Wasserschaden: Haben Mieter eine Wartungspflicht?

08.12.2021
Gibt ein Hersteller an, dass eine Wasseraufbereitungsanlage wartungsfrei ist, müssen Mieter sie nicht regelmäßig kontrollieren. Denn sie können sich auf die Angaben verlassen, urteilt ein Gericht.
Geben Hersteller an, dass ihre Wasseraufbereitungsanlagen wartungsfrei sind, zählt das für Mieter nicht zur Verkehrssicherungspflicht. Foto: Arne Dedert/dpa/dpa-tmn
Geben Hersteller an, dass ihre Wasseraufbereitungsanlagen wartungsfrei sind, zählt das für Mieter nicht zur Verkehrssicherungspflicht. Foto: Arne Dedert/dpa/dpa-tmn

Düsseldorf (dpa/tmn) - Wasser kann in Gebäuden schwere Schäden verursachen. Daher sollten Mieter auch vorsichtig sein, wenn sie entsprechende Geräte installieren. Gibt ein Hersteller allerdings an, dass eine Wasseraufbereitungsanlage nicht gewartet werden muss, trifft Mieter keine Schuld, wenn es doch zu einem Schaden kommt.

Denn ein Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht liegt in einem solchen Fall nicht vor, befand das Oberlandesgericht Düsseldorf (Az.: I-24 U 294/20),wie die Zeitschrift «Das Grundeigentum» (Nr. 22/2021) des Eigentümerverbandes Haus & Grund Berlin berichtet.

Wasserschaden war erheblich

In dem verhandelten Fall hatte der Mieter in seiner Arztpraxis ein Wasseraufbereitungsgerät von einer Fachfirma einbauen lassen. Im Benutzerhandbuch wurde die Anlage als wartungsfrei beschrieben. Eine regelmäßige Überprüfung wurde nicht vorgegeben. Als die Praxis über die Weihnachtsfeiertage nicht betrieben wurde, kam es zu einem Wasseraustritt aus dem Zuleitungsschlauch des Gerätes.

Das Wasser richtete erhebliche Schäden an, die von einer Versicherung übernommen wurden. Vom Mieter verlangte die Versicherung vor Gericht dann aber die rund 176 000 Euro zurück. Begründung: Der Mieter habe seine Verkehrssicherungspflicht verletzt, weil er das Wasseraufbereitungsgerät nicht regelmäßig überprüft habe. Die erste Instanz lehnte die Forderung der Versicherung ab.

Verschleißteile müssen nicht gewartet werden

Die Entscheidung: Auch das OLG konnte keine Pflichtverletzungen des Mieters erkennen und gab der Berufung der Versicherung wenig Aussicht auf Erfolg. Das betroffene Gerät sei laut Benutzerhandbuch praktisch wartungsfrei. Anhaltspunkte für eine regelmäßige Überprüfung gebe es nicht.

Auch könne nicht erwartet werden, dass jedes einem gewissen Verschleiß unterliegende Bauteil eines Gerätes einer regelmäßigen Kontrolle unterzogen wird. Denn nicht jede denkbare Gefährdung löse eine Verkehrssicherungspflicht aus. Auch Fahrlässigkeit scheide aus, weil sich der Mieter auf die Anweisungen des Handbuches habe verlassen können.

© dpa-infocom, dpa:211208-99-303992/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ist eine Fuge undicht und kommt es dadurch zu einem Wasserschaden, muss die Versicherung nicht automatisch zahlen. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/dpa-tmn Gebäudeversicherer haftet nicht für jeden Wasserschäden Nicht jede Versicherung ist in jedem Fall hilfreich. Denn ob ein Schaden versichert ist, ist von den Versicherungsbedingungen abhängig. Daher hilft mitunter der Blick ins Kleingedruckte.
Wer seinen Hausrat versichern will, muss diesen zuvor schätzen. Foto: Daniel Maurer/dpa Überversicherung vermeiden: Hausratswert richtig ermitteln Einbruch, Überflutung, Blitz oder Brand: Möbel, Kleidung und anderer Hausrat können dadurch zerstört werden. Eine Hausratsversicherung springt dann ein. Beim Abschluss der Police sollten Verbraucher aufpassen, dass die Beiträge nicht zu hoch angesetzt werden.
Für Hausbesitzer ist eine Wohngebäudeversicherung kaum verzichtbar. Bei den Anbietern gibt es jedoch einige Unterschiede. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Wohngebäudeversicherung: Grundstück ist nicht mitversichert Feuer, Sturm, Hagel, aber auch eine defekte Trinkwasserleitung können einem Wohnhaus großen Schaden zufügen. In der Regel kommt in solchen Fällen die Wohngebäudeversicherung dafür auf. Eigentümer sollten bei der Wahl der Police jedoch einiges beachten.
Ziehen die Eltern dauerhaft in ein Pflegeheim, steht deren eigene Immobilie oft leer. Wird sie nicht anderweitig genutzt, muss der Versicherer informiert werden. Foto: Frank Molter/dpa/dpa-tmn Eltern ziehen ins Pflegeheim: Versicherung informieren Ein leerstehendes Haus ist aus Sicht von Versicherern ein Risiko. Wer also sein Elternhaus nach dem Umzug von Vater oder Mutter ins Pflegeheim nicht anderweitig nutzt, muss das der Versicherung melden.