Wer trägt die Kosten für die Anfahrt zum Bewerbungsgespräch?

18.03.2019
Die Bewerbung hat überzeugt, man ist zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Das findet jedoch einige hundert Kilometer entfernt statt. Wer zahlt die Fahrtkosten?
Für ein Vorstellungsgespräch legen Bewerber oft einige Kilometer zurück: Wenn nichts anderes vereinbart wurde, muss in der Regel der potenzielle Arbeitgeber die Kosten für die Anreise tragen. Foto: Christin Klose
Für ein Vorstellungsgespräch legen Bewerber oft einige Kilometer zurück: Wenn nichts anderes vereinbart wurde, muss in der Regel der potenzielle Arbeitgeber die Kosten für die Anreise tragen. Foto: Christin Klose

Berlin (dpa/tmn) - Von München nach Hamburg und zurück - wer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, ist mitunter schnell eine gute Summe für die Anreise los. Muss der Arbeitgeber die Anfahrtskosten für den Bewerbungstermin bezahlen?

«Wenn der Arbeitgeber einen Bewerber bittet, zu einem Vorstellungsgespräch zu kommen, und nichts zu den Anreisekosten vereinbart ist, muss der Arbeitgeber sie in der Regel tragen», erläutert Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Verkehrsübliche und zu erstattende Kosten seien bei Anreise mit dem eigenen Pkw die aus dem Steuerrecht bekannten Pauschbeträge von 30 Cent pro Kilometer. Ein Arbeitgeber kann diese Erstattungspflicht aber ausdrücklich mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch ausschließen, so Meyer, der in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Dann trägt der Bewerber die Fahrtkosten selbst. Oder der Arbeitgeber könne zum Beispiel festlegen, dass er nur die Kosten erstattet, die bei einer Fahrt mit der Deutschen Bahn in der zweiten Klasse entstehen.

Übernachtet ein Bewerber für das Vorstellungsgespräch vor Ort, gelten die gleichen Grundsätze. Übernachtungen sind aber nicht verkehrsüblich und damit nicht erstattungsfähig, wenn der Bewerber ohne Probleme auch am Vorstellungstag an- und abreisen kann.

Ebenfalls eindeutig ist die Sache, wenn es um die Zeit des Arbeitnehmers geht: Wer sich für ein Bewerbungsgespräch Urlaub nimmt oder Arbeitszeit in seinem aktuellen Job verpasst, hat keinen Anspruch darauf, dass der potenzielle neue Arbeitgeber für den Zeitaufwand aufkommt oder den Verdienstausfall ersetzt, wie Meyer erklärt.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Statt dicke Mappen mit der Post zu verschicken, werden heute viele Bewerbungen online übermittelt. Das spart Kosten. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Bewerbung per E-Mail von Steuer absetzen E-Mails haben in vielen Bereichen den Briefverkehr ersetzt - auch bei Bewerbungen. Welche Kosten lassen sich dann noch von der Steuer absetzen, wenn kein Porto und keine Ausgaben für Bewerbungsmappen anfallen?
Die Bewerbungskosten können als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Dafür sollten Steuerzahler geeignete Nachweise aufbewahren. Foto: Jens Schierenbeck Bewerbungskosten richtig von der Steuer absetzen Ob Bewerbungsmappe oder Anfahrten zum Vorstellungsgespräch - die Kosten für eine Bewerbung sind meist nicht unerheblich. Das Finanzamt erkennt sie jedoch als Werbungskosten bei der Steuererklärung an. Wichtig ist es hierfür, Nachweise zu sammeln.
Fragen an weibliche Bewerber über deren zukünftige Familienplanung sind rechtlich untersagt. Foto: Jens Schierenbeck/dpa-tmn/dpa Darf ein zukünftiger Chef nach der Familienplanung fragen? «Wie sieht es denn bei Ihnen mit Kindern aus?» Eine heikle Frage. Ob Arbeitgeber diese in einem Bewerbungsgespräch überhaupt stellen dürfen, erklärt eine Arbeitsrechtlerin.
Musikhören ist bei der Arbeit nur erlaubt, wenn der Chef es zulässt. Foto: Christin Klose Darf ich bei der Arbeit im Büro Musik hören? Ist der Arbeitsalltag zu eintönig, sorgen einige Arbeitnehmer gern mit Musik für etwas Abwechslung. Doch ist das überhaupt erlaubt? Eine Fachanwältin gibt Antwort.