Als Unternehmer in die Festanstellung

03.10.2016
Der Weg in die Selbstständigkeit ist oft leichter, als der Weg zurück ins Angestelltenverhältnis. Ein Vorurteil lautet: Derjenige führt sich doch im Team auf wie ein Chef. Selbstständige sollten in ihrer Bewerbung gegen solche Schlüsse gezielt ankämpfen.
Der Weg aus der Selbstständigkeit zurück in ein Angestelltenverhältnis kann schwierig sein. Eine starke Bewerbung ist daher die Voraussetzung, mit Vorurteilen aufzuräumen und die Erfolgschancen zu verbessern. Foto: Christin Klose
Der Weg aus der Selbstständigkeit zurück in ein Angestelltenverhältnis kann schwierig sein. Eine starke Bewerbung ist daher die Voraussetzung, mit Vorurteilen aufzuräumen und die Erfolgschancen zu verbessern. Foto: Christin Klose

Hamburg (dpa/tmn) - Aus der Selbstständigkeit zurück ins Angestelltenverhältnis? Gar kein so leichter Schritt! Wer ihn wagt, begegnet Vorurteilen. Arbeitgeber fragen sich bei Selbstständigen häufig: Ist diese Person in die Firma integrierbar?

Warum hat sie sich selbstständig gemacht? «Eine stringente Begründung für den Schritt in die Selbstständigkeit und die Rückkehr sollte vorbereitet sein». Das rät Lutz Rachner, Vice President und Partner bei Kienbaum Executive Consultants.

Eine gute Begründung für die Rückkehr ins Angestelltenverhältnis kann sein, dass man mehr im Team arbeiten will. Im Allgemeinen gilt: Je länger man selbstständig war, desto schwieriger ist es, ins Angestelltenverhältnis zurückzukehren, sagt Svenja Hofert, Karriereexpertin aus Hamburg. Wer als Einzelkämpfer nicht erfolgreich war, sollte erklären, was er daraus gelernt hat. «Personaler merken, wenn man vorgeschobene Argumente anführt. Man muss transparent bleiben und sich griffige Beispiele zurechtlegen», rät Kay Blar, Teamleiter bewerberorientierte Arbeitsvermittlung der Agentur für Arbeit Hamburg.

Im Anschreiben sollte man kurz auf diese Gründe eingehen. «Das braucht nicht allzu detailliert zu sein, den Rest kann man im Bewerbungsgespräch persönlich besprechen», erklärt Blar. Es ist jedoch wichtig, einen positiven Dreh herauszuarbeiten, der zeigt, dass man der Firma Nutzen bringt. Wer etwa ein gutes Netzwerk hat, kann dies betonen. «Die Selbstständigkeit sollte als das aufgefasst werden, was sie ist: Man übernimmt viel Verantwortung und geht oft aus seiner Komfortzone heraus», sagt Andreas Lutz vom Verband der Gründer und Selbstständigen (VGSD).

Zu jeder Bewerbung gehört der Lebenslauf. Hier ist es wichtig, seine Position und Tätigkeiten festzuhalten, sie dabei aber nicht zu groß zu machen, rät Svenja Hofert: «Wer ein Ein-Mann-Unternehmen hatte und keine Führungsposition anstrebt, sollte sich nicht als Geschäftsführer oder geschäftsführender Gesellschafter bezeichnen. Das vermittelt den Eindruck, dass man sich nicht so gut einfügen kann.» Vielmehr sollte man den Hauptschwerpunkt seiner Tätigkeit formulieren. Im Lebenslauf nennen Bewerber am besten abgeschlossene Projekte und - wenn möglich - auch Kunden.

Wer lange Zeit selbstständig gearbeitet hat, kann oft nicht auf Referenzschreiben von Arbeitgebern zurückgreifen. Aber es gibt Alternativen. Wer etwa mit jemand anderem zusammen eine Firma geführt hat, kann den Partner oder zweiten Geschäftsführer bitten, das Zeugnis zu schreiben. Auch Kunden, mit denen man gut zusammengearbeitet hat, könne man bitten, eine Referenz zu verfassen, erklärt Svenja Hofert.

Doch was kann man noch tun, um sich für einen Arbeitgeber attraktiver zu machen? Weiterbildungsmaßnahmen wie Aufbaustudiengänge oder ein Master of Business Administration (MBA) bieten sich unter Umständen an. Sprachkurse sehen viele Arbeitgeber ebenfalls gerne.

Klar ist: Der Weg in die Selbstständigkeit ist leichter, als der Weg zurück. Eine starke Bewerbung räumt aber mit Vorurteilen auf und verbessert die Erfolgschancen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Große Freiheit - oder noch mehr Druck? Viele Berufstätige träumen von der Arbeit zu Hause. In der Praxis hat das Homeoffice aber so seine Tücken. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Überlebenstipps für das Homeoffice Beruf und Familie verbinden. Die Zeit besser einteilen können. Oder einfach nur ungestört arbeiten. Das sind drei mögliche Gründe dafür, im Homeoffice zu arbeiten. Doch wie gelingt das Arbeiten von zu Hause am besten?
Der Bewerbungsschluss für Masterstudiengänge, die im Wintersemester starten, ist der 15. Juli. Foto: Thomas Frey Neue Master-Studiengänge: Psychologie bis Biofabrication Zum Wintersemester starten in Köln, Bayreuth und Hamburg neue Masterstudiengänge. Darunter sind Angebote für angehende Wirtschaftspsychologen, Journalisten und auf Biomaterialien spezialisierte Materialwissenschaftler.
Auch Studierende haben ihr Berufsbild noch nicht immer klar vor Augen: Orientierungstests können in solchen Situationen helfen, eine Richtung auszuloten. Foto: Christin Klose Wann Berufsorientierungstests weiterhelfen können Orientierungstests sollen Schul- oder Hochschulabsolventen bei der Berufswahl helfen. Aber bringen sie wirklich was? Und wie erkennt man gute Angebote?
Für seine Kollegen stellt er sich auch mal an den Grill: Jerome Rienhoff kümmert sich als Feelgood-Manager darum, dass sich die Mitarbeiter bei der Firma UNIQ wohl fühlen. Foto: UNIQ GmbH Welche Aufgaben hat ein Feelgood-Manager? Immer mehr Firmen setzen auf Mitarbeiter, die eine Wohlfühlatmosphäre schaffen sollen. Sie heißen Feelgood-Manager, Corporate Culture Coordinator oder Well-Being-Beauftragte. Doch was genau macht ein Feelgood-Manager eigentlich? Und wie sinnvoll ist das Konzept?