Bei den Eltern ausziehen: Ein Ratgeber

13.12.2017
Ab einem gewissen Alter ist es wichtig, dass Jugendliche auf dem Weg ins Erwachsenenalter ausziehen und sich vom Elternhaus trennen, um auf eigenen Beinen zu stehen. Warum das vielen so schwerfällt und wie auch diese Kandidaten den Absprung schaffen, erläutert dieser Ratgeber.
Glück nach dem Auszug bei den Eltern, so sollte es sein. Die Realität sieht oftmals aber auch anders aus. | fotolia.de © baranq (#126997695)
Glück nach dem Auszug bei den Eltern, so sollte es sein. Die Realität sieht oftmals aber auch anders aus. | fotolia.de © baranq (#126997695)

Die aktuelle Lage

Im Normalfall werden Jugendliche von Jahr zu Jahr immer selbständiger, fangen an für sich selbst zu sorgen und entwickeln eigene Vorstellungen vom Leben, die mit denen der Eltern vielleicht nicht mehr allzu genau übereinstimmen. Dann ist irgendwann die Zeit gekommen, aus dem trauten Nest auszuziehen, was nicht selten als befreiender Abnabelungsprozess erlebt wird.

Der aktuelle Trend jedoch scheint in eine andere Richtung zu gehen. Denn zwar verlassen junge Deutsche den elterlichen Haushalt im europaweiten Vergleich mit durchschnittlich 23,6 Jahren relativ früh, auf die vergangenen Jahrzehnte gesehen jedoch ist auch dieses Alter als recht hoch anzusehen. Das mag zum einen daran liegen, dass die Ausbildungszeit heute deutlich länger dauert als früher und junge Menschen sich einfach erst später eine eigene Wohnung oder ein Zimmer in einer WG leisten können.

Zum anderen ist durchaus auch zu beobachten, dass junge Menschen heute eher in der Lage sind, offen auch sensiblere Seiten von sich zu zeigen und für ihre Ängste und Schwächen einzustehen. So zogen früher vielleicht viele junge Leute aus gesellschaftlichem Zwang aus, obwohl sie sich eigentlich noch nicht bereit gefühlt haben.

 

Warum es so schwer ist, sich abzulösen

Wer in harmonischen Verhältnissen aufwächst, hat fast immer Schwierigkeiten, sich vom elterlichen Haushalt abzulösen. Viele schaffen den Absprung schnell und gewöhnen sich nach einigen Tagen oder Wochen an das Leben ohne Eltern, andere hängen noch lange am elterlichen Nest und leiden am Heimweh.

Das ist nichts, wofür es sich zu schämen gilt, denn die Gründe sind vielfältig:

 

 

  • Wer in guter Beziehung mit den Eltern lebt, baut eine Art freundschaftliches Band auf, dass durch den Aspekt der Familie noch vertrauter und enger ist, als bei einer gewöhnlichen Freundschaft. Man weiß, dass die anderen immer da sind. Doch nach dem Auszug sind Mama und Papa plötzlich nur noch per Telefon erreichbar. Damit muss man erst zurechtkommen.
  • Wer beispielsweise anfängt zu studieren und auf eigenen Beinen stehen muss, hat mitunter Schwierigkeiten, sich in die Studienordnung einzufinden, zu lernen, dass er sich selbst versichern muss usw. Wo bisher mit jedem Schreiben zu den Eltern gerannt worden konnte, muss nun alles selbst erarbeitet werden. Viele fühlen sich damit hilflos und maßlos überfordert.
  • Auch in anderen praktischen Dingen des Haushalts war die elterliche Hilfe immer eine Selbstverständlichkeit. Als Kind und Jugendlicher wäscht niemand seine Wäsche selbst und gekocht wird auch von Mama und Papa. Plötzlich muss das alles alleine gemacht werden. Da kommt schnell einmal Frust auf. Das alles ist gar nicht so einfach und kostet Zeit. Kein Wunder, dass man da nicht gerne auszieht. Doch genau das ist eben wichtig.

 

 

 

Den Auszug durchziehen

Selbst wenn die Vorstellung davon, sich von den Eltern abzulösen und alleine in einer fremden Stadt zu wohnen, für viele junge Menschen beinahe unmöglich erscheint, ist es wichtig, den Gedanken, der irgendwann fast immer im Raum steht, so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen. Denn nur wer den räumlichen Absprung wagt, kann sich irgendwann auch an ihn gewöhnen. Eine Abnabelung braucht immer Zeit, doch sie muss knallhart erfolgen, sonst gewöhnt sich das inzwischen erwachsene Kind nie an das Leben auf eigenen Beinen.

