«Generation Smartphone» nicht besonders fit am Computer

05.11.2019
Blitzschnell mit den Fingern übers Smartphone, Freunde auf der Snap Map finden, Chat über WhatsApp - digitaler Alltag für Teenager. Aber wie Computer sinnvoll zum Arbeiten genutzt werden können - da haben viele Defizite, zeigt eine Studie.
Ein Schüler arbeitet in der Waldschule in seinem Klassenzimmer am Tablet. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Ein Schüler arbeitet in der Waldschule in seinem Klassenzimmer am Tablet. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Berlin (dpa) - Die «Generation Smartphone» in Deutschland ist im Umgang mit Computern nur mäßig fit und liegt dabei im internationalen Vergleich im oberen Mittelfeld. Das zeigt eine repräsentative Erhebung unter Achtklässlern, die das Bundesbildungsministerium und die Kultusministerkonferenz am Dienstag in Berlin vorstellten.

Die durchschnittlichen «computer- und informationsbezogenen Kompetenzen» der deutschen Achtklässler haben sich demnach im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2013 kaum verändert: Nur ein verschwindend geringer Anteil der Schüler in diesem Alter kann richtig gut mit Computern umgehen, viele haben nur Grundkenntnisse.

Oppositionspolitiker und Experten forderten mehr Anstrengungen in der Bildungspolitik, um Kinder in dem Bereich fitter zu machen, und verwiesen darauf, dass die Wirtschaft dringend Nachwuchs mit Digitalkompetenzen brauche.

Für die Studie wurden im Frühjahr und Frühsommer 2018 mehr als 3500 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen in allen Bundesländern an Computern getestet. Zudem wurden fast 2500 Lehrer befragt, die Achtklässler unterrichten. Die Schüler mussten zum Beispiel Bilder bearbeiten, Präsentationen und Grafiken erstellen, simulierte Internetrecherchen durchführen oder sich in komplexeren Computersimulationen zurechtfinden, in denen es um die Steuerung einer Drohne oder eines Schulbusses ging.

Deutlich wurde dabei, dass jeder dritte deutsche Schüler gerade mal «rudimentäre» Computerkenntnisse hatte. Das bedeutet, dass er zum Beispiel einen Link in einer E-Mail öffnen oder ein Wort in einem Textverarbeitungsprogramm einfügen oder korrigieren konnte, an komplexeren Aufgaben aber scheiterte. Die höchste Kompetenzstufe im Umgang mit Computern erreichten nur 1,9 Prozent der Achtklässler. Deutlich besser schnitten die Schüler in Südkorea ab.

In Europa waren die dänischen Achtklässler am fittesten am PC.

Anderen Ländern gelinge es besser, diese Kompetenzen schulisch zu fördern, sagte die Leiterin der Studie, Birgit Eickelmann von der Universität Paderborn. Sie nannte es besorgniserregend, dass auch in diesem Bereich die soziale Herkunft großen Einfluss auf den Kompetenzstand habe. «Dass der Geldbeutel der Eltern entscheidet, ob man in der digitalen Welt mithalten kann oder nicht, ob man merkt, was im Internet Propaganda ist und was nicht - da hat man Sorge, was die Stabilität der Gesellschaft angeht», sagte sie bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Axel Plünnecke, Bildungsexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW),nannte die Ergebnisse aus wirtschaftlicher Sicht besorgniserregend und forderte ein Pflichtfach Informatik in der Schule. Die Unternehmen bräuchten dringend IT-Fachkräfte. Digitale Fähigkeiten würden durch die Nutzung von Smartphones und Tablets nicht automatisch erlernt, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Margit Stumpp, und forderte «altersgerechte Medienbildung», die bereits in der Kita beginne.

Die FDP sprach sich für einen «Digitalpakt 2.0» aus. Es reiche nicht aus, wenn Schulen ans Internet angeschlossen und Geräte bereitgestellt würden. Investiert werden müsse auch in die Entwicklung von Lernsoftware für den Unterricht. Zudem solle Medienbildung eine größere Rolle bei der Lehreraus- und Fortbildung spielen, sagte die stellvertretende Parteivorsitzende, Katja Suding, der dpa.

ICILS-Studie


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN

Passende Anbieter

Das könnte Sie auch interessieren
91 Prozent der Deutschen möchten, dass weiterführende Schulen Digitalkompetenzen vermitteln. Foto: Ingo Wagner/dpa Schule digital - was wollen die Deutschen? Lehrer müssen oft immer noch in einen Extraraum mit Computern, wenn sie mit der Klasse online recherchieren wollen. Und viele Schüler erwerben Digitalkenntnisse auf eigene Faust. Die Bundesbürger wünschen sich etwas anderes.
Schüler, die einmal pro Woche am Computer arbeiten, schneiden in Mathematik und den Naturwissenschaften besser ab, fanden Wissenschaftler heraus. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Aktionsrat Bildung: Schulen müssen digitaler werden Der digitale Wandel ist in deutschen Schulen noch nicht angekommen. Das ist das Ergebnis eines neuen Gutachtens renommierter Bildungsforscher. Auch auf anderen Feldern sehen sie akuten Handlungsbedarf seitens der Bildungspolitik.
Mitarbeiter des Gehäuse- und Installationsdesigners Goppion bauen den Rahmen für einen Quantencomputer vom Typ "IBM Q System One" auf und bereiten diesen für Tests vor. Foto: IBM IBM bringt Quantencomputer nach Deutschland Ihr Potenzial ist enorm - nun kommt ein Quantencomputer nach Deutschland. Die Fraunhofer Gesellschaft geht eine Partnerschaft mit IBM ein. Am «Q System One» sollen Forscher, Entwickler und Industrie-Experten die nächste Computer-Generation erkunden.
Eine Mitarbeiterin des Bildungsmedienanbieters Gida stellt auf der Bildungsmesse Didacta ein interaktives Whiteboard vor. Foto: Marijan Murat/dpa Zäher Abschied von der Kreide Gefühlt ist die Digitalisierung seit zehn Jahren Topthema auf der jährlichen Bildungsmesse Didacta. Trotzdem kommen Deutschlands Schulen nicht so recht hinterher. Doch was sind die Gründe dafür?