Wirkt sich Kurzarbeit aufs Elterngeld aus?

20.11.2020
Wer in Kurzarbeit ist, hat in der Regel weniger Geld zur Verfügung. Welche Folgen das für die Berechnungen der Leistungen für Eltern hat, erklärt ein Arbeitsrechtsexperte.
Schwangere müssen keine Kürzungen bei Mutterschaftsleistungen fürchten, wenn ihr Arbeitgeber Kurzarbeit anmeldet. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn
Schwangere müssen keine Kürzungen bei Mutterschaftsleistungen fürchten, wenn ihr Arbeitgeber Kurzarbeit anmeldet. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn

Gütersloh (dpa/tmn) - Viele Arbeitnehmer waren im ersten Jahr der Corona-Pandemie von Kurzarbeit betroffen. Hat das Folgen für die Leistungen von werdenden und frischgebackenen Eltern?

Das unterscheidet sich je nach Leistung, erklärt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Zum einen gibt es die Leistungen für werdende Mütter. Dazu gehört das Mutterschaftsgeld, das Frauen innerhalb der gesetzlichen Mutterschutzfrist erhalten.

Diese beginnt in der Regel sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet acht Wochen nach der Geburt. Den Mutterschutzlohn dagegen zahlt der Arbeitgeber außerhalb der Schutzfristen vor und nach der Geburt, wenn ein Beschäftigungsverbot vorliegt.

Diese Mutterschaftsleistungen richten sich nach Referenzbezügen, erklärt Schipp. «Es kommt auf die letzten drei Monate vor der Schwangerschaft an.» Hat man in diesem Zeitraum Kurzarbeitergeld von der Bundesagentur für Arbeit bezogen, werde das aber herausgerechnet. Konkret heißt das dann: «Kurzarbeitergeld wirkt sich weder auf Mutterschaftsgeld noch Mutterschutzlohn mindernd aus.»

Anders sieht das beim Elterngeld aus. Die Leistungen berechnen sich nach den Bezügen der letzten 12 Monate vor der Geburt. Das bedeutet, dass sich das Elterngeld in der Regel verringert, wenn ein Arbeitnehmer in diesem Zeitraum Kurzarbeitergeld bezogen hat.

«Für Corona wurde allerdings eine Ausnahmeregelung geschaffen», erklärt Schipp. Für den Zeitraum zwischen 1. März und 31. Dezember können Monate mit geringerem Einkommen auf Antrag herausgerechnet werden. Die coronabedingte Reduzierung würde also keine Rolle bei der Berechnung des Elterngelds spielen. «Hier muss man noch abwarten, inwieweit die bis Ende Dezember bestehende Ausnahmeregel auch nach 2020 weiter gilt.»

Zur Person: Johannes Schipp ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Gütersloh und Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

© dpa-infocom, dpa:201120-99-402400/2

BMFSFJ: Anpassung des Elterngelds während Corona

BMFSFJ: F&A zu Familienleistungen während Corona

BMFSJJ: Mutterschaftsleistungen während Corona

BMFSFJ: F&A Mutterschutz und Kurzarbeit


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer damit rechnet, bald Kurzarbeitergeld zu beziehen, sollte überprüfen, ob sich ein Steuerklassenwechsel für ihn lohnt. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn Wie Kurzarbeitergeld vor dem Bezug optimiert werden kann Kurzarbeitergeld soll finanzielle Einbußen durch die Corona-Krise abfedern. Wer weiß, dass sein Arbeitgeber bald Kurzarbeit anmeldet, kann die Höhe der Leistung in bestimmten Fällen noch optimieren.
Wenn Werkstudenteninnen mehr als 450 Euro verdienen, kann der Arbeitgeber auch für sie Kurzarbeit anmelden. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Können Mini-Jobber und Aushilfen Kurzarbeitergeld bekommen? Die Hälfte der deutschen Firmen hat bislang in der Corona-Krise Kurzarbeit eingeführt. Das wirft bei Beschäftigten viele Fragen auf. Was etwa gilt für Mini-Jobber oder studentische Aushilfen?
Die Corona-Pandemie sorgt bei vielen für finanzielle Engpässe - Privatversicherte haben daher oft Probleme, ihre Beiträge zu bezahlen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn Als Privatversicherter bei Corona-Engpässen beraten lassen Privat Krankenversicherte können Einkommenseinbußen wegen der Corona-Krise hart treffen. Denn die Beiträge werden trotzdem fällig. Es gibt aber Möglichkeiten, die Kosten zu senken.
Kurzarbeit hat nicht nur Folgen für das Einkommen. Auch in die Betriebsrente fließt dadurch oft weniger Geld. Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn Kurzarbeit hat Folgen für Betriebsrente Kurzarbeit hat Folgen für die spätere Betriebsrente. Wer es sich leisten kann, sollte die Beiträge weiter zahlen. Sonst droht eine Versorgungslücke.