Deutschland feiert 100 Jahre Bauhaus

10.01.2019
Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus gegründet. Im Jubiläumsjahr zeigen zahlreiche Einrichtungen in ganz Deutschland, was von der Gestalterbewegung übrig geblieben ist - zum Beispiel Türgriffe.
Das Bauhaus entschied sich Mitte der 1920er Jahr für Dessau als neuen Standort. Das von Walter Gropius entworfene Schulgebäude wurde 1925-26 in Dessau errichtet. Foto: Yvonne Tenschert/Stiftung Bauhaus Dessau
Das Bauhaus entschied sich Mitte der 1920er Jahr für Dessau als neuen Standort. Das von Walter Gropius entworfene Schulgebäude wurde 1925-26 in Dessau errichtet. Foto: Yvonne Tenschert/Stiftung Bauhaus Dessau

Weimar (dpa/tmn) - Türklinken, Pfeffer- und Salzstreuer auf Abertausenden Tischen und einfache Siedlungsbauten mit bezahlbaren Wohnungen: Das ist Bauhaus. Aber auch schicke, schlichte Einzelvillen oder noch heute begehrte Designerlampen und -möbel.

Das Bauhaus wollte nach dem Ersten Weltkrieg neue Lebensverhältnisse für alle gestalten und bei der Lösung der sozialen Frage helfen. Was daraus geworden ist, zeigen viele Gebäude und Veranstaltungen in Deutschland unter dem Motto Bauhaus100.

Die älteste Bauhaussammlung und das erste Musterhaus in Weimar

Exakt 100 Jahre nach der Gründung des Bauhauses in Weimar öffnet am 6. April der neugebaute dreistöckige Kubus Bauhaus Museum Weimar am Weimarhallenpark. Mit der Ausstellung «Das Bauhaus kommt aus Weimar» macht die Stadt Goethes und Schillers klar, wo die Bewegung der Neuen Sachlichkeit ihren Ursprung hatte. 1919 holte der Leiter der Kunstgewerbeschule, Henry van de Velde, Walter Gropius. Deshalb widmet sich eine Ausstellung im Neuen Museum Weimar der zeitgenössischen Moderne, die zum Bauhaus hinleitete.

Wohnen im Bauhaus in Dessau

Nachdem in Weimar die politische Rechte das Sagen hatte, entzog sie der fortschrittlichen Kunstschule die Gelder. Gropius verhandelte mit Frankfurt, entschied sich aber dann 1925 für Dessau als neuen Standort. Was dort vom Bauhaus zusammengetragen wurde, zeigt die Schau «Versuchsstätte Bauhaus», mit der am 8. September das Bauhaus-Museum Dessau eröffnet wird. Im Studentenwohnhaus der ehemaligen Hochschule kann man das Bauhaus heute als Hotelgast originalgetreu erleben. Eine Architekturführung in der Reihenhaussiedlung Dessau-Törten vermittelt, was das Bauhaus vor 100 Jahren für bezahlbar und modern hielt.

Die größte Bauhaussammlung in Berlin

Die international einflussreiche Hochschule bestand nur 14 Jahre, Berlin war ihre letzte Station. Die Nazis schlossen die Schule 1933, viele Lehrer gingen ins Ausland oder in die innere Emigration. Die größte Bauhaussammlung der Welt blieb aber in der Stadt. Daraus werden unter dem Titel «Original Bauhaus» ab September in der Berlinischen Galerie 14 Objekte und ihre Geschichte gezeigt. Die Stadt beginnt das Bauhaus-Jubiläumsjahr allerdings schon am 16. Januar mit einem neuntägigen Festival in der Akademie der Künste. Es zeigt, wie Tänzer, Schauspieler und andere Künstler sich heute mit den Bauhausideen auseinandersetzen. Eigens geschulte Gästeführer, sogenannte Bauhaus-Agenten, bringen Besuchern unter anderem die Bauhaus-Pädagogik nahe.

Die erste voll elektrifizierte Siedlung in Frankfurt am Main

Während das Bauhaus in Dessau noch experimentierte, zog Frankfurt unter dem Stadtrat Ernst May ab 1925 innerhalb von fünf Jahren 15.000 Wohnungen in 15 verschiedenen Siedlungen im Stil der Neuen Sachlichkeit hoch. Darunter die erste voll elektrifizierte Siedlung, die Römerstadt für die Mittelschicht mit der Frankfurter Küche, die als Ursprung aller Einbauküchen gilt.

Das Deutsche Architekturmuseum am Museumsufer macht vom 23. März bis 18. August 2019 mit den damals innovativen Konstruktionsprinzipien vertraut. Ein paar Häuser weiter zeigt das Museum für Angewandte Kunst Bauhaus-Ikonen wie die Türgriffe von Ferdinand Kramer, die Zeiss-Ikon-Leuchten von Adolf Meyer und die Kaiser-Idell-Leuchten von Christian Dell. Ein komplett rekonstruiertes Haus kann man bei Führungen durch die Römerstadt besuchen. Die Tour gibt auch Einblick in heutige Wohnverhältnisse.

Das Vorbild für moderne Architektur in Stuttgart

Ludwig Mies van der Rohe empfahl sich 1927 mit der Leitung der international renommierten Werkbundausstellung Weißenhofsiedlung in Stuttgart als dritter Bauhaus-Direktor nach Gropius und Hannes Meyer. 17 Architekten bestückten damals den Killesberg mit schnörkellosen Flachdachhäusern, einige Bauten wurden im Krieg zerstört und später ersetzt. In der Siedlung zeigt das Doppelhaus von Le Corbusier in der einen Hälfte die Geschichte der Siedlung und in der anderen die Wohnverhältnisse in der ursprünglichen Farbigkeit und Möblierung. Wie Künstler heute über das Bauhaus denken, ist ab Juni in der Ausstellung «Weissenhof City» der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. Sie beherbergt auch die größte Sammlung von Werken Oskar Schlemmers.

www.bauhaus100.de


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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