Voreilige Abschlüsse von Geldanlagen meiden

07.04.2022
Einige Banken kassieren inzwischen schon bei vierstelligen Guthaben Verwahrentgelte. Dass das für Kundinnen und Kunden ärgerlich ist, wissen auch die Institute - und bieten fragwürdige Alternativen.
Dämmert's? Geldanlageprodukte sollten nie übereilt abgeschlossen werden. Es besteht die Gefahr, dass sie Ihnen weniger nützen als dem Finanzinstitut. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa-tmn
Dämmert's? Geldanlageprodukte sollten nie übereilt abgeschlossen werden. Es besteht die Gefahr, dass sie Ihnen weniger nützen als dem Finanzinstitut. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa-tmn

Düsseldorf/Hannover (dpa/tmn) - Die Verbraucherzentralen warnen Bankkunden vor übereiligen Abschlüssen von Geldanlageprodukten. Private Rentenversicherungen oder Investmentfonds würden beworben, um sogenannte Negativzinsen auf Guthaben zu vermeiden, teilt etwa die Verbraucherzentrale Niedersachsen mit.

«Die Angebote lohnen sich meist nur für die Banken», sagt Verbraucherschützer Philipp Rehberg. Für Abschlüsse gebe es hohe Provisionen. Zudem sind die Angebote laut Verbraucherzentrale oft nicht bedarfsgerecht, zu unflexibel und mit höheren Risiken verbunden als die bisher sicheren Einlagen. Das könne für Menschen, die auf flexible Verfügbarkeit angewiesen seien, zum Problem werden.

Ein bis zwei Monatsnettoeinkommen sollten auf dem Konto liegen

Zwar könne man sich die Vorschläge der Bank sicherlich anhören, teilt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit. Vorschnell unterzeichnen sollte man aber besser nicht. Auch dann nicht, wenn das Finanzinstitut erklärt, das Angebot gelte nur für kurze Zeit. Besser sei es, das Angebot mit nach Hause zu nehmen, den Rat Dritter einzuholen und in Ruhe zu entscheiden. Grundlage für die Entscheidung sollten eigene Ziele, Anlagezeiträume und Risikopräferenzen sein, so die Verbraucherschützer.

Zum Sparen und Horten größerer Geldbeträge seien Girokonten der Verbraucherzentrale NRW zufolge aber tatsächlich nicht die richtige Wahl. Dort ist das Geld zwar jederzeit verfügbar, verliert wegen des nicht vorhandenen Zinses und der Inflation aber stetig an Wert. Ein bis zwei Monatsnettoeinkommen sollten im Idealfall höchstens verfügbar sein, um auch unvorhergesehene Rechnungen, zum Beispiel für Reparaturen, begleichen zu können.

Wer trotzdem auf die Flexibilität des Girokontos setzt und Verwahrentgelte vermeiden möchte, sollte einen Wechsel zu einer Bank mit höheren Freibeträgen prüfen. Alternativ kann das Guthaben auch auf Girokonten mehrerer Banken verteilt werden.

© dpa-infocom, dpa:220407-99-831702/2

Mitteilung


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Verdrehte Welt: Bei Tagesgeld müssen inzwischen mitunter die Kunden der Bank Zinsen zahlen - die Institute sprechen oft von einem Verwahrentgelt. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn Minuszinsen bei Tagesgeld: Was Bankkunden wissen müssen Zinsen zahlen mittlerweile manchmal die Bankkunden - auf Einlagen auf dem Tagesgeldkonto. Angst vor einer Änderung über Nacht müssen sie aber nicht haben. Was Verbraucher wissen sollten.
Wer sein Vermögen umverteilen oder sein Geld in ein neues Anlageprodukt stecken will, sollte sich unabhängig beraten lassen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Wie Sie Negativzinsen vermeiden Geld zahlen statt Zinsen kassieren: Das betrifft immer mehr Menschen, wenn sie viel Geld auf ihrem Konto haben. Tipps, was Verbraucher tun können, wenn ihre Bank Negativzinsen verlangt.
Seit 2014 müssen Geschäftsbanken im Euroraum Zinsen zahlen, wenn sie Gelder bei der EZB parken. Aktuell liegt dieser Einlagenzins bei minus 0,5 Prozent. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archvibild Negativzinsen auf Guthaben könnten wegfallen Wer viel Geld bei seiner Bank parkt, muss dafür inzwischen oft bezahlen. Solche als «Strafzinsen» empfundenen Gebühren könnten bald der Vergangenheit angehören. Vorausgesetzt, die Zinswende kommt.
Die Zahl der Kreditinstitute, die Sparern bei Negativzinsen aufbrummen, hat sich einer Studie zufolge innerhalb eines halben Jahres fast verdoppelt. Foto: picture alliance / Daniel Karmann/dpa Fast 350 Kreditinstitute erheben Negativzinsen Verbraucherschützer werfen Kreditinstituten vor, bei neuen Entgelten besonders kreativ zu sein. Negativzinsen treffen immer mehr Sparer. Das Verwahrentgelt wird zum Teil schon bei Guthaben von 50.000 Euro und weniger fällig.