Wie werde ich...? Bootsbauer/in

08.02.2016
Mit dreieinhalb Jahren ist die Ausbildung zum Bootsbauer lang. Technisches Zeichnen, Holzarbeiten und Malern: Azubis müssen ungewöhnlich viel lernen. Wer glaubt, für den Job an die Küste ziehen zu müssen, liegt jedoch falsch.
Volle Konzentration: Maximilian Dillmann klebt eine Markierung auf den Lack. Dillmann macht die Ausbildung zum Bootsbauer bei der Werft Gerhard Bicker in Ahlen in Nordrhein-Westfalen. Foto: Ina Fassbender
Volle Konzentration: Maximilian Dillmann klebt eine Markierung auf den Lack. Dillmann macht die Ausbildung zum Bootsbauer bei der Werft Gerhard Bicker in Ahlen in Nordrhein-Westfalen. Foto: Ina Fassbender

Ahlen (dpa/tmn) - Seit seiner Kindheit ist Maximilian Dillmann fasziniert vom Wasser. Von Seen, Flüssen und vom Meer. Und von den Booten, die darauf unterwegs sind. Nach seinem Realschulabschluss fiel ihm die Berufswahl deswegen nicht schwer.

Der mittlerweile 17-jährige Gelsenkirchener begann seine Ausbildung zum Bootsbauer in einem kleinen Betrieb in Ahlen, einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen. Größere Gewässer sucht man dort vergeblich, doch das ist nicht ungewöhnlich. Neben den großen Werften an Nord- und Ostseeküste sowie am Bodensee gibt es auch im Landesinneren Werften, die keinen direkten Gewässerzugang haben.

Der Beruf ist im Prinzip eine Mischung aus vielen Teilbereichen anderer Berufe. «Bootsbauer arbeiten im Gegensatz zu Schiffsbauern, die meist auf Metall spezialisiert sind, überwiegend mit Holz und verschiedenen Kunststoffen», sagt Gerhard Bicker. Er ist Obermeister der Boots- und Schiffsbauer-Innung Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig sei ein Bootsbauer Maler und Lackierer. Zum Berufsalltag gehört es, Boote und Yachten zu konstruieren oder Bauteile herzustellen.

Wie bei jeder Ausbildung in einem Handwerksbetrieb, schreibt der Gesetzgeber keinen bestimmten Schulabschluss als Zugangsvoraussetzung vor. Beim Bootsbauer sei aber auffällig, dass besonders viele Auszubildende einen hohen Schulabschluss wie das Abitur haben, erläutert Torben Padur vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn (BIBB). Von 159 Neuabschlüssen in 2014 hatten 78 junge Menschen die Hoch- oder Fachhochschulreife.

Beim Bootsbauer handele es sich eher um einen Nischenberuf, sagt Padur. 2014 gab es 459 Ausbildungsverhältnisse, die Tendenz sei steigend: «Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind derzeit gut», sagt der Experte. Da es in der Branche keinen Tarifvertrag gibt, ist die Bezahlung sowohl während als auch nach der Ausbildung höchst unterschiedlich. Im ersten Lehrjahr schwankt der Lohn je nach Betrieb zwischen 420 und 830 Euro brutto pro Monat. Ein durchschnittliches Einstiegsgehalt nach abgeschlossener Ausbildung kann laut BIBB bei etwa 2200 Euro brutto im Monat,aber auch deutlich darunter liegen.

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, Auszubildende müssen sich zwischen zwei Fachrichtungen entscheiden. Neben dem klassischen Bootsbauer, der sich um den Neu-, Aus- und Umbau von Booten kümmert, existiert der Beruf des Bootstechnikers. Die Fachkräfte kümmern sich vor allem um die hydraulischen und mechanischen Systeme. Dabei sind die Inhalte in den ersten 24 Monaten in beiden Fachrichtungen identisch. Erst danach kommt die fachspezifische Ausbildung.

Für Maximilian Dillmann geht es nun allmählich auf sein drittes Ausbildungsjahr zu. Nach seiner Abschlussprüfung möchte er das Werkzeug für eine Zeit erst einmal ruhen lassen und sich ganz dem Wasser widmen. Zumindest ein Boot wird ihn dabei begleiten, auch wenn er nicht mehr in der Ahlener Werft ist: «Mein Traum ist eine Weltumsegelung», sagt der Gelsenkirchener.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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