Wie das Praktikum zum Erfolg wird

11.11.2019
Egal, ob Schüler oder Student: Praktika gehören meist zur Ausbildung dazu. Wer gewisse Regeln beachtet, kann die Zeit als gute Chance für den Einstieg in den Beruf nutzen.
Wer im Praktikum offen auf die Kollegen zugeht und die Abläufe genau beobachtet, kann sich schnell als Teammitglied integrieren. Foto: Fabrice Michaudeau/PantherMedia/dpa-tmn
Wer im Praktikum offen auf die Kollegen zugeht und die Abläufe genau beobachtet, kann sich schnell als Teammitglied integrieren. Foto: Fabrice Michaudeau/PantherMedia/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Kein eigener Arbeitsplatz, kein richtiger Ansprechpartner und vorgeschobene Aufträge, weil nichts Besseres zu tun ist: Nicht immer sind Praktika besonders gut organisiert. Doch einiges haben Praktikanten selbst in der Hand.

«Im besten Fall fängt ein Praktikum schon vor dem Praktikum an», sagt Susanne Braun vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Wer ein Praktikum macht, sollte sich darüber im Klaren sein, welche Erwartungen er hat. «Diese sollten sich dann auch im Praktikumsvertrag oder in der Niederschrift wesentlicher Vertragsbedingungen widerspiegeln.»

Wo muss überhaupt ich hin? Welche Aufgaben erwarten mich? Was, wenn mich niemand beachtet? Nervosität ist am ersten Praktikumstag ganz natürlich. Deshalb fängt die Vorbereitung schon auf dem Arbeitsweg an. Praktikanten sollten sich auf ihre Atmung fokussieren, rät Rhetorik-Trainerin Beatrix Schwarzbach: Nicht zu tief einatmen und durch das Ausatmen Spannung loslassen.

Daneben ist selbstbewusstes Auftreten entscheidend. Schwarzbach findet, die Körpersprache sollte Wachheit, Offenheit und Interesse vermitteln. Das gelingt zum Beispiel mit einem festen Händedruck. Außerdem sollte man sich mit ganzem Namen vorstellen und beim ersten Rundgang durch die Firma Fragen stellen, um Informationen zu sammeln.

Mit den Aufgaben nicht übernehmen

Sind die ersten Tage erst einmal überstanden, ist man als Praktikant motiviert, Aufgaben zu übernehmen und möglichst viel zu lernen. Dabei ist Imagetrainerin Isabel Schürmann zufolge wichtig, zu entscheiden, wie viel man realistisch abarbeiten und verantworten kann.

Niemand muss gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn er zunächst mit leichten Übungen anfangen muss. «Einfache, eher niederschwellige Aufgaben können durchaus Bestandteil der Praktikumsarbeiten sein», so die Expertin. Dagegen sei nichts einzuwenden, denn auch Routinetätigkeiten gehören zum Arbeitsalltag. Sicher ist: Je größer die Lernbereitschaft, Eigeninitiative und Neugierde, desto spannender und lehrreicher werden auch die übertragenen Aufgaben sein.

Es gibt auch rechtliche Leitlinien, in welchem Rahmen sich die Aufgaben innerhalb eines Praktikums bewegen sollten. DGB-Referentin Susanne Braun erläutert: «Ein Praktikum ist gesetzlich als Lernverhältnis definiert und darf keinen regulären Arbeitsplatz ersetzen.» Es sei somit kein spezielles Hintergrundwissen erforderlich. Das Praktikum ist ihr zufolge eher zum «Mitlaufen» gedacht und nicht als eine «tägliche Verrichtung von Arbeit».

Proaktiv Unterstützung anbieten

Dennoch müssen Praktikanten nicht nur untätig herumsitzen. Schürmann empfiehlt, zunächst das Miteinander im Team aufmerksam zu beobachten. Wer keine konkreten Arbeitsanweisungen bekommt und nicht eingebunden wird, sollte aktiv auf Teammitglieder zugehen.

Stellt sich später heraus, dass die übertragenen Aufgaben immer gleiche Routinearbeiten sind und nicht den zugesagten Inhalten entsprechen, sollten Praktikanten das Gespräch suchen, empfiehlt Schürmann.

Denn: Manche Praktika fangen vielversprechend an, erweisen sich jedoch später als Enttäuschung. «Im Notfall kann das heißen, dass es besser ist, das Praktikum abzubrechen, als sich wochenlang durchzuquälen», sagt Susanne Braun. Wer als billige Arbeitskraft ausgenutzt wird, ohne etwas zu lernen, oder im Arbeitsumfeld von Diskriminierung und Mobbing betroffen ist, sollte sich Beratung suchen und über rechtliche Schritte nachdenken.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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