Um den Auszug so leicht wie möglich zu gestalten, gibt es mehrere externe Unterstützungshilfen. Nicht nur finden sich im Internet zahlreiche Leitfäden für einen reibungslosen Umzug, die Tipps bei der Wohnungssuche, über die Planungsphase bis hin zum Umzugstag vereinen, auch der Staat fördert den Umzug entschlossener junger Menschen. Wer noch nicht viel eigenes Geld verdient, aber mit 16 oder 17 schon eine Ausbildung absolviert und an einen Auszug denkt, bekommt vom Staat Schüler-BAföG oder Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Alle möglichen Instanzen wollen dabei helfen, jungen Menschen den Weg in die Eigenständigkeit zu erleichtern. Denn auf eigenen Beinen zu stehen, ist auch in sozialer und politischer Hinsicht wichtig.

Auf eigenen Beinen stehen

Auf eigenen Beinen stehen heißt, für sich selbst sorgen zu können und nicht mehr in so starker Abhängigkeit zu leben, wie vorher. Dass das Lösen von dieser Abhängigkeit Zeit braucht und oft schwerfällt, ist normal. Was es aber erträglich macht, ist die Entwicklung, die fast jeder junge Mensch in dieser Phase durchmacht. Einige fühlen sich vielleicht schon nach dem Schulabschluss als erwachsen und haben das Gefühl, ihre geistige Entwicklung befände sich schon auf einem hohen Niveau. Sobald sie dann aber alleine wohnen und auch die alltäglichen Dinge selbst regeln müssen, merken sie, dass da noch einiges auf sie zukommt, was sie vorher nie bedacht haben. Eine neue Entwicklungsphase beginnt, die auch mit vielen schönen und interessanten Einsichten und Erlebnissen einhergehen wird.

Sobald man lernt, auf eigenen Beinen zu stehen, steigt auch ein Bewusstsein für soziale und politische Verantwortung. Auf einmal fallen einem vielleicht viel stärker die Menschen auf, die dauerhaft von anderen Menschen abhängig sind. Obdachlosigkeit, körperliche und geistige Beeinträchtigungen; all diese Probleme können nur mit Hilfe anderer behandelt werden. Dafür braucht es selbständig denkende und fürsorgliche Menschen. Nur wer für sich selbst sorgen kann, kann sich auch um andere kümmern.

Nach dem Umzug sparen

Die geistige Entwicklung ist etwas Schönes, doch sie braucht Zeit. Was dagegen ganz konkret und praktisch in die Tat umgesetzt werden kann, sind Tipps, die nach dem Umzug helfen, nicht sofort zu verzweifeln. Denn die meisten frisch Ausgezogenen fühlen sich gerade in finanzieller Hinsicht schnell an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gebracht und wünschen sich etwas Unterstützung. Mit folgenden Tipps lässt sich mitunter eine Menge Geld sparen:

 

 

 

  • Sind noch nicht alle Möbel vorhanden, neigen viele junge Leute dazu, zu einem der Möbelhäuser, die moderne Wohntrends anbieten, zu fahren und sich einzudecken. Die Möbel dort sehen ordentlich aus und kosten mitunter nicht einmal viel. Dennoch gibt es noch eine bessere Alternative: Second-Hand-Möbel finden sich nicht nur auf Flohmärkte n, sondern oftmals sogar kostenlos bei Nachbarn, Eltern oder Freunden. Damit wird das Zimmer außerdem definitiv individueller, als mit einer Ausstattung aus dem Möbelhaus.
  • Bei den Eltern hat man vielleicht noch nicht so darauf geachtet, aber Strom und Energiesparen sind nicht nur für das eigene Konto, sondern auch für die Umwelt gut. Lichter sind nur dann einzuschalten, wenn sie auch wirklich gebraucht werden, Wasserhähne nicht lange laufen zu lassen, Wäsche und Geschirr nur zu waschen, wenn die Maschine ganz gefüllt werden kann.
  • Beim Lebensmittelkauf ist vor allem darauf zu achten, nur so viel zu kaufen, wie auch verzehrt werden kann. Noch immer werden in Deutschland täglich viel zu viele Lebensmittel weggeworfen, zum Leid des Geldbeutels und der Natur.
  • Wer von Anfang an ein Haushaltsbuch führt, behält einen besseren Überblick über seine Finanzen. So lässt sich schauen, an welchen Enden vielleicht noch etwas mehr gespart werden kann.

 


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