Privathaftpflicht, Krankenversicherung und Co. – welche Versicherungen sind wirklich notwendig?

Von Redaktion, 30.06.2022
Wie viel Versicherungsschutz benötigen Singlehaushalte und Familien wirklich? Abhängig von der Lebenssituation sind insbesondere Privathaftpflicht und Hausratversicherung empfehlenswert. | pixabay.com @tumisu (CC0 Creative Commons)
Wie viel Versicherungsschutz benötigen Singlehaushalte und Familien wirklich? Abhängig von der Lebenssituation sind insbesondere Privathaftpflicht und Hausratversicherung empfehlenswert. | pixabay.com @tumisu (CC0 Creative Commons)

Personen-, Sach- und Vermögensversicherungen - sie braucht jeder oder doch nicht? Deutschlandweit gibt es 2020 mehr als 520 Versicherungsunternehmen (laut Bundesaufsicht),die Millionen Policen verwalten und jährlich Tausende neue abschließen. Doch sind Krankenversicherung, Zahnversicherung, Haftpflicht, Rechtsschutz und Co. für jeden zwingend erforderlich? Einige Versicherungen sollte tatsächlich jeder haben.

Das sind die Versicherung-Must-haves

Gemeinhin gelten die deutschen Bürger als vorsichtig, gut organisiert und stets auf alle Eventualitäten bestens vorbereitet. Das sollte doch auch für den ausreichenden Versicherungsschutz gelten, oder nicht? Das Statistische Bundesamt gibt in seinem Zahlenwerk ein anderes Bild wieder. So sind vor allem Singlehaushalte, aber auch viele Familien deutlich unterversichert.

Experten raten deshalb, den eigenen Policencheck zu machen. Als essenzielle Versicherungen gelten: Krankenversicherung, private Haftpflichtversicherung, Hausratversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung sowie die private Altersvorsorge. Wer ein Auto besitzt, braucht dafür die Kfz-Versicherung. Auch die Vorsorge für das Alter wird immer wichtiger und sogar mit Mitteln der Bundesregierung gefördert. Eine Kann-Versicherung ist hingegen die Rechtsschutzversicherung.

Tierhaftpflicht in einigen Bundesländern verpflichtend

Wer einen Hund besitzt, muss in einigen Bundesländern eine zusätzliche Hundehaftpflichtversicherung abschließen. Bislang gilt dies für alle Hunde in Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein sowie Thüringen. Bestimmte Hunderassen sind haftpflichtversicherungspflichtig in Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen sowie Rheinland-Pfalz. Keine Versicherungspflicht besteht hingegen in Mecklenburg-Vorpommern


Wichtige Versicherungen, über die jeder nachdenken sollte

Einige Versicherungen sind nicht für alle Bürger bzw. Berufsgruppen und Wohnsituationen verpflichtend, können aber ein gutes Gewissen und monetäre Entlastung im Schadenfall bieten. Während die private Haftpflichtversicherung längst zu den Must-haves unter den Versicherungsangeboten gilt, sieht es bei Berufsunfähigkeitsversicherung, Risikolebensversicherung, Wohngebäudeversicherung sowie einer zusätzlichen privaten Krankenversicherung anders aus. Auch die Hausratversicherung ist bei vielen kein Standard oder wird unterversichert abgeschlossen.


Das Ableben absichern, wenn …

Niemand beschäftigt sich gern mit dem Thema "Ableben". Deshalb sind vielleicht auch deutschlandweit nur ca. 17 % aller Bürger mit einer Risikolebensversicherung ausgestattet. Sie unterstützt die Hinterbliebenen, wenn der Todesfall eintritt.

Wichtig ist die Risikolebensversicherung vor allem dann, wenn die versicherte Person das Gros der monatlichen Einnahmen im Haushalt erbringt oder ein Darlehen aufgenommen wurde. Ohne die Unterstützung der Versicherung haben es Angehörige häufig schwer, den Lebensunterhalt wie gewohnt zu bestreiten oder die Darlehensraten zuverlässig zurückzuführen. Aber Vorsicht, denn die Risikolebensversicherung kann trotz Abschluss nicht ausreichen, wenn die Todesfallsumme zu gering kalkuliert wurde.


Hausrat häufig unterversichert

Laut Statistischem Bundesamt haben zwar ca. 75 % aller Bürger in Deutschland eine Hausratversicherung, diese ist aber häufig unterversichert. Normalerweise tritt sie für Schäden im Haushalt ein, die durch Vandalismus, Einbruch, Sturm oder Feuer verursacht werden. Doch auch beim Diebstahl am Campingplatz kann eine Hausratversicherung durch ihren Passus der Außenversicherung für Entschädigung sorgen.

