Was macht eigentlich eine Steuerfahnderin?

17.05.2022
Steuerfahnder suchen nach Geld - Geld, dass Menschen absichtlich nicht an den Staat gezahlt haben. Dazu müssen die Ermittler manchmal sogar lernen, wie Spielautomaten funktionieren.
Bei Durchsuchungen stellen die Beamtinnen und Beamten der Steuerfahndung zum Beispiel Ordner, E-Mails oder andere Beweisunterlagen sicher. Foto: Christoph Schmidt/dpa-tmn
Bei Durchsuchungen stellen die Beamtinnen und Beamten der Steuerfahndung zum Beispiel Ordner, E-Mails oder andere Beweisunterlagen sicher. Foto: Christoph Schmidt/dpa-tmn

Stuttgart (dpa/tmn) - Betrügern immer dicht auf den Fersen, das ist der Beruf von Ellen Moser (Name geändert). Nein, bei der Polizei arbeitet die Frau aus dem Raum Stuttgart nicht. Vielmehr ist sie Steuerfahnderin und heißt in Wirklichkeit anders.

Im Job-Protokoll erzählt sie, wie ein typischer Arbeitstag aussieht, wann die Fahnder tatsächlich tätig werden und wie eine Razzia eigentlich abläuft.

Der Weg in den Job

Vor Jahren habe ich eine Ausbildung im gehobenen Dienst der Finanzverwaltung Baden-Württemberg absolviert. Im Anschluss war ich einige Zeit in einem Finanzamt tätig und habe Einkommensteuererklärungen bearbeitet. Später bin ich in den Bereich Steuerfahndung gewechselt. Das hat mich schon immer interessiert.

Was mich in meinem Beruf antreibt

Mir geht es um Gerechtigkeit. Die meisten Steuerpflichtigen in Deutschland zahlen nach ihrem Einkommen gestaffelt ordnungsgemäß Steuern und tragen dadurch dazu bei, das Gemeinwesen zu finanzieren. Mir widerstrebt es, dass andere versuchen, sich dem zu entziehen, aber gleichzeitig vom Gemeinwesen profitieren wollen. Das ist unfair gegenüber allen, die Steuern zahlen. Durch Steuerhinterziehung fehlt zudem Geld in der Staatskasse, das dringend gebraucht wird.

Die Aufgaben

Ich gehe einem berechtigten Verdacht auf Steuerhinterziehung nach. Hinweise können von verschiedenen Seiten kommen. Zum Beispiel von einem Finanzamt, das etwa bei einer Betriebsprüfung auf Unstimmigkeiten gestoßen ist. Auch andere Behörden, etwa der Zoll oder die Polizei, können einen berechtigten Verdacht melden. Daneben hat jeder und jede aus der Bevölkerung die Möglichkeit, uns einen Hinweis zu geben. Das geht auch anonym.

Es kommt vor, dass es betrogene Ex-Partner oder Ex-Affären sind, die die Steuerfahndung auf jemanden ansetzen wollen. Aber ein Verdacht muss Hand und Fuß haben, bevor wir aktiv werden. Es reicht nicht aus, wenn wir den Hinweis bekommen nach dem Motto: «Mein Nachbar fährt viermal im Jahr für drei Wochen in den Urlaub, das Geld dafür kann er nur durch Steuerhinterziehung haben.»

Ein berechtigter Verdacht auf Steuerhinterziehung wäre beispielsweise: Eine Mieterin hat eine Abrechnung von der Hausverwaltung bekommen, in der Kosten für Arbeiten aufgelistet sind, die niemals ausgeführt wurden - und das Geld soll auf ein Konto im Ausland überwiesen werden.

Wie der Arbeitsalltag aussieht

Man kann sagen, dass ich 85 Prozent meiner Arbeitszeit im Büro und 15 Prozent im Außendienst verbringe, also bei Durchsuchungen von Wohn- und Geschäftsräumen. Solche Durchsuchungen erfolgen, wenn es Aussichten gibt, dass dabei belastendes Material zu finden ist, das den Verdacht auf Steuerhinterziehung erhärtet.

Für eine unangekündigte Durchsuchung muss das zuständige Amtsgericht einen Durchsuchungsbeschluss ausstellen. Den bekommen wir von der Steuerfahndung, wenn wir ausführlich schriftlich begründen, warum die Razzia nötig ist.

Bei einer Durchsuchung beschlagnahmen wir Steuerfahnder gegebenenfalls Beweismaterial. Das können zum Beispiel Aktenordner mit Unterlagen oder E-Mails sein. Dieses Beweismaterial werten wir im Büro aus. Je nach Fall vernehmen wir als Steuerfahnder mitunter sowohl Zeugen als auch Beschuldigte.

Zu meinem Alltag gehört auch, viel zu lesen und sich so Spezialwissen anzueignen. Um Fälle von Steuerhinterziehung etwa in Spielcasinos aufzuspüren, muss man verstehen, wie die Spielautomaten funktionieren. Oder man muss nachvollziehen können, ob und wie ein Kassensystem etwa in Gastronomiebetrieben manipulierbar ist.

Was bei einer Durchsuchung passieren kann

Keine Hausdurchsuchung ist wie die andere: Einfach bis luxuriös ausgestattete Räumlichkeiten. Verschimmelte Unterlagen. Manche beschuldigte Personen blieben ruhig und freundlich, andere explodierten vor Wut und Frust. Es ist schon vorgekommen, dass ein Beschuldigter während einer Hausdurchsuchung einen Herzinfarkt erlitt. Bereits mehrfach bin ich auf große Mengen Bargeld, Waffen und Drogen gestoßen.

Die größten Herausforderungen und Erfolge

Manchmal ist der Arbeitstag als solcher eine Herausforderung. Denn es gibt jede Menge Arbeit und die Fälle sind teilweise sehr komplex. Mein bislang größter Erfolg war, einer Familie auf die Spur zu kommen, die fünf Millionen Euro hinterzogen hat.

© dpa-infocom, dpa:220516-99-312551/2

Berufsbild bei Berufenet

VLH: Hintergrund Steuerfahndung

Berufsbild bei der Finanzverwaltung NRW

Infos zum dualen Studium

Bundesbesoldungsgesetz

Karriereportal Höherer Dienst Oberfinanzdirektion Karlsruhe

Ausbildung und Gehaltsaussichten

Struktur und Aufbau der Steuerfahndung unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Damit variieren zum Teil auch die Wege in den Beruf. In der Regel haben Steuerfahnderinnen und Steuerfahnder eine Beamtenausbildung für den gehobenen Dienst.

Zum Einstieg ist etwa ein dreijähriges duales Studium zum Finanzwirt oder zur Finanzwirtin im Finanzamt denkbar, während dem die Anwärterinnen und Anwärter bereits eine Vergütung von circa 1355 Euro im Monat bekommen.

Das Einkommen der ausgebildeten Beamtinnen und Beamten ist im Bundes- bzw. Landesbesoldungsgesetz geregelt. Nach Angaben von Berufenet verdienen Beamtinnen und Beamte in der Steuerverwaltung nach der Ausbildung in der Besoldungsgruppe A9 knapp 3000 Euro brutto monatlich. Über die Jahre können ihnen Ämter bis zur Besoldungsgruppe A13 zugewiesen werden. Hier sieht das Bundesbesoldungsgesetz rund 5900 Euro brutto monatlich vor.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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