Antworten auf Overtourism in den USA

08.03.2019
Auf der Reisemesse ITB war Overtourism ein großes Thema. Gemeint damit ist: zu viele Urlauber zur selben Zeit am selben Ort. Auch in den USA tritt das Phänomen bisweilen auf. Weil sich Reisende darauf einstellen, ist Besserung jedoch in Sicht - wenn auch nicht überall.
Im Sommer oft voller Touristen: Im Jahr 2018 wurden im Yellowstone Nationalpark - hier Mammoth Hot Springs - 4,11 Millionen Besucher gezählt. Yellowstone ist damit die Nummer fünf unter den meistbesuchten Nationalparks der USA. Foto: Christian Röwekamp
Im Sommer oft voller Touristen: Im Jahr 2018 wurden im Yellowstone Nationalpark - hier Mammoth Hot Springs - 4,11 Millionen Besucher gezählt. Yellowstone ist damit die Nummer fünf unter den meistbesuchten Nationalparks der USA. Foto: Christian Röwekamp

Berlin (dpa/tmn) - Urlaub in den USA führt Reisende immer häufiger an Orte, die früher weniger Auslandsgäste gesehen haben. Auf der Reisemesse ITB in Berlin (6. bis 10. März) berichteten Vertreter der Tourismusbranche, dass sich die Besucherströme stärker als früher in den Weiten des Landes verteilten.

Punktuell kommt es allerdings weiterhin dazu, dass besonders viele Urlauber gleichzeitig am selben Ort sind und damit für Overtourism sorgen, wie die parallel zur ITB vorgestellten Besucherzahlen der US-Nationalparkbehörde zeigen.

Viele Touristen blieben inzwischen länger in den USA, «weil sie nicht nur die großen Städte besuchen wollen, sondern auch weniger bekannte Regionen - die inzwischen keine weniger bekannten Regionen mehr sind», sagte Anne Madison von der Marketingorganisation Brand USA. «Unsere Kunden fragen öfter nach Alternativrouten zu den Hotspots», sagte Tilo Krause-Dünow vom Veranstalter Canusa, der Vizepräsident des Visit USA Committee in Deutschland ist. In der Urlauberberatung gehe man darauf auch ein: «Wir wollen vermeiden, dass unsere Kunden später mit dem Gefühl nach Hause fahren: Da war ja alles überlaufen.»

Für das Jahr 2019 erwartet die US-Regierung ein Wachstum bei der Zahl der Einreisen aus Deutschland von zwei Prozent. Laut der Hochrechnung wären das bis zum Jahresende etwa 2,186 Millionen US-Reisende mit deutschem Pass. Insgesamt werden mit knapp 83,9 Millionen Reisenden aus dem Ausland gerechnet, gut die Hälfte davon aus Kanada und Mexiko. Ein wenig zu schaffen mache der Branche aktuell der stärker gewordene Dollar, sagte Anne Madison. «Das ist eine Herausforderung für uns.» Bei den Urlaubsformen setze sich der Trend fort, dass Bustouren mit Reiseführer eine immer kleiner werdende Rolle spielen, erklärte Krause-Dünow. «Das individuelle Reisen nimmt weiter zu.»

Zu den Lieblingszielen vieler Deutscher gehören die Nationalparks in den USA. Alle zusammen haben sie 2018 zwar keinen neuen Besucherrekord erreicht - etliche bekannte Nationalparks jeweils für sich genommen allerdings schon. So viele Touristen wie noch nie kamen unter anderem in die Nationalparks Arches und Bryce Canyon in Utah, ins Death Valley in Kalifornien sowie nach Grand Teton in Wyoming. Die registrierte Zahl aller Nationalpark-Besucher ging um 3,8 Prozent auf 318,2 Millionen zurück. Laut dem US-Nationalpark-Service (NPS) wurde damit zum vierten Jahr in Folge die 300-Millionen-Marke überschritten. Vom NPS werden 418 Stätten verwaltet, neben den Nationalparks auch historische Orte. 385 der Stätten zählen Besucher.

