Wie Kurzarbeitergeld vor dem Bezug optimiert werden kann

24.06.2020
Kurzarbeitergeld soll finanzielle Einbußen durch die Corona-Krise abfedern. Wer weiß, dass sein Arbeitgeber bald Kurzarbeit anmeldet, kann die Höhe der Leistung in bestimmten Fällen noch optimieren.
Wer damit rechnet, bald Kurzarbeitergeld zu beziehen, sollte überprüfen, ob sich ein Steuerklassenwechsel für ihn lohnt. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Wer damit rechnet, bald Kurzarbeitergeld zu beziehen, sollte überprüfen, ob sich ein Steuerklassenwechsel für ihn lohnt. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Arbeitnehmer, die in der Corona-Krise absehbar von Kurzarbeit betroffen sind, sollten einen eventuellen Wechsel ihrer Steuerklasse prüfen.

«Die Höhe des Kurzarbeitergeldes hängt zum einen davon ab, ob jemand Kinder hat und zum anderen von der Höhe des Nettolohns», erklärt Erich Nöll, Geschäftsführer beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine in Berlin. Für die Höhe des Nettolohns wiederum ist die Lohnsteuerklasse mitentscheidend.

Ehepartner können Steuerklasse wechseln

Ehegatten können also durch den rechtzeitigen Wechsel der Steuerklasse das Kurzarbeitergeld erhöhen. «Rein rechnerisch ist es für die Höhe des Kurzarbeitergeldes am günstigsten, wenn man die Steuerklasse III hat», sagt Nöll.

Allerdings müssen auch die Folgen beim Ehegatten betrachtet werden. Ist dieser der Hauptverdiener und wechselt von der Steuerklasse III in Steuerklasse V, weil der Ehegatte von Kurzarbeit bedroht oder schon in Kurzarbeit ist, bedeutet das auch, dass der Nettolohn des Hauptverdieners erstmal erheblich sinkt. «Da sollte vorher mal durchgerechnet werden, ob man mit dem geringeren Netto des Hauptverdieners trotz des höheren Kurzarbeitergeldes noch zurechtkommt», warnt Nöll.

Außerdem hätte der Hauptverdiener einen erheblichen finanziellen Nachteil, sollte er selbst mit der ungünstigeren Steuerklasse V arbeitslos werden. «Alternativ ist deshalb auch ein Wechsel in die Steuerklasse IV oder IV mit Faktor in Betracht zu ziehen», rät Nöll.

Kinderfreibetrag kann sich lohnen

Das Kurzarbeitergeld beträgt die ersten drei Monate 60 Prozent beziehungsweise 67 Prozent des ausgefallenen Nettoentgeltes. Um den erhöhten Satz von 67 Prozent zu erhalten, ist es erforderlich, dass zumindest ein halber Kinderfreibetrag bei den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (früher Lohnsteuerkarte) hinterlegt ist.

Sollte das nicht der Fall sein, kann dies nachgeholt werden. «Allerdings wirkt sich eine Veränderung beim Kinderfreibetrag und bei der Lohnsteuerklasse immer erst für die Zukunft ab dem auf die Änderung folgenden Monat und nicht rückwirkend aus», erklärt Nöll.

Der zunächst für den Hauptverdiener ungünstige Steuerklassenwechsel in Steuerklasse V gleicht sich nach der Abgabe der Steuererklärung wieder aus - denn für die aufs Jahr bezogene Gesamtsteuerbelastung von Ehegatten spielt die Lohnsteuerklasse keine Rolle.

© dpa-infocom, dpa:200624-99-545663/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Corona-Pandemie sorgt bei vielen für finanzielle Engpässe - Privatversicherte haben daher oft Probleme, ihre Beiträge zu bezahlen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn Als Privatversicherter bei Corona-Engpässen beraten lassen Privat Krankenversicherte können Einkommenseinbußen wegen der Corona-Krise hart treffen. Denn die Beiträge werden trotzdem fällig. Es gibt aber Möglichkeiten, die Kosten zu senken.
Wer vom Arbeitgeber bis Ende 2020 einen Bonus von bis zu 1500 Euro wegen der coronabedingten Ausnahmesituation bekommt, muss die Zahlung nicht versteuern. Foto: Tom Weller/dpa/dpa-tmn Steuerbefreiung für alle Arbeitnehmer möglich Die Corona-Pandemie stellt viele Arbeitnehmer vor besondere Herausforderungen. Arbeitgeber haben die Möglichkeit den Einsatz der Beschäftigten mit einem steuerfreien Bonus zu belohnen.
Wenn Werkstudenteninnen mehr als 450 Euro verdienen, kann der Arbeitgeber auch für sie Kurzarbeit anmelden. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Können Mini-Jobber und Aushilfen Kurzarbeitergeld bekommen? Die Hälfte der deutschen Firmen hat bislang in der Corona-Krise Kurzarbeit eingeführt. Das wirft bei Beschäftigten viele Fragen auf. Was etwa gilt für Mini-Jobber oder studentische Aushilfen?
Eine Rentnerin hält ihren Rentenbescheid in der Hand. Foto: Felix Kästle/dpa Kurzarbeit wirkt sich auf spätere Rente aus Aufgrund der Corona-Krise bieten viele Firmen ihren Beschäftigten Kurzarbeit an. Diese wirkt sich nicht nur auf das ausgezahlte Gehalt, sondern auch auf die Höhe der späteren Rente aus.