Fürs digitale Erbe braucht es Vollmacht und Liste

19.03.2019
Niemand denkt gern an den Tod. Aber wer zu Lebzeiten das Thema Erbe links liegen lässt, bringt später die Hinterbliebenen in Bedrängnis, insbesondere wenn es um den digitalen Nachlass geht. Denn auch digitale Verträge und Daten können und sollten vererbt werden.
Wurde zu Lebzeiten eine Vertrauensperson ernannt, kann sie sich nach dem Tod um die Rechte und Pflichten aus Verträgen mit Internetdiensten kümmern. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Wurde zu Lebzeiten eine Vertrauensperson ernannt, kann sie sich nach dem Tod um die Rechte und Pflichten aus Verträgen mit Internetdiensten kümmern. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Social-Media- und E-Mail-Konten, Abos bei Streamingdiensten, Shop-Kundenkonten, Gesundheitsdaten von Fitness-Apps oder Fotosammlungen bei Online-Speicherdiensten: Verbraucher sammeln im Alltag immer mehr digitale Verträge und Daten.

Damit das, was da im Laufe eines Lebens zusammenkommt, nach dem Tod nicht plötzlich herrenlos wird, sollte man eine Vertrauensperson benennen. Sie kann sich nach dem eigenen Ableben um die Rechte und Pflichten aus Verträgen mit Internetdiensten kümmern. Dazu rät der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Ein Musterformular für so eine Vollmacht bietet der Verband im Netz an. Ganz wichtig: Sie muss handschriftlich verfasst, mit Datum versehen, unterschrieben und mit dem Hinweis versehen sein, dass sie «über den Tod hinaus» gilt. In der Vollmacht sollte man detailliert festlegen, was die Vertrauensperson genau mit den Konten, Daten oder Fotos im Netz nach dem Ableben tun soll. Sie können gelöscht oder in einen Gedenkzustand versetzt werden, wie es etwa bei Facebook möglich ist. Auch Anweisungen dazu, was mit Daten auf Geräten wie Computern, Notebooks, Smartphones, Tablet oder externen Festplatten geschehen soll, gehören in die Vollmacht.

Um der Vertrauensperson ihre Aufgabe zu erleichtern oder ihr die Erledigung überhaupt erst zu ermöglichen, raten die Verbraucherschützer, eine Übersicht über alle Konten mit Benutzernamen und Passwörtern anzulegen. Am besten macht man das auf einem verschlüsselten oder per Kennwort geschützten USB-Stick, der an einem sicheren Ort deponiert wird, etwa in einem Tresor oder Bankschließfach. Dabei sollte man regelmäßige Aktualisierungen des Datensatzes einplanen, damit Änderungen, Neuzugänge oder gelöschte Konten nicht auf der Strecke bleiben.

Bei einigen Diensten können Nutzer auch schon zu Lebzeiten ihre Vertrauensperson in den Einstellungen angeben - etwa als Nachlasskontakt bei Facebook oder im Kontoinaktivitäts-Manager von Google.

Muster-Vollmacht für den digitalen Nachlass


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Orientierung für angehende Auszubildende gibt es auf der Website der Agentur für Arbeit. Foto: arbeitsagentur.de Digitale Tipps und Hilfe für Azubis Den Schulabschluss in der Tasche und keine Ahnung, wie es beruflich weitergehen soll? Da lohnt sich unter Umständen ein Blick auf die Webseite der Bundesagentur für Arbeit.
Steuerprogramme führen Nutzer meist komfortabel durch die Erklärung. An ihre Grenzen stößt die Software aber schnell bei komplexeren Steuerfällen. Foto: Christin Klose Die Steuer per Software erledigen Um die Steuererklärung kommen nur wenige herum. Und fast jeder freut sich über Hilfe. Aber muss es gleich der Steuerberater sein? Was taugt die digitale Selbsthilfe? Sind Steuerprogramme zuverlässig, und wie unterscheiden sie sich?
Was soll mit meinem Profil geschehen, wenn ich nicht mehr bin? Einige soziale Netzwerke bieten etwa die Überführung in einen Gedenkzustand an. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Planen und hinterlegen: Das digitale Erbe regeln Bei einem Todesfall übersehen die Hinterbliebenen leicht das digitale Erbe des Verstorbenen. Oder sie wissen nicht, damit umzugehen. Wie kann man Online-Konten löschen? Muss man Abo-Dienste weiter zahlen? Dinge, die man für die Erben am besten zu Lebzeiten regelt.
Was soll mit meinem Profil geschehen, wenn ich nicht mehr bin? Einige soziale Netzwerke bieten etwa die Überführung in einen Gedenkzustand an. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Das digitale Erbe regeln Bei einem Todesfall übersehen die Hinterbliebenen leicht das digitale Erbe des Verstorbenen. Am besten regelt man das für die Erben zu Lebzeiten. Nach einem Todesfall ist es schwierig, an Daten heranzukommen, wie ein aktuelles Gerichtsurteil zeigt.