Welche Begriffe Bechäftige unbedingt kennen sollten

03.12.2021
Agilität? Kanban? VUCA? In der neuen Arbeitswelt machen Begriffe die Runde, unter denen sich viele nichts vorstellen können. Mithilfe dieses Glossars sprechen Sie bald nahezu flüssig «New Work».
Das Team sammelt sich zum morgendlichen Check-in: Mit «New Work» kommen auch viele neue Begrifflichkeiten in den Arbeitsalltag. Foto: Westend61/dpa-tmn
Das Team sammelt sich zum morgendlichen Check-in: Mit «New Work» kommen auch viele neue Begrifflichkeiten in den Arbeitsalltag. Foto: Westend61/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - In der Arbeitswelt ist immer häufiger von «New Work» (neues Arbeiten) die Rede. Was eigentlich genau dahinter steckt, weiß aber längst nicht jede und jeder. Das legt zumindest eine Online-Umfrage des Recruiting-Software-Unternehmens Softgarden nahe.

Vier von zehn Bewerberinnen und Bewerbern(41 Prozent)gaben darin an, dass ihnen der Begriff unbekannt ist. An der Umfrage nahmen rund 3560 Personen teil.

Wirklich verwunderlich ist das nicht, schließlich ist New Work ein «Sammelbegriff, mit dem verschiedene, meist alternative Arbeitsmodelle und -formen umschrieben werden», so eine Definition des Haufe-Verlags. Rund um die neuen Arbeitswelten haben sich entsprechend eine Menge Begriffe in den Job-Alltag eingeschlichen, die häufig erklärungsbedürftig sind. Fünf Begriffe im Überblick:

Agilität

«Agilität beschreibt die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen an äußere Veränderungen», sagt Anke Neldner vom Verbund Freier Trainer und Coaches (VfTC) in Berlin, der deutschlandweit Führungskräfte ausbildet.

Der Bedarf wird derzeit mehr als deutlich: Unternehmen seien durch die Corona-Pandemie mehr oder weniger gezwungen, in Bereichen, wo es möglich sei, mobiles Arbeiten zu ermöglichen und dafür die Voraussetzungen zu schaffen, sagt sie.

Agilität bedeutet auch: «Weniger in Silos denken und in sehr kurzen Zeitabständen ausloten, was das Beste für den Kunden oder fürs Produkt ist», sagt Annabelle Jenisch, Head of Growth der Agentur TLGG und TLGG Consulting. Stellt sich beim Überprüfen heraus, dass Verbesserungen möglich sind, heißt es: die neue Richtung einschlagen.

Bottom-up-Prinzip

«Das heißt nichts anderes als von unten nach oben», sagt Jenisch. Nicht mehr der oder die Vorgesetzte gibt den Mitarbeitenden Ideen oder Ziele vor, sondern die Beschäftigten tun das selbst. Dieses Prinzip ist nicht unbedingt auf ein Team oder eine Abteilung beschränkt. «Von unterster Ebene bis hinauf ins Management geben Mitarbeitende wichtige Impulse», so Neldner. Etwa dann, wenn Kunden mit einem Produkt unzufrieden und Verbesserungen nötig sind.

Check-in

Check-in bedeutet, dass jeder einzelne Beschäftigte erst einmal in einem Meeting ankommt. «Dabei geht es um den Menschen als Ganzes», sagt Jenisch. Jedes Teammitglied ist aufgefordert, mitzuteilen, wie es ihm geht. «Beschäftigte sollen durchaus ihre Sorgen und Probleme benennen», so Neldner. Dafür bedarf es aus ihrer Sicht psychologisch geschulte und im Coaching ausgebildete Führungskräfte, die in der Lage sind, auf die Mitarbeitenden einzugehen, damit sie sich gut aufgehoben fühlen.

Design Thinking

«Das ist eine agil-kreative Methode, um zu einer Lösung für komplexe Aufgaben zu kommen», erläutert Neldner. Gleich mehrere Abteilungen eines Unternehmens setzen sich mit den Nutzerbedürfnissen an ein Produkt auseinander. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist an der Tagesordnung. Dabei fließen viele Ideen und unterschiedliche Sichtweisen ein. Man testet und verwirft, probiert Neues aus, bis es die passende Lösung gibt.

