Wie werde ich Zerspanungsmechaniker/in?

25.05.2020
Zerspanungsmechaniker stellen Teile her, die in zahlreichen Industrieprodukten vorkommen. Ein Job, der Handwerk, Informatik und Technik vereint - entsprechend sollten die Neigungen der Bewerber sein.
Wer Zerspanungsmechaniker werden will, sollte Interesse für diese Bereiche mitbringen. Foto: Lüdecke GmbH/dpa-tmn
Wer Zerspanungsmechaniker werden will, sollte Interesse für diese Bereiche mitbringen. Foto: Lüdecke GmbH/dpa-tmn

Amberg (dpa/tmn) - Für Grobmotoriker ist dieser Job nichts: Zerspanungsmechaniker fertigen Präzisionsbauteile aus Metall. Zahnräder, Motoren- und Turbinenteile, Radnaben - oder Kupplungssysteme für die Industrie. So groß, wie man sie in Raketen braucht und so klein, dass sie in einer Armbanduhr verbaut werden können.

So wie Michael Sperl, der im oberpfälzischen Amberg bei der Firma Lüdecke seinen Job lernt. «Ich wollte einen abwechslungsreichen Beruf lernen, der Zukunft hat», sagt der Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Das hat geklappt - denn Fertigkeiten wie seine sind in vielen Branchen und Bereichen gefragt.

Ausbildung mit drei Fachrichtungen

Drei verschiedene Fachrichtungen gibt es bei den Zerspanungsmechanikern, sagt Karlheinz Efkemann vom Bundesverband Metall: die Fräs- und die Schleiftechnik sowie vor allem die Richtung Drehautomatensysteme.

«Wir programmieren die Drehautomaten, die große Mengen von Präzisionsteilen herstellen», erläutert Azubi Michael Sperl. Dabei komme es vor allem auf Genauigkeit und handwerkliches Geschick an, sagt Sebastian Lotter, Leiter der Technischen Ausbildung bei Lüdecke. Sperl gefällt besonders, dass er am Ende seiner Schicht sieht, was er gemacht hat.

Der Beruf ist eine Mischung aus Handwerk, Technik und Informatik - und es bedarf jeder Menge Grundlagen und Spezialwissen, das die jungen Zerspanungsmechaniker sich aneignen müssen. «Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre», sagt Lotter. Wichtig neben handwerklichem Geschick ist ein grundlegendes Verständnis für die naturwissenschaftlichen Fächer Mathematik, Physik und Chemie. «Der Abschluss eines technischen Zweigs in der Schule ist von Vorteil.»

CNC-Maschine statt Werkbank

Nur in wenigen Betrieben wird noch an der klassischen Werkbank gearbeitet, hochpräzise CNC-Maschinen übernehmen die Jobs. Die Auszubildenden müssen mit der Steuerung und Wartung dieser Maschinen vertraut sein.

Die meisten Auszubildenden bringen die Mittlere Reife mit oder einen sehr guten Hauptschulabschluss, ab und an sei auch mal ein Abiturient dabei, sagt Ingo Hell. Er ist der Vorsitzende des Clusters Zerspanungstechnik der Gemeinnützigen Vereinigung der Drehteilehersteller (GVD) und Geschäftsführer der Zetec Zerspanungstechnik GmbH in Gosheim.

Nachwuchs wird vielerorts gesucht - und schlecht bezahlt ist weder die Ausbildung noch der Beruf. Nach Erhebungen des Bundesinstituts für Berufsbildung steigen die Auszubildenden mit einem Lohn von 1002 Euro in West- und 981 Euro in Ostdeutschland ein, in ihrem vierten Jahr verdienen sie 1204 Euro im Westen und 1162 Euro im Osten. Im Handwerk fällt die tarifliche Vergütung etwas geringer aus als in der Industrie. Das zeigen Orientierungswerte der Bundesagentur für Arbeit.

Das Einstiegsgehalt eines Gesellen kann bei rund 2500 Euro liegen - oder höher. Denn der Zerspanungsmechaniker ist oft ein klassischer Schicht-Beruf, und wer Nachtschichten macht, bekommt entsprechende Zulagen.

Mit der Ausbildung als Zerspanungsmechaniker ist der Weg der Fachleute noch lange nicht zu Ende. Die Gesellen können als Facharbeiter in der Produktion arbeiten oder im «produktnahen Bereich», wie Lotter sagt. Also zum Beispiel im Qualitätsmanagement eines Betriebs. Zudem gibt es verschiedene Weiterbildungen, etwa die zum Industriemeister Metall, zum technischen Fachwirt oder zum Maschinenbautechniker. Auch ein Maschinenbaustudium bietet sich an.

© dpa-infocom, dpa:200522-99-150843/4

GVD: Ausbildungswebseite

Berufsbild bei Berufenet


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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