Scheinbewertungen: Untersuchung zeigt Lücken auf Websites

20.01.2022
Fünf Sterne? Bei vielen Kundenbewertungen im Netz ist Skepsis geboten. Laut einer Untersuchung im Auftrag der EU-Kommission fehlt es den Internetseiten häufig an Transparenz.
Positive Kunden-Bewertungen lassen viele Produkte im Internet in bestem Licht erstrahlen. Doch nicht immer wird offengelegt, wie diese Bewertungen zustande kommen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn
Positive Kunden-Bewertungen lassen viele Produkte im Internet in bestem Licht erstrahlen. Doch nicht immer wird offengelegt, wie diese Bewertungen zustande kommen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn

Brüssel (dpa) - Die Kundenbewertungen auf zahlreichen Internetseiten in der EU sind einer Untersuchung zufolge möglicherweise nicht vertrauenswürdig. Bei fast zwei Dritteln der untersuchten Websites gebe es entsprechende Zweifel, teilte die EU-Kommission mit.

Für den Bericht hatten nationale Verbraucherschutzbehörden 223 Internetseiten wie Online-Shops, Suchmaschinen und Preisvergleichsdienste unter die Lupe genommen. Konkrete Namen der Seiten wurden nicht genannt.

«Ein klarer Aufruf zum Handeln»

Bei 144 Seiten konnten die Behörden den Angaben zufolge nicht bestätigen, dass ausreichend überprüft wurde, ob Kundinnen und Kunden die Produkte auch tatsächlich genutzt haben, bevor eine Bewertung veröffentlicht wurde. «Die heutigen Ergebnisse sind ein klarer Aufruf zum Handeln», sagte EU-Justizkommissar Didier Reynders.

Zudem hieß es, dass 104 der 223 Websites nicht darüber informierten, wie Bewertungen gesammelt und verarbeitet werden. 118 Seiten enthielten keine Informationen darüber, wie gefälschte Bewertungen verhindert würden. Mindestens 55 Prozent der überprüften Websites verstoße möglicherweise gegen die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken, teilte die EU-Kommission mit. Damit die Websites korrigiert werden, sollen sich die nationalen Behörden mit den betreffenden Händlern in Verbindung setzen.

© dpa-infocom, dpa:220120-99-787306/3

Mitteilung der EU-Kommission


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Laut neuer EU-Verordnung wird es Händlern künftig nicht mehr möglich sein, ausländische Käufer von ihren Angeboten auszuschließen. Foto: Jens Büttner/dpa Online-Shopping in der EU wird fairer Es ist frustrierend: Viele Klicks, viel Scrollen, und dann klappt der Online-Kauf am Ende doch nicht. Schuld ist oft das sogenannte Geoblocking, mit dem EU-Bürger vom Internet-Shopping im Ausland abgehalten werden. Doch damit könnte bald Schluss sein.
Jährlich kommt es zu Tausenden von Rückrufaktionen. Um die Sicherheit der Verbraucher zu erhöhen, sollen künftig gefährliche Produkte schneller aus dem Verkehr gezogen werden. Foto: Christoph Schmidt Onlinehandel will gefährliche Produkte schneller entfernen Gefährliche Produkte sollen künftig schneller aus dem Handel genommen werden. Die vier größten Online-Händler wollen hierfür die Infrastruktur schaffen. Nutzer sollen gefährliche Produkte beispielsweise unkompliziert melden können und unmittelbar Antwort erhalten.
Für Online-Einkäufe aus Nicht-EU-Staaten gelten nun neue Regeln. Foto: Christin Klose/dpa Online-Einkäufe aus Nicht-EU-Staaten werden teilweise teurer Wer sich eine vermeintlich günstige CD aus den USA bestellt, ärgert sich manchmal im Nachhinein: Teils gibt es deftige Zusatzkosten. Das will die EU ändern. Dafür wird es aber auch ein bisschen teurer.
Datenleck im Kinderzimmer - Verbraucherschützer warnen vor Kinderspielzeug mit Internetverbindung. Über einige Spielzeuge könnten sich Dritte problemlos wegen der unsicheren Datenverbindung mit dem Kind unterhalten. Foto: Jens Kalaene Verbraucherschützer warnen vor Puppen mit Internetanbindung Das Internet weiß Antwort auf viele Fragen. Für Puppen mit Netzanbindung gilt das auch: Sogar einfache Matheaufgaben können die Figuren lösen. Doch Verbraucherschützer mahnen, das Spielzeug drohe zum Spion im Kinderzimmer zu werden.