Kindesentwicklung durch Corona nicht nachhaltig gestört

24.11.2020
Lockdown, Kontaktverbote, geschlossene Schulen: Was macht die Corona-Pandemie mit der Psyche von Kindern und Jugendlichen?
Michael Kölch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ist der Ansicht, dass die Coronakrise bislang nicht zu gravierenden Störungen bei Kindern und Jugendlichen führt. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/ZB
Michael Kölch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ist der Ansicht, dass die Coronakrise bislang nicht zu gravierenden Störungen bei Kindern und Jugendlichen führt. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/ZB

Rostock (dpa) - Die Corona-Pandemie zeigt nach Erkenntnissen von Psychiatern bislang geringere Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen als befürchtet.

«Es gibt aktuell keine Anhaltspunkte, dass sich in der psychischen Entwicklung der jungen Menschen etwas nachhaltig verändern könnte», sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Michael Kölch. Trotz der Pandemie, die nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche oftmals lästig, oft aber auch belastend sei, finde die normale geistige Entwicklung weiter statt.

Studien zu Langzeitfolgen fehlen

Der Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Unimedizin Rostock warnte auch davor, über mögliche Langzeitfolgen zu spekulieren. Das wäre wissenschaftlich nicht haltbar. «Dazu muss man jetzt Studien machen.» Es sei sein Ziel, solche medialen Aspekte der Corona-Pandemie zu «entkatastrophieren».

Dennoch gebe es Tendenzen, die im weiteren Verlauf der Pandemie genau beobachtet werden müssten. So seien Menschen in sozial schwierigen Lebensumständen mehr von der Krise betroffen. «Falls dann öffentliche Fördersysteme in der Schule wegfallen oder Eltern die Kinder nicht wie notwendig unterstützen können, könnte eine Schere aufgehen.»

Auch die aktuelle Überbelastung der Gesundheitsämter und damit der häufige Wegfall von Schuleingangsuntersuchungen könnten sich langfristig negativ auswirken. «Es ist nicht auszuschließen, dass Entwicklungsstörungen nicht rechtzeitig entdeckt, Kinder falsch eingeschult werden oder nicht die Unterstützung erhalten, die sie brauchen», sagte Kölch. Dann könnte das Risiko einer psychischen Störung steigen.

Kölch riet auch dazu, das Maskentragen bei Kindern und Jugendlichen nicht zu dramatisieren. Selbst bei seinen jungen Patienten, von denen viele als psychisch wenig belastbar gelten, gebe es kaum negative Reaktionen. «Denen macht das überhaupt nichts aus.»

Wann Teenager psychologische Hilfe brauchen

Ist ein sonst lebhafter Teenager über mehrere Wochen gereizt, zurückgezogen, appetitlos und kann nicht mehr gut schlafen - dann sollten Eltern reagieren. Darauf weist der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hin. Dies können Anzeichen für ein psychisches Problem sein. 

Grund zur Sorge sei immer dann angebracht, wenn sich das Verhalten des Nachwuchses grundsätzlich und langfristig verändert. Kurzfristige Niedergeschlagenheit - gerade in Zeiten von Pandemie und Kontaktbeschränkungen - sei dagegen unbedenklich.

Der BVKJ rät Eltern bei einem «schlechten Bauchgefühl» mit ihren Kindern zu sprechen und sie zu fragen, wie es ihnen geht und ob Vater oder Mutter etwas für sie tun können.

Ein nächster Schritt könnte der Gang zu einem Kinder- und Jugendarzt sein. Dieser schätzt ein, ob es sich eventuell um eine Depression handelt und ob eine Behandlung durch einen Jugendpsychologen folgen sollte.

© dpa-infocom, dpa:201123-99-434072/3

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Verfasser: dpa-infocom GmbH

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