Warum uns körperliche Nähe guttut

21.01.2020
Eine Umarmung kann Glückshormone freisetzen und das Wohlbefinden steigern. Der «Weltknuddeltag» soll daran erinnern, dass wir die Nähe zueinander brauchen.
Körperkontakt ist wichtig - fast so wie die Luft zum Atmen. Erwachsenen hilft er bei der Stressbewältigung, Babys beim Heranwachsen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa
Körperkontakt ist wichtig - fast so wie die Luft zum Atmen. Erwachsenen hilft er bei der Stressbewältigung, Babys beim Heranwachsen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (dpa) - Der Mensch braucht Berührungen. Körperkontakt ist wichtig - fast so wie die Luft zum Atmen. Erwachsenen hilft er bei der Stressbewältigung, Babys beim Heranwachsen.

Der jährlich wiederkehrende «Weltknuddeltag» (Englisch: National Hugging Day) soll uns am 21. Januar dazu bewegen, uns mehr in den Arm zu nehmen.

Warum ist Umarmen eigentlich gesund?

Die Haut eines Erwachsenen misst bis zu zwei Quadratmeter - ausgebreitet wäre das in etwa die Größe einer Tür. Weil Körper und Psyche eng zusammenhängen, lösen Berührungen auf unserem größten und sensibelsten Sinnesorgan etwas in uns aus. «Ohne Berührungen verkümmert der Mensch und kann krank werden», sagt Ute Repschläger vom Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK).

Werden wir umarmt, schüttet der Körper Botenstoffe aus, die im Volksmund als «Glückshormone» bezeichnet werden. Oxytocin etwa entfaltet eine beruhigende Wirkung, hilft beim Stressabbau und stärkt zwischenmenschliche Bindungen. Dopamin wirkt stimmungsaufhellend.

Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass das Herz von Menschen, die sich regelmäßig umarmen, ruhiger schlägt, erklärt die Therapeutin. Menschen mit regelmäßigem Körperkontakt wiesen zudem niedrigere Stresshormon- und Blutdruckwerte auf.

Kinder werden oft umarmt, ältere Menschen eher weniger - warum?

«Kinder suchen von sich aus körperliche Nähe zur Stressbewältigung», erklärt Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Forschungslabors an der Universität Leipzig. Gerade die Kindheit sei eine «wichtige Kontaktzeit». Vor allem in der frühkindlichen Entwicklung habe dieser Kontakt einen fundamentalen Einfluss, ergänzt Repschläger.

Besonders ältere Menschen aber leben oft mit einem Berührungsdefizit. Ausreichenden Kontakt gibt es oft nur, solange der Partner noch lebt. Grunwald: «Die Körperlosigkeit eines alten Menschen können sich die jungen gar nicht vorstellen.»

Nicht jeder hat Freunde oder Familie zum Umarmen. Macht es einen Unterschied, wenn mich ein Fremder drückt?

«Die beruhigenden Aspekte einer kurzen Umarmung sind schneller und stärker bei einer vertrauten Person», erklärt Grunwald. Die Berührung eines nahe stehenden sympathischen Menschen tue besonders gut, da sie mit Vertrauen einhergehe, sagt Repschläger. Selbst das Schmusen mit dem Haustier habe hinsichtlich der «Glückshormone» einen Effekt.

Aber auch bei Umarmungen durch fremde Personen kann sich ein Glücksgefühl einstellen. Der Leipziger Haptikforscher lobt deshalb Initiativen wie die «Free Hugs»-Bewegung, bei der Fremde auf offener Straße Gratis-Umarmungen anbieten: «Da kommt doch niemand mit verzerrten Gesichtszügen raus. Die Menschen strahlen und sind glücklich.»

Es kommt aber immer auf die Art der Berührung an: Körperliche Berührungen in einer überfüllten Bahn zum Beispiel lösten bei vielen Menschen eher Unbehagen aus, erklärt Repschläger. Auch bei einer Pflegekraft etwa muss erst ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden, damit der Kontakt wirklich guttun kann.

Umarmen wir uns zu selten?

Pauschal kann man diese Frage nicht beantworten. Wie viel körperliche Nähe jemand braucht, kann stark variieren. Manche wollen für sich einfach keine oder nur wenig Nähe zulassen. Repschläger rät generell dazu, häufiger aufeinander zuzugehen: «Körperliche Berührungen sind für jeden Menschen von großer Bedeutung, unabhängig vom Alter».

Website des Weltknuddeltags

Ärztekammer Niedersachsen zum Organ Haut

US-Studie Umarmen gegen Konflikte


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Schon flüchtige Berührungen schaffen Nähe und festigen die Bindung zwischen Menschen. Foto: Monique Wüstenhagen Umarmen oder Händeschütteln: Berührungen tun gut Älteren Menschen fehlt sie häufig, Kinder können ohne gar nicht gedeihen: Berührung ist lebenswichtig für den Menschen. Auch im Erwachsenenalter ist damit nicht nur sexuell konnotiertes Anfassen gemeint. Auch flüchtige Berührungen helfen uns, gesund zu bleiben.
Händeschütteln zur Begrüßung ist nach wie vor der Standard in Deutschland. Doch wer ansteckend ist, verzichtet besser darauf. Foto: Uwe Anspach/dpa Sollte man sich noch mit einem Handschlag begrüßen? Donald Trump tut es, der Papst tut es, Sie tun es! Händeschütteln zur Begrüßung ist nach wie vor Standard. Doch einige in Deutschland finden den Handschlag zu distanziert, manche schlicht uncool und viele unhygienisch. Sagen wir uns bald auf andere Weise Hallo?
Ein Baumpfleger sprüht auf ein Eichenprozessionsspinner-Nest Kleber, um die gefährlichen Härchen zu fixieren. Foto: Lisa Ducret Was gegen die Gesundheitsgefahr durch Raupen getan wird Heimische Art mit Vorliebe für warm-trockene Bedingungen: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners mit ihren giftigen Brennhaaren können aktuell wieder zur Gefahr werden, der Befall wird größer eingeschätzt als im Vorjahr. Was tun?
Skabies (Krätze) hinterlässt oft typische Narben. Die Krankheit kann jeden treffen. Milben sind der Auslöser. Sie werden durch engen Hautkontakt weitergegeben. Foto: Henning Kaiser Wenn eine Krankheit zum Alptraum wird Quälend juckende Haut und ratlose Ärzte - eine Familie hat die Krätze. Doch bis zur Diagnose und richtigen Therapie vergehen eineinhalb Jahre. Experten zufolge ist die Krankheit in Deutschland im Kommen. Doch an genauen Zahlen mangelt es.