Um die optimale Deckungssumme für die Hausratversicherung zu finden, ist der Wiederbeschaffungswert der Besitztümer entscheidend. Landläufig herrscht die falsche Meinung, dass der Zeitwert entscheidet, aber das stimmt nicht. Die Hausratversicherung übernimmt die Kosten, die für eine Neubeschaffung des Gegenstandes erforderlich wären.

Deshalb ist bei der Auswahl der Deckungssumme kalkulatorischen Geschick der Versicherungsnehmenden gefragt. Eine Überkalkulation hat in der Praxis häufig keine negativen Folgen, da Versicherungsnehmende ohnehin einen höheren Sicherungsanteil zahlen. Muss die Versicherung in der Praxis tatsächlich einspringen und ist der Wiederbeschaffungswert des Besitzes geringer, spart sie natürlich.

Eine zusätzliche private Krankenversicherung für Zähne oder Reisen ins Ausland kann im Schadenfall rasche Hilfe leisten und monetär entlasten.

Anders sieht es bei einer Unterversicherung aus. Kalkulieren Versicherungsnehmende die Werte zu gering, fehlt im Schadenfall die ausreichende Deckung. Die Versicherung begleicht die Wiederbeschaffungskosten nur bis zu dem Wert, der in der Policen vereinbart wurde. Häufig reduzieren Versicherungsnehmende den kalkulatorischen Wiederbeschaffungswert nach unten, um Kosten bei der Zahlung der Versicherungsbeiträge zu sparen. Eine echte Milchmädchenrechnung, denn sind Versicherungsnehmende auf rasche monetäre Unterstützung angewiesen, könnte es schwierig werden.


Tipp: Der Abschluss von einem Unterversicherungsverzicht hilft, eine zu geringe Versicherung des Wiederbeschaffungswertes zu vermeiden. Hierbei werden pauschale Deckungssummen angesetzt, die abhängig von der Quadratmeterzahl der Immobilie errechnet werden.


Diese Zusatzversicherungen können sinnvoll sein

Es gibt einige Versicherungen, die im Alltag nicht zwingend notwendig, jedoch sinnvoll sind. Eine private Unfallversicherung springt ein, wenn es durch einen Unfall bei Freizeitaktivitäten, zu Hause oder beim Sport sowie der weltweiten Berufsausübung kommt. Berufstätige sind während der Ausführung ihrer Arbeit bereits durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Sie kommt aber nicht für Versicherungsansprüche aus Unfällen für den privaten bzw. einen der genannten Bereiche auf.

Reiseversicherungen werden immer beliebter. Sich gegen abhandengekommenes Gepäck oder Erkrankungen auf der Reise abzusichern, wird für viele Urlaubende immer wichtiger. Die gesetzliche bzw. private Krankenversicherung übernimmt den Versicherungsschutz in Deutschland, häufig aber nur unter bestimmten Rahmenbedingungen im Ausland. Hinzu kommt, dass sämtliche Kosten für Krankenhausaufenthalt und Co. oftmals zunächst durch die Versicherungsnehmenden in Vorkasse übernommen werden müssen. Das sprengt meist nicht nur das Urlaubsbudget, sondern sorgt auch für Sorgenfalten auf der Stirn.

Viele deutsche Urlaubende nutzen mit Begeisterung Sparvorteile und buchen ihre Reise besonders lange im Voraus. Der Nachteil: Bis zur Abreise kann viel passieren, was die Reise beispielsweise unmöglich macht. Um die entstandenen Kosten dennoch zu übernehmen, hilft eine Reiserücktrittsversicherung. Sie wird oft gemeinsam mit der Reisebuchung angeboten, ist aber auch in vielen Kreditkarten mit Extraleistungen enthalten.


Absicherung der zusätzlichen Pflege wird immer wichtiger

Deutschlandweit zeigt sich durch den demografischen Wandel, dass die Pflege in den nächsten Jahren zunehmend kostspieliger und Plätze immer begehrter werden. Die staatliche Unterstützung ist eine gute Grundversorgung, genügt jedoch durch die enorme Kostensteigerung nicht, um die Pflege ohne monetäre Mehrbelastung abzusichern. Hierbei unterstützt die private Pflegeversicherung, welche die Aufwendungen bis zum vereinbarten Satz übernimmt. Auch hier bestehen deutliche Tarifunterschiede, die sich vor allem nach der Kostenübernahmehöhe sowie den enthaltenen Leistungen orientieren.

Grundsätzlich gilt: Je früher eine Pflegeversicherung abgeschlossen wird, desto besser. Viele Versicherungsgesellschaften lehnen ältere Antragsteller über 70 bzw. 75 Jahre häufig ab. Da die Pflegenotwendigkeit nicht nur für ältere Menschen gilt, sondern jeder durch Unfälle oder Erkrankungen davon betroffen sein kann, ist eine zusätzliche Absicherung der Pflegeaufwendungen schon frühestmöglich empfehlenswert.


TEILEN