Wie viel Hightech in neuen Lenkrädern steckt

21.01.2020
Mit dem Lenkrad können Autofahrer längst mehr als nur lenken. Es gibt ihnen eine einfache und intuitive Bedienung wesentlicher Funktionen des Autos. Moderne Lenkräder sollen künftig aber noch mehr können.
Standard am Steuer: Zumindest einige Funktionen lassen sich in den meisten modernen Autos am Lenkrad bedienen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Standard am Steuer: Zumindest einige Funktionen lassen sich in den meisten modernen Autos am Lenkrad bedienen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Stuttgart/Friedrichshafen (dpa/tmn) - Moderne Lenkräder können aber mehr als nur die Richtung bestimmen. In denen aktueller Mercedes-Modelle sind heute bis zu 36 Funktionen integriert, etwa Bedienmöglichkeiten für Lautstärke, Entertainmentsystem, Fahrassistenzfunktionen und Telefonie.

Seit 2016 setzt Mercedes auch auf Touch-Control-Buttons. Damit scrollen die Finger durchs Menü, das im Cockpit angezeigt wird. Über diese 10x10 Millimeter kleinen Flächen lässt sich auf das zentrale Media-Display zugreifen. In Verbindung mit der Sprachsteuerung lässt sich das Auto damit fast komplett steuern, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen.

Das Lenkrad soll nicht zu überfrachtet werden

«Deshalb werden wir in Zukunft voraussichtlich nicht noch mehr Schalter oder Funktionen ins Lenkrad integrieren. Der Fahrer soll nicht vom Fahren abgelenkt werden», sagt Mercedes-Entwickler Marcus Fiege. Weitere Funktionen könnten das Lenkrad überfrachten und eine Blindbedienung durch den Fahrer erschweren - eine fehlerfreie und intuitive Bedienung würde ihm schwerfallen.

Ziel sei eine barrierefreie Bedienung, auch für Menschen, die nicht sprechen können oder wollen. Dafür sollen künftig berührungsempfindliche Matten ins Lenkrad integriert werden, damit Sensoren feinfühlig erkennen können, wie Hände das Lenkrad umschließen. Das erhöhe die Sicherheit.

Das Lenkrad wird beleuchtet

Bei einem vor kurzem vorgestellten Konzept-Lenkrad zeigen Ingenieure vom Zulieferer ZF, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Weiterhin rundlich, gibt es hier einen breiten Bildschirm in der Mitte und eine Funktionsbeleuchtung im Lenkradkranz. «Das Lenkrad soll in automatisierten Fahrzeugen Einzug finden, vielleicht in fünf Jahren», sagt ZF-Entwickler Marc Schledorn. Die Illumination in Rot, Gelb und Blau im Lenkradkranz unterstützt die Kommunikation zwischen Fahrer und Fahrzeug und fordert ihn optisch zu einer Handlung auf.

Trotz mittig angeordnetem Display verzichtet das Lenkrad nicht auf einen Airbag - er sitzt dahinter und entfaltet sich nach einem möglichen Aufprall durch den Lenkkranz hindurch.

Bei automatisierten Fahrzeugen nach Level 3 muss das Lenkrad für den Fahrer jederzeit greifbar sein, darf also nicht ganz im Armaturenbrett verschwinden. «Was aber künftig möglich ist, ist, dass sich das Lenkrad etwas zurückzieht und so dem Fahrer mehr Platz gibt», erläutert Schledorn. Mit der Steer-by-wire-Technologie würden die Lenkbefehle nicht mehr mechanisch, sondern elektrisch übermittelt. «So kann die Bewegung des Lenkrads beim automatisierten Fahren von den Rädern entkoppelt werden und das Lenkrad dreht sich nicht mehr mit.»

Das Lenkrad soll erkennen, wie es dem Fahrer geht

Auch ZF plant mit mehr Sensoren in Lenkrädern. Einmal zur Handerkennung, damit das Fahrzeug weiß, ob der Fahrer die Hände am Lenkrad hat. Zum anderen, um Vitalfunktionen zu erkennen. Dadurch lässt sich die Herzrate während der Fahrt messen.

Bei Volkswagen gibt künftig ein neues Bedienfeld links und rechts am Lenkrad mit einer sensitiven Bedienung dem Fahrer nach der Betätigung eine haptische Rückmeldung. Diese Bedientechnologie kommt demnächst im Elektroauto ID3 und danach in weiteren Modellen zum Einsatz.

In den neuesten Modellen kontrollieren Sensoren im Lenkrad, ob der Fahrer das Lenkrad berührt. «Mit der Hands-off-Detection-Technologie stellen wir sicher, dass der Fahrer auch im teilautonomen Modus die Hände am Lenkrad behält», sagt VW-Entwickler Roland Otte. Fasst der Fahrer länger als rund zehn Sekunden das Lenkrad nicht an, machen ihn eine Reihe von Warnhinweisen darauf aufmerksam.

VW erteilt dem Display im Lenkrad noch eine Absage

Die VW-Ingenieure sehen derzeit keine Vorteile bei einem Monitor in der Mitte des Lenkrades. «Der Fahrer kann es nur schlecht fokussieren, da seine Augen schnell von Weitsicht auf Nahsicht umschalten müssen. Das strengt ihn an», sagt Otte. Außerdem lasse sich ein Fahrerairbag nur mit erheblichem Aufwand integrieren.

«Der Trend bei Volkswagen geht eher dahin, die Bedienfunktionen im Lenkrad zu reduzieren, um den Fahrer mehr zu entlasten. Dafür wird die Bedienung mit Gesten- und Sprachsteuerung zunehmen», sagt VW-Entwickler Pedro Almeida. Die Sprachsteuerung werde besser und intelligenter, so dass sie den Fahrer einfacher und sicherer unterstützen kann.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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