Preisminderung bei verschollenem Gepäck

18.02.2020
Wenn der Koffer verspätet ankommt, ist das ärgerlich. Wenn er überhaupt nicht mehr auftaucht, ist das noch schlimmer. Pauschalurlauber bekommen dann Geld zurück. Nur wie viel?
Dass ein Koffer am Flughafen liegenbleibt, kommt immer wieder mal vor. Dass er für lange Zeit völlig verschollen bleibt, ist eher selten. Foto: Maja Hitij/dpa/dpa-tmn
Dass ein Koffer am Flughafen liegenbleibt, kommt immer wieder mal vor. Dass er für lange Zeit völlig verschollen bleibt, ist eher selten. Foto: Maja Hitij/dpa/dpa-tmn

Bad Homburg (dpa/tmn) - Der Koffer fliegt nicht mit und taucht bis zum Ende der Reise auch nicht wieder auf: In diesem Fall können Pauschalurlauber einen erheblichen Teil ihres Geldes zurückverlangen.

Das gilt insbesondere dann, wenn das Gepäck für den Urlaub wichtige Utensilien enthielt. Das Amtsgericht Bad Homburg sprach einer Urlauberin 40 Prozent Preisminderung zu (Az.: 2 C 130/19).

In dem verhandelten Fall ging es um einen zweiwöchigen Aktivurlaub zum Kitesurfen auf Kuba für zwei Personen für insgesamt 6278 Euro. Der Koffer der Klägerin blieb in Frankfurt und tauchte aufgrund einer mangelnden Zuordnung erst gut zwei Monate später wieder auf.

Unterhose vom Ehemann geliehen

Die Urlauberin stand in Kuba ohne ihren Kofferinhalt da. Sie habe sich sogar eine Unterhose von ihrem Mann leihen müssen. Das Ehepaar war in Winterklamotten in die Karibik aufgebrochen. Auch auf ihre Kosmetika musste die Frau verzichten. Es gab ein regelmäßiges Hin und Her per E-Mail und Telefon mit dem Reiseveranstalter.

Insgesamt sah das Gericht darin eine erhebliche Beeinträchtigung der Reise, die eine Preisminderung von 1247,60 Euro rechtfertige - 40 Prozent des Reisepreises der Frau. Darüber hinaus stehe der Klägerin aber kein Schadenersatz zu. Das Gericht blieb damit hinter den Forderungen der Frau zurück, die noch viel mehr verlangte.

Klägerin blieb Rechnungen schuldig

Die Urlauberin hatte erklärt, angeblich 3487 Euro für notwendige Besorgungen vor Ort ausgegeben zu haben. Sie konnte dies aber nicht durch Rechnungen belegen. Zudem hatte sie bereits 399 Euro von der Airline bekommen, um sich davon eine Kitesurf-Ausrüstung zu leihen.

Über das Urteil berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in der Zeitschrift «ReiseRecht aktuell» (Ausgabe 1/2020).


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Nach der Pleite ist es für Niki-Kunden wichtig, ihre Rückreise richtig zu organisieren. Foto: Marcel Kusch/dpa Was die Niki-Pleite für Reisende bedeutet Kurz vor Weihnachten geht Niki pleite, von einem Tag auf den anderen steht die gesamte Flotte still. Für Urlauber bedeutet das Chaos. Wie ist die Rechtslage? Worauf können Niki-Kunden hoffen?
Stranden Passagiere wegen des Streiks vorübergehend an Flughäfen, muss der Veranstalter oder die Fluggesellschaft sie betreuen. Foto: Andreas Arnold Was Urlauber zum Streik bei Ryanair wissen müssen Der Urlaub kann beginnen, doch der Flieger startet nicht? Kein guter Auftakt für eine Reise. Wegen des Streiks bei Ryanair müssen Fluggäste sich auf etliche Ausfälle einstellen. Welche Rechte haben Betroffene?
Ist die Verschiebung eines Pauschalreisefluges für Passagiere mit Kleinkind unzumutbar, muss der Reiseveranstalter die Kosten für die Umbuchung tragen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa Für Reisende mit Kind ist Flugverschiebung nicht zumutbar Eine Flugreise mit einem Kleinkind ist eine besondere Herausforderung. Verschiebt der Reiseveranstalter einen Flug um viele Stunden ist die Zumutbarkeit erreicht. Das entschied das Landgericht Hannover und gab einer Klägerin recht.
Beim Billigflieger Ryanair streiken erneut die Piloten. Zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen sind die Folge. Foto: Virginie Lefour/BELGA Streik bei Ryanair: Was Flugreisende wissen müssen Wegen des Streiks bei Ryanair sind Fluggäste von etlichen Flugausfällen betroffen. Welche Rechte haben die Ryanair-Kunden? Können sie mit Entschädigungen rechnen?