Zu den Zielen in den USA, die sich auf weiter steigende Gästezahlen einstellen, gehört New York. Dort wird die Hotelauswahl immer größer: Ende 2019 werden voraussichtlich 131.900 Zimmer zur Verfügung stehen, etwa 13.000 mehr als am Jahresanfang, teilte das Tourismusamt NYC & Company zur ITB mit. Zum Vergleich: 2010 gab es den Angaben zufolge erst 86.600 Hotelzimmer in der Metropole an der US-Ostküste.

Die zusätzlichen Kapazitäten werden dringend gebraucht, um mit dem wachsenden Angebot an Attraktionen und Events Schritt zu halten. Neu hinzu kommt 2019 zum Beispiel der Komplex Hudson Yards im Westen Manhattans mit dem Kunstzentrum «The Shed» und der Aussichtsterrasse «Edge» in mehr als 330 Metern Höhe. Für Mai angesetzt ist die Eröffnung des Statue of Liberty Museums, in dem unter anderem die Original-Fackel der New Yorker Freiheitsstatue zu sehen sein wird.

Im Juni erwartet New York zum World Pride rund vier Millionen Besucher. Die Veranstalter des Großereignisses setzen sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) ein. World Pride findet erstmals in den USA statt und dürfte dazu beitragen, New Yorks Besucherzahlen auf eine neue Rekordzahl zu steigern, nachdem 2018 etwa 65,2 Millionen Touristen gezählt wurden.

Informationen für Reisende von NYC & Company

Statue of Liberty Museum

Reisemesse ITB

Informationen zum NPS und den Nationalparks

Besucherstatistik NPS

Prognose internationale Einreisezahlen USA 2017 bis 2023


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Im Kelly-Ingram-Park in Birmingham erinnert eine Statue an Martin Luther King. Foto: Raphael Tenschert/Alabama Tourism Auf den Spuren Martin Luther Kings durch die US-Südstaaten Als in den USA um gleiche Bürgerrechte für alle gerungen wurde, stand Martin Luther King im Zentrum des Geschehens. Vor 50 Jahren wurde der Baptistenprediger ermordet. An King und seine Zeit erinnern heute einige Museen. Eine Spurensuche in drei US-Südstaaten.
Präsidentenköpfe für die Ewigkeit: Am Mount Rushmore wurden vier Helden der US-Geschichte in Granit gemeißelt (l-r): George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Foto: Christian Röwekamp In den Black Hills den Mächtigen der USA begegnen Wer die Black Hills in South Dakota besucht, trifft immer wieder auf das Thema Macht. Herrscher des weißen Amerikas und der Ureinwohner sind hier in Granit und Bronze verewigt. Die mächtigsten Tiere der nahen Prärien bekommen Urlauber ebenfalls vor die Kamera.
Sonnenuntergang im Arches Nationalpark bei Moab in Utah - hier sowie im Zion Nationalpark möchte die US-Nationalparkverwaltung ein neues Reservierungssystem für Besucher etablieren. Foto: Jim Lo Scalzo/epa Overtourism bis späte Buchungen: Reisesommer in den USA Overtourism ist ein großes Thema auf der Reisemesse ITB. Auch die USA mit ihren scheinbar unendlichen Weiten haben punktuell das Problem, dass zu viele Touristen kommen - und wollen gegensteuern. Deutsche Reiseveranstalter hoffen derweil auf eine möglichst stabile Saison.
Neuer Besucherrekord auch im Grand-Teton-Nationalpark in Wyoming: 3,49 Millionen Menschen wollten im Jahr 2018 die dramatische Berglandschaft sehen. Foto: Christian Röwekamp/dpa-tmn Neue Besucherrekorde in vielen bekannten US-Nationalparks Wo es besonders schön ist, sind meist auch besonders viele Besucher. Das trifft auch die Nationalparks in den USA. Die meisten Touristen zählte der US-Nationalpark-Service bei einem Schutzgebiet in San Francisco.