Putzen zum Stressabbau: Wie Schrubben entspannt

23.09.2019
Putzen macht glücklich. Glauben Sie nicht? Warum versuchen Sie nicht einfach mal, die Sorgen wortwörtlich vom Tisch zu wischen. Oder Alltagsstress mit etwas entschleunigendem Bügeln zu kompensieren.
Der Hausputz kann das Sportprogramm ergänzen: Effizient ist etwa das Fensterputzen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Der Hausputz kann das Sportprogramm ergänzen: Effizient ist etwa das Fensterputzen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Frankfurt/Basel (dpa/tmn) - Wer gestresst ist, kann selbst in der Freizeit oft nicht mehr richtig abschalten. Zu viele Dinge gehen durch den Kopf. Manchmal ist auch der Körper rastlos.

Dann kann es sein, dass selbst ein Abend vor dem Fernseher oder eine Auszeit im Lesesessel nicht ablenken. Aber vielleicht hilft putzen und aufräumen.

Denn richtig angegangen, kann Hausarbeit entspannen und glücklich machen. «Mit dem Wegräumen von Schmutz macht man auch die Seele frei und ist dann frei für neue Aufgaben», sagt Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel. Zudem stelle sich schnell ein Wohlfühleffekt ein.

«Es ist eine Aufgabe, die Sie in relativ kurzer Zeit bewältigen können und bei der Sie auch gleich ein Ergebnis sehen. Mit 20 bis 30 Minuten Arbeit schafft man schon einiges», sagt Glassl. «In der Erwerbsarbeit sind es oft Projekte, die über mehrere Tage, Wochen, Monate dauern - da dauert es dann länger, bis man den Erfolg sieht.»

Kann Putzen Spaß machen?

Dieser Denkansatz gelingt aber nicht jedem einfach so. Letztlich ist und bleibt die Hausarbeit ja eine Aufgabe, die erledigt werden muss. Wie also kann man das Putzen vielleicht sogar Spaß machen?

Katharina Zaugg betreibt in Basel eine Putzschule. Ihr Rat: Das Putzen nicht als eine lästige Aufgabe zu sehen, durch die man durch muss, was dazu führt, dass man die Aufgabe möglichst schnell beenden will. «Wenn Sie einen Walzer tanzen, dann tanzen Sie ihn nicht, damit er schneller vorbei ist», vergleicht Zaugg. Daher sei es wichtig, sich die Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten.

Ein Weg dahin kann sein, Hausarbeit als Sport-Ersatz zu sehen. Körperliche Bewegung dient schließlich auch dazu, den Arbeitstag aus dem Kopf zu bringen und danach den Feierabend entspannter anzugehen.

Fensterputzen als Work-out

«Wer 30 Minuten lang saugt und dann noch 15 Minuten lang den Boden wischt, verbraucht durchschnittlich 200 Kilokalorien - das ist schon ein Mini-Work-out», sagt Alexandra Borchard-Becker von der Verbraucher Initiative. Eine halbe Stunde zügiges Fahrradfahren verbraucht ebenso viel. Wichtig sei die bewusste Bewegung: Wer die Trittleiter als Stepper nutze, sich strecke und in die Knie gehe statt sich zu bücken, tue seinem Körper am ehesten etwas Gutes.

Auch Putzexpertin Zaugg stellt klar: «Putzen ist Körperarbeit. Wir sind dabei in einer konstanten Bewegung.» Sie hat Tipps, zu starke Belastung und damit Überanstrengung zu vermeiden. «Der Druck der Hände ist meistens zu stark, das Auflagegewicht reicht völlig aus. Sie können an einem Tisch einfach vorbeigehen und mit der Hand darüberstreichen», erklärt Zaugg. «Sie müssen sich gar nicht hinstellen und vornüber beugen und hin und her schrubben. Das ist auch schlecht für die Bandscheiben.»

Staubsaugen zu Walzerklängen

Auch die Untermalung der Hausarbeit mit schönen Dingen kann diese leichter von der Hand gehen lassen. Wer es etwas verspielter mag, könne etwa im Walzerrhythmus staubsaugen, schlägt Zaugg vor. IKW-Sprecher Bernd Glassl empfiehlt sogar, den Hausputz zum Happening unter Freunden zu machen und sich zum gemeinsamen Putzen zu treffen - «erst bei der einen, dann bei der anderen Person. Wenn man vier oder sogar sechs Hände hat, geht Einiges schneller von der Hand.»

Und wie bei jeder Arbeit oder dem Sport sollte man sich auch Anreize schaffen, also Belohnungen vorsehen. Genießen Sie im Anschluss eine Kaffeepause am frisch gewischten Tisch oder ein Schaumbad. Und ist das Wohnzimmer ist aufgeräumt, geht es ab auf die Couch.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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