Wann Enkel erben - und wann nicht

03.07.2019
Welche Regelung muss in einem gemeinschaftlich verfassten Testament festgehalten werden, damit auch die Enkel erben können?
Wer ein Testament schreibt, sollte versuchen, alles zu bedenken. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn/Illustration
Wer ein Testament schreibt, sollte versuchen, alles zu bedenken. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn/Illustration

Hamm (dpa/tmn) - Ehegatten können sich in einem Berliner Testament zunächst gegenseitig und dann ihren gemeinsamen Sohn zu Erben einsetzen.

Aber was, wenn nicht nur ein Ehepartner, sondern auch der Sohn stirbt? Kann der überlebende Ehepartner dann das Erbe neu regeln? Ja, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Hamm (Az.: 10 W 16/18),wie die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) berichtet.

In dem verhandelten Fall verfassten Ehegatten ein gemeinsames Testament. Darin setzten sie sich gegenseitig zu alleinigen Erben und ihren gemeinsamen Sohn als Schlusserben nach dem Letztversterbenden von ihnen ein. 1989 verstarb die Ehefrau. Der Sohn starb 1996 und hinterließ zwei Kinder. Der Ehemann errichtete in der Folge ein neues Testament zugunsten seiner neuen Lebensgefährtin. Nach seinem Tod im Jahre 2017 waren die Enkelkinder der Ansicht, dass ihnen das Erbe ihres Großvaters zusteht.

Zu Unrecht: Die Enkelkinder würden nur dann ihren Großvater beerben, wenn sie im gemeinschaftlichen Testament der Großeltern mit bindender Wirkung zu «Ersatzerben» eingesetzt worden wären. Eine solche Regelung findet sich in dem gemeinschaftlichen Testament aber nicht.

Nach dem Gesetz wird jedoch vermutet, dass bei Vorversterben eines zum Erben eingesetzten Kindes, dessen Kinder, also die Enkel, an seine Stelle treten. Auch das würde aber den überlebenden Ehegatten nicht hindern, die letztwillige Anordnung zu ändern.

Arbeitsgemeinschaft Erbrecht


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN

Passende Anbieter

Das könnte Sie auch interessieren
Suchen Verbraucher in Vergleichportalen nach einem Bestatter, sollten sie das Angebot genau prüfen. Foto: Sophia Kembowski/dpa Bestatter online finden: Darauf sollten Angehörige achten Selbst für Bestattungen lassen sich die Preise im Internet vergleichen. Und auch da lauern Fallstricke. So musste der Bundesgerichtshof nun über ein lückenhaftes Angebot urteilen. Darüber hinaus sollten Angehörige die Offerten genau vergleichen - so sollten sie vorgehen.
Minderjährige, die Schulden erben, können die Erbschaft ausschlagen. Ein Familiengericht darf ihnen dies nicht versagen. Foto: Jens Büttner Erbausschlagung eines Kindes darf nicht verwehrt werden Nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden können vererbt werden. Jedoch haben Angehörige auch die Möglichkeit, das Erbe auszuschlagen. Vor allem wenn sie noch Minderjährig sind. Das zeigt ein Urteil des Oberlandgerichts Zweibrücken.
Auch eine Urne darf bei einem Umzug nicht einfach umgebettet werden. Denn die Totenruhe wiegt schwerer als das Recht auf Totenfürsorge. Foto: Andrea Warnecke Umzug ist kein Grund für Umbettung Wer den Wohnort wechselt, kann sich oft nicht mehr um die Grabstätte eines Angehörigen kümmern. Eine Urne ließe sich eigentlich ohne viel Aufwand umbetten. Doch freie Handhabe haben Betroffene in dem Fall nicht. Das zeigt ein Gerichtsurteil.
Ein Erbe kann auch nicht gewollt sein und dann ausgeschlagen werden. Foto: Andrea Warnecke Kein Familienkontakt: Erbausschlagungsfrist beginnt später Ein Erbe muss nicht immer positive Folgen haben. Daher kommt es vor, dass einige Menschen ihr Erbe ausschlagen. Hierfür gibt es jedoch nur eine kurze Frist. Allerdings kann sich diese Zeitspanne unter besonderen Umständen verlängern.