Die ersten Smart Meter lassen auf sich warten

17.11.2017
Intelligente Messsysteme sollten bei Gewerbe und Haushalten mit großem Stromverbrauch seit Beginn dieses Jahres nach und nach die alten Stromzähler ersetzen. Doch die Einführung stockt. Warum?
Smart Meter geben Daten in Echtzeit weiter. So kann man etwa mit dem Smartphone seinen Stromverbrauch im Blick behalten. Foto: Phil Dera/www.co2online.de/dpa-tmn
Smart Meter geben Daten in Echtzeit weiter. So kann man etwa mit dem Smartphone seinen Stromverbrauch im Blick behalten. Foto: Phil Dera/www.co2online.de/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Die Einführung sogenannter Smart Meter in Deutschland verzögert sich: Eigentlich sollten ab 2017 die ersten größeren Stromverbraucher mit vernetzten Stromzählern ausgestattet werden.

Nach Einschätzung des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) ist vor Mitte 2018 jedoch nicht damit zu rechnen. Der Grund für die Verzögerung: Laut der Bundesnetzagentur fehlt noch die Definition der technischen Rahmenbedingungen für die neue Messtechnik. Die Kommunikationseinheiten der Smart Meter müssen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erst zertifiziert werden. Bislang ist das dem BSI zufolge bei keinem Gerät geschehen. Wenn die Geräte nicht vorlägen, könne der weitere Prozess nicht abgeschlossen werden, der Zeitplan rutsche nach hinten, erklärte ein VKU-Sprecher.

Es findet aber ein Austausch schon ab 2017 statt: Nach und nach bis 2032 erneuern örtliche Netzbetreiber sämtliche alten Stromzähler, erklärt der VKU. Haushalte mit einem Jahresverbrauch unter 6000 Kilowattstunden bekommen einen digitalen, aber nicht aus der Ferne auslesbaren und nicht vernetzten Zähler. Das gilt auch für Haushalte, die zum Beispiel auf dem Dach mit einer Photovoltaikanlage mit unter sieben Kilowatt Maximalleistung selbst Strom erzeugen. Diese seien nicht von der Verzögerung betroffen, betont der VKU.

Mit Beginn dieses Jahres sollten jedoch eigentlich auch Einheiten mit einem Verbrauch von mindestens 10 000 Kilowattstunden im Jahr anstelle des alten Zählers nach und nach von örtlichen Netzbetreibern mit Smart Metern ausgestattet werden. So einen hohen Verbrauch haben vor allem Industrie und Gewerbe. Betroffen davon sind auch Haushalte mit eigener Photovoltaikanlage, die über sieben Kilowatt maximale Leistung liefert. Das verzögert sich nun.

Geplant ist, dass ab 2020 auch Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 6000 bis 10 000 Kilowattstunden diese Aufrüstung erfahren. Auch dieser Startzeitpunkt ist dem VKU zufolge stark gefährdet.

Die intelligenten Stromzähler, genannt Smart Meter, zeigen den Energieverbrauch über den gesamten Tagesverlauf an und speichern Daten. Über ein sogenanntes Gateway sollen Smart Meter Messdaten direkt an verschiedene Stellen senden, zum Beispiel Verteilnetzbetreiber und Stromlieferanten.

Durch die Vernetzung könnte es zukünftig beispielsweise möglich sein, elektrische Hausgeräte automatisch dann einzuschalten, wenn der Strom besonders günstig ist. Wärmepumpen oder Elektroautos ließen sich zu optimalen Strombezugszeiten günstiger aufladen. Die Smart Meter gelten als wichtiger Baustein zur Energiewende.

BSI: Stand der Zertifizierung von Smart Meter Gateways


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer eine Immobilie kauft oder mietet, hat ein Anrecht, den Energieausweis des Gebäudes zu sehen. Foto: Franziska Gabbert Je grüner, desto sparsamer: Was der Energieausweis verrät Im Prinzip soll es einfach sein: Die Heizkosten in Häusern im grünen Bereich des Energieausweises sind geringer, im roten Bereich sind die Kosten höher. Und doch verwirren die Inhalte des Dokuments viele. Das liegt daran, dass es verschiedene Ausweisvarianten gibt.
Smart Meter geben Daten in Echtzeit weiter. So kann man etwa mit dem Smartphone seinen Stromverbrauch im Blick behalten. Foto: Phil Dera/www.co2online.de/dpa Die ersten Smart Meter werden installiert Nach und nach werden in Deutschland die Stromzähler ausgetauscht. Intelligente Geräte sollen zur Energiewende beitragen und den Haushalten helfen, Strom zu sparen, so das Ansinnen der Gesetzgeber. Aber erst einmal müssen die Verbraucher wohl draufzahlen.
Wer sein Haus künftig mit Scheitholz heizen möchte, findet auf Geräten im Handel ab April ein Label zur Orientierung. Foto: Hilke Segbers/dpa-tmn Neues Label für Heizungen - Was Käufer wissen müssen Wieder wird ein neues Energieeffizienzlabel zur Pflicht. Nach den Öl- und Gasheizungen müssen vom April an neue Geräte für feste Brennstoffe wie Holz damit gekennzeichnet werden. Was bringt das den Verbrauchern?
Autark leben vom kommerziellen Energiemarkt? Möglich ist das etwa durch die intensive Nutzung von Sonnenenergie, die mit großen Solaranlagen auf dem Dach eingefangen wird. Foto: Sonnenhaus-Institut Ist das energieautarke Haus möglich? Wer energieautark wohnen möchte, nutzt allein lokal verfügbare Energieträger und lässt sich nicht mit Gas oder Öl beliefern. Stattdessen erwärmt etwa die Sonne das Warmwasser, und man gewinnt daraus auch Strom. Aber kommt man allein damit zurecht?