Jugendschützer warnen vor gefährlichen Mutproben im Netz

05.06.2020
Für Mutproben waren Kinder und Jugendliche wohl schon immer empfänglich. Dass diese richtig gefährlich werden können, gilt auch für Challenges aus dem Netz. Darauf machen Jugendschützer aufmerksam.
Nagellackentferner auf der Haut anzünden oder auf fahrende Züge klettern: Im Internet werden Kinder und Jugendliche mitunter zu gefährlichen Challenges angestiftet. Foto: Armin Weigel/dpa
Nagellackentferner auf der Haut anzünden oder auf fahrende Züge klettern: Im Internet werden Kinder und Jugendliche mitunter zu gefährlichen Challenges angestiftet. Foto: Armin Weigel/dpa

Berlin (dpa) - Die Internetwächter von «Jugendschutz.net» haben im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg von Inhalten im Netz registriert, bei denen zu riskanten Mutproben aufgerufen wurde.

«Gefährliche Online-Challenges verbreiten sich in Social Media rasend schnell und finden durch den Mitmachdruck schnell Nachahmer», sagte der Leiter von «Jugendschutz.net», Stefan Glaser, anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts der gemeinsamen Stelle von Bund und Ländern. Man beobachte, dass bei den Mutproben immer höhere Risiken eingegangen würden. «Aus Spaß kann dann ganz schnell eine lebensbedrohliche Situation entstehen», sagte Glaser.

Nagellackentferner auf der Haut anzünden, auf fahrende Züge klettern, an einer Steckdose einen Kurzschluss erzeugen wurden als Beispiele genannt. «Jugendschutz.net» durchkämmt das Internet auf Gefahren und Risiken und drängt Anbieter dazu, den Jugendschutz einzuhalten und gegebenenfalls Inhalte zu entfernen. Im Blick stehen riskante Kontakte, Selbstgefährdungen, politischer Extremismus, Hass und Gewalt und die sexuelle Ausbeutung von Kindern.

Der größte Zuwachs sei 2019 im Bereich der Selbstgefährdung festzustellen gewesen. Hier gab es fast eine Verdoppelung von 478 auf 846 registrierte Fälle. Auch bei Gewaltinhalten gab es eine Steigerung. Den größten Anteil der Verstoßfälle hätten aber auch 2019 Darstellungen sexualisierter Gewalt eingenommen (2553 Fälle).

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) verwies auf die von ihr geplante Reform des Jugendschutzgesetzes, mit dem Anbieter zu mehr Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz verpflichtet werden sollen. Es soll nach Angaben ihres Ministeriums voraussichtlich im Herbst im Kabinett beschlossen werden.

Jahresbericht Jugendschutz.net


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Kindgerecht? Im Netz gibt es zahlreiche Angebote, die Eltern und Kindern den Weg weisen. Foto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa-Zentralbild/dpa-tmn Orientierung im WWW - Kindern den Weg ins Netz weisen Shopping, Unterhaltung, Informationen - im Internet sind unzählige Angebote abrufbar. Darunter ist aber auch vieles, das für Kinder nicht geeignet ist. Gut, dass es Angebote gibt, die Kindern und Eltern den Weg zu passenden Webseiten zeigen.
Bei der Konferenz beraten rund 300 sogenannter Medienscouts, wie sie Mitschülern im Umgang mit sozialen Netzwerken beraten können. Foto: Bernd Wüstneck Gefährdung von Kindern durch das Internet nimmt zu Auch wenn Kommunikation über das Internet und Smartphones für Kinder und Jugendliche längst Alltag ist, droht doch ständig die Gefahr etwa durch Cybermobbing. Medienscouts können da präventiv tätig werden und auch akut Hilfe leisten.
Ständig gereizt und traurig ohne Handy? Das können erste Anzeichen sein, dass Jugendliche süchtig danach sind. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn Wenn Computerspiele oder Social Media abhängig machen Bis in die Nacht sitzen Jungs am Computer und kämpfen sich Strike um Strike durch die virtuelle Kampfzone. Mädchen zählen die Likes unter ihren Fotos. Ist das nicht mehr zu kontrollieren, warnen Experten. Sie fordern mehr Plätze zur stationären Behandlung.
Mit Cybermobbing werden immer mehr Frauen unter psychischen Druck gesetzt. Foto: Julian Stratenschulte Gemeinheiten per Whatsapp: Cybermobbing ist weit verbreitet Intime Bilder an die Smartphones der Mitschüler schicken, Beschimpfungen auf Facebook posten - Cybermobbing hat viele Facetten. Das ist längst ein verbreitetes Phänomen, auch weil Mitgefühl nicht zum Lehrplan passt.