Samsung Galaxy Watch 4 im Test

17.09.2021
Neue Uhr, neues Betriebssystem und trotzdem ganz klar ein Samsungprodukt. Die neuen Smartwatches der Koreaner bieten viele Möglichkeiten zur Selbstvermessung - aber nur für Androidnutzer.
Flach und schön schlicht. Die Galaxy Watch 4 wirkt nicht aufdringlich technisch sondern eher wie eine normale Uhr. Wer das nicht mag, kann ein extrabuntes Ziffernblatt wählen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Flach und schön schlicht. Die Galaxy Watch 4 wirkt nicht aufdringlich technisch sondern eher wie eine normale Uhr. Wer das nicht mag, kann ein extrabuntes Ziffernblatt wählen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Sie wollten schon immer Ihren Körperfettanteil wissen? Oder die Muskelmasse? Samsung hat da was und zwar in Form einer Smartwatch. Die beiden neuen Galaxy Watch 4 und 4 Classic ermöglichen Selbstvermessung bis in die letzte Ecke.

Die Form ist klassisch. Beide Modelle sind rund mit gut ablesbarem OLED-Display. Die Galaxy Watch 4 (40 und 44 Millimeter) ist für reine Touch- und Wischbedienung ausgelegt, die 4 Classic (42 und 46 Millimeter) hat zusätzlich eine drehbare Lünette für die Navigation in Menüs. Beide Modelle haben neben dem runden Display noch zwei Schalter für Navigation, Sprachsteuerung und Samsung Pay.

Da steckt Google drin, merkt man aber kaum

Samsung hat für das Betriebssystem mit Google zusammengearbeitet. Grundlage ist Googles Wear OS, doch die Anmutung ist 100 Prozent Samsung. Zur Kopplung ans Smartphone braucht man auch Samsungs Wearable-App.

Die Einrichtung gelingt mit den Galaxy Watch 4 schnell und einfach. Doch die Anpassung an die eigenen täglichen Nutzungsszenarien braucht etwas Zeit. Zu viele Kacheln können da platziert werden, man muss gut auswählen, damit das Wischmenü zur Schnellwahl nicht zu voll wird.

Aller Anfang ist schwer

Es fällt anfangs ein wenig schwer, sich an die Bedienung der Galaxy Watch 4 zu gewöhnen. Das Wischen von unten, oben, links, rechts und das Drehen oder Wischen an der Lünette braucht Zeit.

Dann ist da noch der obere Knopf. Mit ihm geht es immer einen Schritt zurück, ein langer Druck öffnet den Sprachassistenten Bixby. Der Druck auf den unteren Knopf schaltet Samsungs Bezahldienst Samsung Pay ein. Anfangs verwirrt das alles etwas.

Laut Samsung sollen die Uhren helfen, den eigenen Körper besser kennenzulernen. Dazu können sie eine ganze Reihe Vitaldaten messen. Puls, Blutdruck, EKG, Blutsauerstoff und die Körperzusammensetzung. Dazu zählen etwa Wassergehalt, Skelettmuskeln, Körperfettwert, Muskelmasse und der BMI. Das alles gelingt, indem man einen oder zwei Finger auf die Schalter der Uhr legt und während der Messung recht lang still hält.

Umfassende Gesundheitsdaten

Alle gemessenen Daten werden mit Samsungs Health-App synchronisiert. Die Messungen werden auch direkt auf einer Farbskala eingeordnet. So sieht man schnell, ob etwa zu viel Körperfett, zu wenig Wasser oder zu wenig Muskeln vorhanden sind.

Die Messdaten sind akkurat. Die Galaxy Watch 4 muss den Vergleich mit einem Pulsoxymeter aus dem Fachhandel nicht scheuen - Puls und Blutsauerstoff werden präzise gemessen. Auch Blutdruckmessungen sind - einmal mit einem Manschettengerät kalibriert - brauchbar. Etwas weniger akkurat: Die Schrittzählung. Liegen die Hände bei der Joggingtour am Kinderwagen, stimmt die Zählung nicht mehr.

Wer mag, kann die Galaxy Watch 4 auch mit ins Schwimmbad nehmen. Sie ist laut Samsung wasserdicht - aber nur für Süßwasser.

Positiv: Durch den Wechsel vom hauseigenen Tizen-Betriebssystem zu Googles Wear OS gibt es nun keinen Mangel an Apps mehr, sondern ein riesiges Angebot an Apps und Ziffernblättern.

Die Galaxy Watch spielt nicht mit jedem

Kommen wir zu anderen Einschränkungen. Mit iPhones funktionieren die Samsung-Smartwatches gar nicht. Blutdruckmessung und EKG etwa klappen nur mit Samsung-Smartphones. Bei anderen Androiden fordert die Uhr nur zur Installation der App Samsung Health Monitor auf. Die gibt es aber nur im Galaxy Store - in den kommen nur Samsunggeräte.

Auch die Integration mancher Googledienste könnte besser sein. Eine Fahrradnavigation mit Google Maps zum Beispiel scheitert leider am ständig einspringenden Bildschirmschoner. Will man das Display wieder entsperren, verschwindet die Navigation - alles Dinge, um die man sich beim Fahrradfahren nicht kümmern will.

Die Akkulaufzeit ist ein weiterer - kleiner - Haken. Samsung gibt sie mit knapp 40 Stunden an. Trägt man die Uhr nur als Uhr klappt das auch problemlos. Zusatzfunktionen wie das Always-on-Display nagen aber schon an der Akkuladung. Und wer viel trainiert, kann der Akkuanzeige wie einem Countdown folgen.

Fazit: Elegant, praktisch, etwas kompliziert

Die Galaxy Watch 4 und 4 Classic sind schlichte und schöne Uhren mit einem Haufen an praktischen Funktionen. Wer gerne viele Daten zum täglichen Training sammeln und auswerten will, findet mit den Uhren ein mächtiges Hilfsmittel. Durch den klassischen Uhren-Look wirken die Galaxy Watches 4 angenehm untechnisch dezent am Handgelenk.

Dank Googles Wear OS gibt es haufenweise Apps. Wer kein Samsung-Smartphone sein Eigen nennt, sollte aber auch bei der Konkurrenz schauen und gut vergleichen. Denn erst mit einem Galaxy-Smartphone schöpft die Galaxy Watch 4 ihr Potenzial voll aus.

Und wer den Preis oder die Größe der Galaxy Watch 4 Classic (369 bis 449 Euro) nicht mag, kann auch die günstigere Galaxy Watch 4 (ab 269 bis 349 Euro aufwärts) wählen.

© dpa-infocom, dpa:210916-99-245569/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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