Tipps für Eltern zu Lasertag und Co

25.03.2019
Von Ballspielen zu Ballerspielen - nicht allen Eltern gefällt diese Entwicklung. Doch wie sollten sie sich gegenüber ihren Kindern verhalten, wenn diese etwa Lasertag mögen? Sie müssen eine Entscheidung treffen, sagt der Pädagoge.
Rote Strahlen im Nebel: Bei Lasertag jagen sich die Teilnehmer gegenseitig mit waffenähnlichen Geräten - nicht allen Eltern gefällt es, wenn ihre Kinder bei solchen Kampfspielen mitmachen wollen. Foto: Carmen Jaspersen
Rote Strahlen im Nebel: Bei Lasertag jagen sich die Teilnehmer gegenseitig mit waffenähnlichen Geräten - nicht allen Eltern gefällt es, wenn ihre Kinder bei solchen Kampfspielen mitmachen wollen. Foto: Carmen Jaspersen

Fürth (dpa/tmn) - Früher schossen sich Kinder nur beim Völkerball gegenseitig ab. Irgendwann haben Farbwaffen den Ball abgelöst. Und heute ballern Jugendliche zum Beispiel eben mit Licht-Waffen auf den Gegner.

Während Gerichte sich mit der Frage befassen, ab welchem Alter Lasertag erlaubt sein sollte, fragen sich Eltern, ob sie es ihren Kindern überhaupt erlauben sollten. Vor allem Eltern, die den Trendsport für ein Kriegsspiel halten.

Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung kann die Bedenken verstehen. «Schließlich wird da mit waffenähnlichen Geräten gejagt. Obwohl der Ball früher viel mehr wehtat, hatte er eben keine waffenähnliche Struktur», sagt der Pädagoge. Und dennoch kann er die Eltern beruhigen: «Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Lasertag-Spielen und aggressivem Verhalten - weder mit 13 noch mit 16.»

Richtige Haltung

Vielmehr müssten Eltern zu diesem Thema eine Haltung finden. Und die fange laut Ritzer-Sachs schon viel früher in der Erziehung an, etwa wenn das Kind mit oder ohne Spielzeugpistole zu Kirmes, Karneval oder Fastnacht zieht. «Wenn Eltern für sich entschieden haben, dass Waffen nicht in ihre Welt passen, sollten sie dabei bleiben.»

Ist die Familie noch unentschieden, sei auch ein Hinauszögern ein probates Mittel. Dann könnten Eltern erstmal sagen: «Ich halte dich dafür noch nicht reif genug.» In so einem Fall würde Ritzer-Sachs dem Jugendlichen wiederum raten: »Überleg dir gute Argumente, die deine Eltern davon überzeugen, dass du reif bist!» Wenn die Familie das Thema diskutiert, sollten Eltern offen bleiben und sich einen gewissen Spielraum lassen, um Argumente zu überdenken.

Es gibt also keine pauschale Empfehlung, sondern es kommt immer auf das Kind an. Es hat sicher bessere Chancen, seine Eltern zu überzeugen, wenn es reif und stabil wirkt. Und wenn es zeigt, dass die Schule läuft, die Leistungen stimmen, der Freundeskreis okay und gefestigt ist. Ritzer-Sachs ist sich sicher: Wenn das Kind dann sagt «Hey, das Spiel macht so einen Spaß, deshalb fange ich ja nicht gleich an, andere Leute auf der Straße abzuschießen», falle es Eltern sicher schwerer, weiter «Nein» zu sagen. Anders sehe es auch bei einem Kind, das gerade in einer Krise und voll in seiner pubertären Phase steckt.

Typisches Szenario

Es sei auch bedenklich, wenn ein Teenager sich nur noch mit Ego-Shootern und Survival Games beschäftigt und dann Lasertag noch obendrauf kommt. «Oder ob er zweimal im Jahr Lasertag spielt - und dann mit der ganzen Familie», so der Erziehungsberater.

Ein typisches Szenario sei, dass ein 13-Jähriger zum Geburtstag eingeladen wird, wo es dann geschlossen zum Lasertag gehen soll. «Da lohnt es sich, schon mal bei den Gastgeber-Eltern anzurufen und zu fragen: Welche Erfahrungen habt ihr? Seid ihr bei dem Spiel dabei?», rät Ritzer-Sachs.

Finden Eltern die Kulisse einer Lasertag-Anlage zu grausam und kriegerisch, könnten sie ja zumindest in größeren Städten nach alternativen Anlagen Ausschau halten, die weniger martialisch sind, erklärt Ritzer-Sachs. Es gibt da Unterschiede, weiß der dreifache Vater aus eigener Erfahrung. Der Erziehungsexperte erinnert zudem daran, dass Kinder einst «Räuber und Gendarm» spielten und Eltern das schon immer für schädlich hielten und sich Sorgen machten. «Da ist die Verletzungsgefahr heute viel geringer.»

Elternberatung der bke


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Obwohl Bund, Länder und Gemeinden immer mehr in den Ausbau von Kindertagesstätten investieren, fehlen derzeit mehr als 293 000 Krippenplätze. Foto: Julian Stratenschulte/dpa Es fehlen mehr als 293 000 Krippenplätze Bund, Länder und Gemeinden stecken viele Milliarden Euro in die Kinderbetreuung. Während bei den Drei- bis Sechsjährigen die Quote stimmt, sind Mütter und Väter mit ganz kleinen Kindern weniger gut dran.
Aida Cruises lässt die «Prima» im Winter 2018/19 in Richtung Orient aufbrechen. Foto: Markus Scholz/dpa Geänderte Routen, Kombi-Reisen und Bordneuheiten Eine Mischung aus Landurlaub und Kreuzfahrt können Reisende in der kommenden Saison bei Schauinsland buchen. Aida Cruises schickt die «Perla» bald in die Karibik und die «Prima» in den Orient. Und Royal Caribbean bietet Neuheiten an Bord der «Symphony of the Seas».
Eine deutliche Mehrheit in Deutschland ist für eine Kita-Pflicht für Kinder ab vier Jahren. Foto: Julian Stratenschulte Mehrheit für Kindergarten-Pflicht und kostenlose Kitas Die Herkunft von Kindern entscheidet immer noch über ihre späteren Karrierechancen. Eine große Mehrheit der Bundesbürger ist deshalb dafür, dass sich der Staat mehr um Chancengleichheit kümmert - und sieht unter anderem bei den Kitas Handlungsbedarf.
Bundesweit fehlen laut IW-Studie rund 228 000 Kita-Plätze. Foto: Rolf Vennenbernd Jedes zehnte Kind unter drei ohne Kita-Platz In Deutschland werden wieder mehr Kinder geboren, gleichzeitig wollen mehr Eltern möglichst schnell wieder zurück in den Job. Die Nachfrage nach Kita-Plätzen ist daher groß - und kann bei weitem nicht gedeckt werden, wie neue Zahlen zeigen.