen hier, ein scharrendes Geräusch da, ein platschendes Geräusch in der Kanalisation - nach etwa zehn Spielminuten verfallen Spieler in angenehme Paranoia: «Wer oder was steht hinter den nächsten Ecke? Soll ich diese Tür wirklich öffnen?» So muss ein Horrorspiel sein.

An einigen Stellen scheint jedoch ein wenig das aus heutiger Sicht altbacken wirkende Leveldesign der 90er Jahre durch: Wenn man beispielsweise zum Heilen von Wunden Heilpflanzen essen muss, die zufällig in irgendeiner Rumpelkammer rumstehen, kann man sich ein leichtes Schmunzeln beim Spielen nicht verkneifen. Dem Spielspaß schadet das nicht.

Überzeugende Grafik

Aber kann das Remake auch grafisch mit heutigen Titeln mithalten? Um es kurz zu machen: Die getestete Version sah auf der Playstation 4 im HDR-Modus an einem 4K-Fernseher einfach fantastisch aus. Besonders die Zwischensequenzen sind so lebensecht animiert, dass sich «Resident Evil 2» grafisch vor keinem aktuellen Blockbuster-Titel verstecken muss.

Auch wegen der teils extrem detaillierten Gewalt- und Verletzungsdarstellung hat «Resident Evil 2» keine Jugendfreigabe erhalten. Das Originalspiel von 1998 landete hingegen auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Dort blieb es bis 2014.

Verbesserte Spielemechaniken

Und dann ist da noch eine Sache, die «Resident Evil 2» von anderen Remakes unterscheidet: Das Problem vieler heute auf dem Markt erhältlichen Überarbeitungen älterer Games liegt darin, dass im Grunde über eine olle Spiele-Kamelle eine nette Grafik gezimmert wurde, mangelhafte Spielmechaniken jedoch nicht behoben wurden und das ganze dann zu einem unangemessen hohen Preis verscherbelt wird. Das alles gilt für «Resident Evil 2» nicht.

Die Frischzellenkur hat dem Spiel gut getan. Spielerinnen und Spieler, die 1998 noch zu jung waren, um das Original spielen können, dürfen genauso bedenkenlos zuschlagen wie alte «Resident-Evil»-Veteranen, die den Klassiker noch einmal in einer aufgehübschten Version erleben wollen. Darüber hinaus enthält das Spiel die beiden Minispiele «The 4th Survivor» sowie den berüchtigten Tofu-Mode, in dem man sich als gewaltiger Tofuklops durch Zombiehorden kämpfen muss.

«Resident Evil 2» (ab 18 Jahren) erscheint für PC, Playstation 4 und Xbox One und kostet rund 60 Euro.

Resident Evil 2 im Netz


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wütender Hausbesitzer. Einem Mitglied der wahnsinnigen Baker-Familie gehen Spieler lieber aus dem Weg. Sie sind nahezu unverwundbar. Foto: Capcom Frisches Essen aus alten Zutaten: «Resident Evil 7» im Test Es war Gruselspiel, Online-Shooter, Actionthriller, es war oft richtig gut und ab und zu richtig schlecht: Die Spieleserie «Resident Evil» hat seit ihrem Start viel mitgemacht. Nun kehrt Teil 7 zurück zu den Wurzeln - mit Erfolg?
«Resident Evil 7 Biohazard» soll wieder mehr gruseln als die Action-lastigen Vorgänger. Foto: Capom Neue Konsolenspiele: Mehr Horror und digitale Monsterkämpfe «Resident Evil» ist zurück und will wieder für ordentlich Gruselstimmung sorgen. Und auch wer sich weniger gruseln will, findet in diesem Monat reichlich frischen Stoff für die Konsole - von rasant über komplex bis hin zu richtig hart.
Die Straßen voller Müll und Trümmer, die öffentliche Ordnung in Manhattan liegt am Boden: «Tom Clancy's The Division» stellt New-York-Freunde auf eine harte Probe. Screenshot: Ubisoft Foto: Ubisoft Virenalarm und prügelnde Taschenmonster Vielfältig präsentiert sich das Frühjahr den Videospielern. Die Zeit bis zur Spielemesse E3 und dem Start der virtuellen Realität auf den Next-Gen-Konsolen lässt sich bestens mit neuem Stoff von kniffeligen Puzzeln bis handfester Action füllen.
Die beiden mitgelieferten Controller der Playstation Classic sind gut gefertigt und stabil. Leider hat Sony keine Dual-Shock-Modelle mit Steuersticks und Vibration beigelegt. Foto: Robert Günther/dpa-tmn Die Playstation Classic im Test Nach Nintendos Konsolen-Klassikern und dem C64 kehrt nun auch Sonys erste Playstation als kleine Neuauflage in die Gegenwart zurück. Leider hat die Playstation Classic einen Haken - oder zwei.