Totenfürsorgerecht: Kein Zugang zum Leichnam des Vaters

03.08.2016
Die nächsten Angehörigen sind in Bezug auf die Beerdigung eines Verstorbenen, der keinen letzten Willen geäußert hat, nicht gleichgestellt. So kann die zweite Ehefrau entscheiden, dass der Sohn aus erster Ehe den Leichnam des Vaters nicht noch einmal sehen darf.
Liegt kein letzter Wille vor, dann kann der Angehörige mit dem Totenfürsorgerecht über die Form der Bestattung entscheiden. Foto: Federico Gambarini
Liegt kein letzter Wille vor, dann kann der Angehörige mit dem Totenfürsorgerecht über die Form der Bestattung entscheiden. Foto: Federico Gambarini

Bielefeld/Berlin (dpa/tmn) - Äußert ein Verstorbener vor seinem Tod keinen letzten Willen, können in der Regel die Angehörigen über die Bestattungsart entscheiden. Hat die zweite Ehefrau das Totenfürsorgerecht inne, kann sie einem Sohn aus erster Ehe den Zugang zum Leichnam des Vaters verweigern.

Der Sohn kann von der Stiefmutter dafür kein Schmerzensgeld fordern. Das hat das Landgericht Bielefeld entschieden (Az.: 21 S 10/15),teilt die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) mit. Im verhandelten Fall wollte sich ein Sohn aus erster Ehe von seinem verstorbenen Vater verabschieden. Dessen zweite Ehefrau verweigerte ihm den Zugang zum Leichnam. Der Vater wurde beigesetzt, ohne dass der Sohn ihn noch einmal sehen konnte. Der Sohn verlangte daraufhin von seiner Stiefmutter Schmerzensgeld - zu Unrecht, entschieden die Richter des Landgerichts.

Ausschlaggebend sei, wer das sogenannte Totenfürsorgerecht inne hat und wie weit diese Entscheidungsbefugnis reicht. Grundsätzlich richtet sich dies vorrangig nach dem geäußerten oder mutmaßlichen Willen des Verstorbenen. Da der Ehemann vor seinem Tod nichts geäußert hatte, könne in diesem Fall die zweite Ehefrau die Entscheidungen treffen. Anders als vom Sohn vermutet, sind er und die Ehefrau in diesem Punkt nicht gleichberechtigt. Die zweite Ehefrau durfte hier allein über den Umgang mit dem Leichnam und die Beerdigung entscheiden - also auch darüber, ob der Leichnam offen aufgebahrt wird und wer diesen betrachten darf.

Arbeitsgemeinschaft Erbrecht


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN

Passende Anbieter

Das könnte Sie auch interessieren
Suchen Verbraucher in Vergleichportalen nach einem Bestatter, sollten sie das Angebot genau prüfen. Foto: Sophia Kembowski/dpa Bestatter online finden: Darauf sollten Angehörige achten Selbst für Bestattungen lassen sich die Preise im Internet vergleichen. Und auch da lauern Fallstricke. So musste der Bundesgerichtshof nun über ein lückenhaftes Angebot urteilen. Darüber hinaus sollten Angehörige die Offerten genau vergleichen - so sollten sie vorgehen.
Muss man sich bei seiner Bank als Erbe ausweisen, ist laut Rechtsprechung dazu kein Erbschein notwendig. Foto: Jens Kalaene Bank darf keine Extra-Gebühr für Erbauszahlung fordern Um ererbtes Geld auf das eigene Konto überweisen zu lassen, muss sich der Erbe als solcher ausweisen. Dazu ist laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes aber kein Erbschein notwendig.
Minderjährige, die Schulden erben, können die Erbschaft ausschlagen. Ein Familiengericht darf ihnen dies nicht versagen. Foto: Jens Büttner Erbausschlagung eines Kindes darf nicht verwehrt werden Nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden können vererbt werden. Jedoch haben Angehörige auch die Möglichkeit, das Erbe auszuschlagen. Vor allem wenn sie noch Minderjährig sind. Das zeigt ein Urteil des Oberlandgerichts Zweibrücken.
Ein Erbe kann auch nicht gewollt sein und dann ausgeschlagen werden. Foto: Andrea Warnecke Kein Familienkontakt: Erbausschlagungsfrist beginnt später Ein Erbe muss nicht immer positive Folgen haben. Daher kommt es vor, dass einige Menschen ihr Erbe ausschlagen. Hierfür gibt es jedoch nur eine kurze Frist. Allerdings kann sich diese Zeitspanne unter besonderen Umständen verlängern.