Mehr Wildwechsel im Frühling: Was Autofahrer beachten müssen

21.02.2018
Kaum zeigen sich die ersten Knospen, sind auch wieder mehr Wildtiere unterwegs. Drei Faktoren erhöhen die Unfallgefahr im Frühling. Autofahrer müssen deshalb besonders vorsichtig sein.
Achtung, Wildunfall: Kollidieren Autofahrer mit einem Wildtier, müssen sie die Unfallstelle absichern und informieren am besten die Polizei. Foto: Patrick Pleul
Achtung, Wildunfall: Kollidieren Autofahrer mit einem Wildtier, müssen sie die Unfallstelle absichern und informieren am besten die Polizei. Foto: Patrick Pleul

Berlin (dpa/tmn) - Ausweichen oder abbremsen? Hupen oder aufblenden? Wenn plötzlich ein Wildtier auf der Straße steht, bleiben meist nur wenige Sekunden, um zu reagieren. Im Frühling ist der Wildwechsel besonders stark. Dann steigt die Unfallgefahr in den frühen Morgenstunden und der Abenddämmerung.

Rund 80 Prozent der Wildunfälle passieren mit Rehen, sagt Torsten Reinwald vom Deutscher Jagdverband (DJV). Im Frühling müssten die Tiere vier bis fünf Mal am Tag fressen, um ihren Energiespeicher wieder aufzufüllen: «Das Schlaf- und Esszimmer ist aber meist durch eine Straße getrennt.»

Sollte ein Tier vor dem Wagen auftauchen, rät der DJV ausdrücklich von Ausweichmanövern ab. Es sei ratsam, abzubremsen und zu hupen - und vor allem abzublenden. «Die Augen von Rehen funktionieren wie Restlichtverstärker. Bei Scheinwerferlicht werden sie orientierungslos», erklärt Reinwald.

Anders als im Herbst wird es im März und April außerdem für die Jungtiere trubelig. Dann nämlich suchen sich die einjährigen männlichen Rehe ein eigenes Revier und müssen dabei immer wieder stark befahrene Straßen überqueren.

Ende März kommt noch die Zeitumstellung hinzu. Dadurch fällt der Berufsverkehr in die Zeit der Dämmerung. Viele Wildtiere sind vor allem morgens und abends aktiv. «Vor allem in den Übergangsbereichen zwischen Wald und Feld sollte man in dieser Zeit mit Tieren rechnen und die Geschwindigkeit reduzieren», warnt Reinwald.

Lässt sich ein Zusammenstoß dennoch nicht vermeiden, empfiehlt der DJV folgende Schritte: Warnweste anziehen, Unfallstelle absichern und die Polizei informieren. Diese kontaktiert dann einen Jäger oder Förster. Von verletzten Tieren sollten Autofahrer zum Selbstschutz Abstand halten. Ist das Tier tot, könne man es zwar von der Fahrbahn befördern. Allerdings nur mit Handschuhen, um eine mögliche Ansteckung mit Krankheiten zu vermeiden.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) registrierte für das Jahr 2016 rund 264 000 Wildunfälle - so viele wie nie zuvor. Das entspricht 720 Unfällen am Tag. Nicht berücksichtigt sind dabei Zusammenstöße, die nicht gemeldet wurden. Im Schnitt zahlen die Versicherer nach eigenen Angaben 2580 Euro für jeden Einzelfall. Nach einem Unfall empfiehlt es sich, Fotos zu machen, um den Zusammenstoß zu dokumentieren.

Vom Teilkaskoschutz sind allerdings nur Unfälle mit sogenanntem Haarwild - beispielsweise Rehe oder Wildschweine - abgedeckt. Hunde, Kühe oder auch Wölfe gehören nicht dazu. Unfälle mit diesen Tieren sind abgedeckt, wenn im Versicherungsvertrag ausdrücklich von «Tieren aller Art» die Rede ist.

Informationen des GDV

Haarwild nach Bundesjagdgesetz


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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