Kanban

«Das ist ein Element aus dem agilen Projektmanagement», erläutert Jenisch. Das japanische Wort « Kanban» heißt auf Deutsch «Karte». Es geht darum, mit Karten digital in einem sogenannten Kanban-Board den Arbeitsstand eines bestimmten Projektes zu visualisieren. Das Board unterteilt sich in mehrere Spalten. In einer Spalte tragen die Teammitglieder die Aufgaben eines bestimmten Projektes ein. Zunächst befinden sich alle in der Spalte «To-do». Die nächsten Spalten heißen zum Beispiel «in Bearbeitung» oder «erledigt». «So wird auf einen Blick deutlich, wie weit das Vorhaben fortgeschritten ist und wo es womöglich hakt», sagt Neldner.

Lean Leadership

Hierbei geht es laut Neldner darum, Unternehmensprozesse zu optimieren, nachhaltiges Handeln hat Priorität: «Führungskräfte und Beschäftigte hinterfragen die Unternehmensprozesse permanent.» Zum anderen steht bei Lean Leadership verstärkt der Faktor Mensch im Vordergrund. Führungskräfte handeln gegenüber ihren Mitarbeitenden nach dem Grundsatz «Befähigen statt Belehren» und motivieren sie dazu, das Beste aus sich herauszuholen. Das soll dazu beitragen, die Leistungen des gesamten Unternehmens zu verbessern.

VUCA

VUCA ist ein Akronym für die Begriffe «volatility» (Volatilität),«uncertainty» (Unsicherheit),«complexity» (Komplexität) und «ambiguity» (Mehrdeutigkeit) und umfasst damit die fehlende Planbarkeit in einer sich schnell wandelnden Welt. «Die Auswirkungen der starken technologischen und globalen Veränderungen, die der Begriff VUCA beschreibt, haben natürlich auch Konsequenzen für die Arbeitswelt», sagt Jenisch. Sie werde immer komplexer und weniger vorhersehbar. Unternehmen müssten sich darauf einstellen und agil handeln. Heißt: Ohne VUCA gäbe es keine New Work.

© dpa-infocom, dpa:211202-99-230476/3

Haufe: New Work

Softgarden-Studie: Future of Recruiting (Download)

Gabler Wirtschaftslexikon: VUCA

Gabler Wirtschaftslexikon: Kanban

Gabler Wirtschaftslexikon: Bottom-up-Prinzip


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Manchem wird die Eigenverantwortlichkeit im Job auch zuviel. In so einem Fall kann man vom seinem Vorgesetzten in einem Mitarbeitergespräch durchaus konkrete Arbeitsanweisungen einfordern. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn Flexibilität im Job hat nicht nur Vorteile Dienstschluss, Arbeitsweise und sogar die Aufgaben: Viele Berufstätige entscheiden über solche Dinge inzwischen selbst. Neue Arbeitszeitregelungen, moderne Management-Methoden und digitale Technik machen es möglich. Doch nicht jeder kommt damit klar.
Feelgood Manager schmeißen nicht etwa den Flipperautomaten an. Vielmehr sollen sie dafür sorgen, dass das Betriebsklima gut ist - zum Beispiel, indem sie für Weiterbildungen sorgen. Foto: Robert Günther/dpa-tmn Moderne Jobtitel verstehen und erklären Visitenkarten sollten Auskunft darüber geben, wen man vor sich hat. Was aber, wenn anhand der aufgedruckten Berufsbezeichnung niemand versteht, was jemand in einem Unternehmen treibt? Über den richtigen Umgang mit komplizierten Titeln.
Die Arbeitswelt ist zunehmend digitalisiert. IT-Wissen kann deshalb nicht schaden. Foto: Ole Spata Digitale Jobwelt: Studenten brauchen IT und Englisch Die Digitalisierung der Arbeitswelt schreitet voran. Doch was heißt das für Studenten? Worauf kommt es in Zukunft an? Eine Professorin erklärt, was sie für wichtig hält.
Es gibt Informationen, die der Chef haben darf oder sogar muss. Andere Dinge gehen ihn aber nichts an. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Datenschutz im Job: Was der Chef nicht wissen darf Jede E-Mail, jede Zeiterfassung, jede Dienstwagenfahrt, jeder Anruf und jeder Arbeitsschritt produziert heute Daten. Für Chefs sind die sehr interessant, für Angestellte potenziell gefährlich. Das Gesetz schützt Arbeitnehmer zwar - der Teufel steckt jedoch im Detail.