Hälfte der Nutzer erwägt Social-Media-Abmeldung

26.03.2018
Der Facebook-Skandal stimmt viele Social-Media-Nutzer nachdenklich. Laut einer Umfrage hat fast jeder zweite Nutzer in Deutschland schon einmal über eine Abmeldung nachgedacht.
#deletefacebook: Über die Aufforderung zum Löschen des Facebook-Accounts denken viele Nutzer ernsthaft nach. Foto: Thibault Camus/AP
#deletefacebook: Über die Aufforderung zum Löschen des Facebook-Accounts denken viele Nutzer ernsthaft nach. Foto: Thibault Camus/AP

Berlin/Los Angeles (dpa) - Aus Sorge um den Datenschutz hat fast jeder zweite Nutzer von sozialen Medien in Deutschland bereits über eine Abmeldung nachgedacht. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für das Nachrichtenmagazins «Focus» hervor.

49 Prozent hätten einen solchen Schritt bereits erwogen, hieß es. Männer (53 Prozent) tendieren demnach eher zu einer Abmeldung als Frauen (44 Prozent). Bekannte soziale Netzwerke sind Facebook, Instagram und Twitter.

Angesichts des Facebook-Skandals um den Missbrauch von Nutzerdaten sieht der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, Verbesserungsbedarf. Das Beispiel zeige, «dass der Schutz in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen noch höherer Qualität bedarf», sagte Schönbohm der «Rheinischen Post». Der Fall gehöre aufgeklärt und transparent gemacht. Noch sei allerdings unklar, ob Facebook vielleicht unwissend Datenlieferant und Opfer war.

Zuletzt war bekannt geworden, dass die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica sich über eine App unerlaubt Zugang zu einigen Daten von mehr als 50 Millionen Profilen von Facebook-Nutzern verschafft hatte. Mit dem Datenbestand soll auch gezielt der Wahlkampf von US-Präsident Trump unterstützt worden sein.

Die Möglichkeit einer Beeinflussung von Wahlen in Deutschland sieht Schönbohm aber nach eigenem Bekunden nicht. «Wir haben in Deutschland im Vorfeld vergangener Bundestags- und Landtagswahlen Schutzmaßnahmen ergriffen, um Datenmissbrauch, wie er im Zuge der US-Wahl erfolgt sein soll, zu vermeiden.» Man habe «keine Hinweise darauf, dass es zu solch einem Datenmissbrauch bei Wahlen in Deutschland gekommen sei.

Der Unternehmer und Multimillionär Elon Musk löschte unterdessen am Freitag (23. März) offensichtlich die Facebook-Präsenzen seines Autoherstellers Tesla sowie seiner Raumfahrtfirma SpaceX. Er war zuvor von mehreren Twitter-Anhängern dazu herausgefordert worden.

WhatsApp-Gründer Brian Acton hatte ihm die Nachricht «Es ist Zeit» mit dem Hashtag «#deletefacebook» (lösche Facebook) gesandt. Am Freitag (Ortszeit) reagierte Musk zunächst mit der polemischen Frage: «Was ist Facebook?» Später sagte er auf Twitter, er habe nicht gewusst, dass es eine SpaceX-Seite bei Facebook gebe. Auch den Tesla-Auftritt in dem sozialen Netzwerk wolle er löschen, versicherte Musk: «Die sieht sowieso langweilig aus», sagte er zur Begründung.

Berichten zufolge sind beide Facebook-Seiten kurz darauf vom Netz genommen worden. Ein Twitter-Anhänger Musks zeigte angebliche Bildschirmfotos der gelöschten Seiten auf seinem Konto. Bei Facebook sind die Seiten nicht mehr zu finden.

Seit Bekanntwerden des Daten-Skandals macht auf Twitter der Hashtag «#deletefacebook» (lösche Facebook) die Runde.

Konversation mit Elon Musk bei Twitter


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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