Forscher entwickeln essbare Verpackung aus Nordsee-Algen

15.03.2018
Snacks zum Mitnehmen werden immer beliebter. Dadurch steigt der Verbrauch von Verpackungen immens. Nun wollen Forscher und die Wirtschaft essbare Behälter aus Algen entwickeln. Umweltschützer sind skeptisch.
Die konventionelle Snackbox könnte bald Geschichte sein: Nordsee arbeitet mit Forschern an einer essbaren Verpackung aus Algen. Foto: David Ebener
Die konventionelle Snackbox könnte bald Geschichte sein: Nordsee arbeitet mit Forschern an einer essbaren Verpackung aus Algen. Foto: David Ebener

Bremerhaven (dpa) - Forscher wollen zusammen mit der Restaurantkette
Nordsee Behälter aus Algen für Snacks zum Mitnehmen entwickeln. Die
Hochschule Bremerhaven, das Alfred-Wegener-Institut und
die Fisch-Fast-Food-Kette unterzeichneten dazu einen
Vertrag.

Das Forschungsprojekt ist auf zwei Jahre angelegt, gefördert
wird es aus Bundesmitteln. Ziel ist es, einen nachhaltig produzierten
Behälter für den Außer-Haus-Verkauf herzustellen, der kompostierbar
ist. «Wunsch ist, dass er sogar essbar ist», sagte
Projektleiterin Frederike Reimold von der Hochschule Bremerhaven.

Wichtig sei, dass die Box weder nach Alge schmecke noch abfärbe oder
schnell aufweiche. Das Produkt soll ausschließlich aus Meeresalgen
aus der Nordsee bestehen. «Wir wollen das gesamte Gewebe verwerten
und nicht nur einen Inhaltsstoff isolieren», unterstrich Britta
Grote, Wissenschaftlerin am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für
Polar- und Meeresforschung.

Die Nutzung von Serviceverpackungen in der Gastronomie hat sich nach
Angaben des Umweltbundesamtes von 110 Kilotonnen im Jahr 2000 auf 256
Kilotonnen im Jahr 2015 immens erhöht. Auch die Restaurantkette
Nordsee verzeichnet einen immer höheren Bedarf. In den rund 400
Filialen setze das Unternehmen ausschließlich auf ökologisch
abbaubare Schachteln sowie auf Recycling-Materialien.

Der Umweltverband BUND hält biologisch abbaubare Behälter nicht für
den richtigen Weg im Kampf gegen die Verpackungsflut. «Ich fürchte,
dass der Konsument dann denkt, es sei nicht so schlimm, wenn er die
Box ins Gebüsch wirft», sagte BUND-Meeresschutzexpertin Nadja
Ziebarth der dpa. Ein weiteres Problem sei, dass die Sortiermaschinen
in der Abfallwirtschaft Verpackungen aus dem Biomüll aussortierten,
auch wenn sie kompostierbar seien. «Am Ende werden sie dann doch
verbrannt», sagte sie. Nachhaltig sei nur ein Mehrwegsystem.

Projektbeschreibung


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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