Virtuelle Hauptversammlungen: «Jede Stimme zählt»

05.05.2021
Einmal im Jahr laden die Aktiengesellschaften ihre Unternehmen zur Hauptversammlung. Wegen der Corona-Pandemie finden die Treffen nun wieder virtuell statt. Ist das gut oder schlecht für Aktionäre?
Hauptversammlungen können Aktionäre auch in diesem Jahr vom Schreibtisch aus verfolgen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Hauptversammlungen können Aktionäre auch in diesem Jahr vom Schreibtisch aus verfolgen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Düsseldorf (dpa/tmn) - Viele Aktionäre wissen es: Die Saison der Hauptversammlungen läuft derzeit auf Hochtouren. Doch wie schon 2020 finden die Versammlungen wegen der Corona-Pandemie im Internet statt.

Aus Sicht von Aktionärsschützern hat das zwar durchaus Vorteile. Die Nachteile sind allerdings nicht von der Hand zu weisen, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) im Interview mit dem dpa-Themendienst. «Entscheidend ist, wie es nach der Pandemie weitergeht.»

Frage: Aktionäre müssen für Hauptversammlungen jetzt nicht mehr extra anreisen. Sind die virtuellen Treffen nicht eigentlich besser?

Jürgen Kurz: Es ist eindeutig eine Erleichterung, was die Teilnahme anbelangt. Die Hürden sind auf jeden Fall gesunken, denn online ist es einfacher Zugang zu finden, als bei einem Treffen, für das Sie extra anreisen müssen. Allerdings ist das aus unserer Sicht einer der wenigen Vorteile.

Denn: Wichtige Rechte können Aktionäre auf diesen virtuellen Treffen derzeit nicht so wahrnehmen, wie das bei einer Präsenzveranstaltung möglich ist. Ein Beispiel: Es können zwar Fragen gestellt werden. Die müssen aber bis einen Tag vor der Hauptversammlung eingereicht werden. Die Möglichkeit, eine Nachfrage zu stellen, hat man meist nicht. Auch das Anfechtungsrecht von Beschlüssen, ist derzeit eingeschränkt.

Frage: Wie können Aktionäre ihre Rechte auf virtuellen Hauptversammlungen wahrnehmen?

Kurz: Abstimmen können sie entweder per klassischer Briefwahl oder online. Dafür müssen sie sich in der Regel auf einer entsprechenden Internetplattform registrieren. Dort sind wichtige Daten, wie ihre Aktionärsnummer und die Anzahl der Aktien, die Sie halten, hinterlegt. Sie können dann zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung online ihre Stimme abgeben und die Präsentation des Unternehmens im Livestream verfolgen.

An der Stelle kommt aber gleich ein weiterer Nachteil zum Tragen: Bei rein virtuellen Aktionärstreffen fehlt der direkte Kontakt zwischen Anteilseignern und der Unternehmensführung. Wenn es mal nicht so gut läuft, muss sich der Vorstand auf den Präsenz-Hauptversammlungen den Aktionären direkt stellen. Schlechte Stimmung kann man da durchaus mal spüren. Das fällt bei virtuellen HVs komplett weg.

Frage: Sind Hauptversammlungen für Privatanleger überhaupt wichtig?

Kurz: Ja. Schließlich sind fast alle Rechte, die sie als Aktionäre haben, an die Hauptversammlung geknüpft. Natürlich gibt es Investoren, die den Aktienkauf als reine Geldanlage begreifen. Für die sind Hauptversammlungen nicht so bedeutend. Verstehen Sie sich aber als Miteigentümer, der sein Stimmrecht wahrnehmen möchte, dann ist die Hauptversammlung das entscheidende Gremium. Sie ist so etwas wie das Parlament einer Aktiengesellschaft. Auf diesem Treffen werden wichtige Beschlüsse gefasst, über die Sie mitbestimmen können. Und es ist wie bei der Parlamentswahl: Jede Stimme zählt.

© dpa-infocom, dpa:210504-99-466202/4


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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