Die meisten Bahnhöfe haben kein Servicepersonal

28.08.2019
Wann kommt der Zug? Wo hält mein Wagen? Für solche Fragen gibt es an vielen Bahnhöfen keine Ansprechpartner. Die Bahn verweist auf Aushänge, Anzeigen, Website und App. Der Linken reicht das nicht.
Wer an einem deutschen Bahnhof einen Helfer oder Ansprechpartner benötigt, kann meist lange suchen. An 92 Prozent der Bahnhöfe gibt es kein Servicepersonal. Foto: Frank Rumpenhorst
Wer an einem deutschen Bahnhof einen Helfer oder Ansprechpartner benötigt, kann meist lange suchen. An 92 Prozent der Bahnhöfe gibt es kein Servicepersonal. Foto: Frank Rumpenhorst

Berlin (dpa) - An 92 Prozent der Bahnhöfe in Deutschland gibt es kein Servicepersonal. Das geht aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Danach können Fahrgäste an 5213 Bahnhöfen nicht auf Servicepersonal zurückgreifen, das beispielsweise Fragen beantwortet oder Fahrgäste im Rollstuhl unterstützt. Insgesamt unterhält die Bahn 5663 Personenbahnhöfe.

Forderung nach mehr Personal an deutschen Bahnhöfen

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch kritisierte: «Wenn an mehr als 5000 Bahnhöfen kein Servicepersonal anzutreffen ist und an keinem einzigen Regionalbahnhof, dann läuft etwas schief.» Es gehe nicht nur um Auskünfte, sondern um Sicherheit. «Es muss der Grundsatz gelten: Ein Bahnhof, der angefahren wird, muss auch mit DB-Personal besetzt sein.»

Die Bahn wies darauf hin, dass die Zahl der Servicemitarbeiter seit zehn Jahren konstant bei 3000 liege. Das Personal werde an allen großen Bahnhöfen eingesetzt, an denen es viele Reisende und Besucher gebe, außerdem an wichtigen Umsteigepunkten und an Bahnhöfen, die für Urlauber von Bedeutung sind, sowie bei Großereignissen.

Welchen Service die Bahn derzeit bietet

«Service an Bahnhöfen ist für die DB ein wichtiger Faktor», betonte eine Sprecherin. Es gebe auch rund 2300 Reiseberater in Reisezentren sowie rund 2000 Reinigungskräfte an den Bahnhöfen. Neben 5000 Bundespolizisten seien an Bahnhöfen 4000 Konzern-Sicherheitskräfte im Einsatz. «An allen Bahnhöfen - auch ohne Personal - informieren wir grundsätzlich über Aushänge, Fahrpläne oder elektronische Anzeiger.» Immer mehr Kunden informierten sich zudem per Internet und App.

Wie Menschen mit Behinderung am Bahnhof Hilfe bekommen

Menschen mit Behinderung benötigen bei Bahnreisen mitunter Unterstützung. Wer beim Einsteigen und Aussteigen auf Hilfe angewiesen ist, kann diese online bei der Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn beantragen. Das ist über ein Online-Formular, telefonisch oder per Mail möglich. Das sollte man bei Inlandsreisen bis spätestens 20 Uhr am Vortag tun, bei grenzüberschreitenden Reisen sogar 48 Stunden vorher.

Eine Anmeldung empfiehlt sich immer. Zwar sei an Bahnhöfen mit Servicepersonal spontane Hilfe möglich. Doch es besteht das Risiko, dass zum gewünschten Zeitpunkt kein Mitarbeiter zur Verfügung steht, heißt es in den Zugangsregelungen der Bahn. Die Mitarbeiter seien an rund 300 Bahnhöfen vor Ort oder kommen für Hilfeleistungen dorthin. Im Netz gibt es eine Liste dieser Bahnhöfe. An allen anderen Bahnhöfen steht der Service nicht zur Verfügung.

App gibt Auskunft über Aufzüge und Rolltreppen

Wer keine Hilfeleistung durch Bahnpersonal braucht, aber etwa auf funktionierende Aufzüge und Rolltreppen angewiesen ist, bekommt in der App «DB Barrierefrei» aktuelle Informationen dazu. Auch Anzeigen an den Bahnhöfen werden damit akustisch oder visuell wiedergegeben.

Nach Angaben der Bahn sind bundesweit etwa drei Viertel aller Bahnhöfe stufenlos erreichbar. Gut die Hälfte hat Bahnsteige, die bei bestimmten Zügen einen Einstieg ohne Höhenunterschiede erlauben.

Bahn-Pressemitteilungen

Mobilitätszentrale Deutsche Bahn

Zugangsregelungen DB Station Service (Punkt 3)

DB-Broschüre Barrierefreies Reisen (S. 25 Barrierefreiheit)

Bahnhöfe mit Hilfeleistungen

App "DB Barrierefrei"


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Bahn will ihre Bahnhöfe modernisieren. Auch in der Frankfurter Hauptbahnhof soll umgestaltet werden. Foto: Andreas Arnold/dpa Bahn verspricht mehr Sauberkeit und Service im Bahnhof Um profitabler zu werden, setzt Die Bahn auf mehr Qualität und fährt die Investitionen in die großen Bahnhöfe hoch. Nicht alles ist für die Kunden umsonst zu haben.
Im Fernverkehr sollen wegen des Streiks alle für Montag gekauften Tickets bis Dienstag gültig bleiben. Foto: Roland Weihrauch Streik bei der Bahn - Was Reisende wissen müssen Kein guter Wochenstart für Pendler: Der Warnstreik bei der Bahn hat am Montag zu Zugausfällen und Verspätungen geführt. Und auch am Dienstag läuft der Zugverkehr noch nicht wieder wie geplant. Doch Fahrgäste haben einige Rechte.
Mehr Investitionen, mehr Personal, besserer Service, weniger Staus auf der Schiene: Die Deutsche Bahn will mit einem Maßnahmenpaket aus der Krise und die Pünktlichkeit der Züge erhöhen. Foto: Stefan Sauer Die Bahn verspricht mehr Pünktlichkeit Unpünktliche Züge sind ein tägliches Ärgernis für Tausende Bahnkunden. Die Bahn gelobt Besserung, der Bund als Eigner will «massiv investieren». Wichtige Fragen aber wie die Finanzierung und künftige Konzernstrukturen sind vorerst offen.
Die Deutsche Bahn will ab Dezember das Preisniveau ihrer Gerichte im Bordrestaurant senken. Foto: Christoph Soeder Bahn überarbeitet Bordbistros und Service Vor vielen Jahren erwog die Bahn, die Speisewagen abzuschaffen. Daran denkt sie längst nicht mehr. Das Unternehmen will näher an den Gast heran und reagiert auch auf Änderungen im Essverhalten.