Testament auf Tischplatte ist wirksam

22.10.2020
Testamente müssen wenigen Formvorschriften genügen. Daher ist es im Prinzip auch egal, ob ein Erblasser seinen letzten Willen auf ein Blatt Papier oder einen Tisch schreibt. Eines darf aber nicht fehlen.
Wo man seinen letzten Willen niederschreibt, ist unerheblich. Nicht fehlen darf in jedem Fall die Unterschrift. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Wo man seinen letzten Willen niederschreibt, ist unerheblich. Nicht fehlen darf in jedem Fall die Unterschrift. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Köln (dpa/tmn) - Wo ein Testament niedergeschrieben wird, hat keinen Einfluss auf seine Wirksamkeit. Der letzte Wille ist auch dann gültig, wenn der Erblasser ihn mit Filzstift auf eine Tischplatte geschrieben hat, heißt es in der Zeitschrift «NJW Spezial» (Heft 21, 2020) mit Blick auf ein Urteil des Amtsgerichts Köln (Az.: 30 VI 92/20). Allerdings muss auch in diesem Fall das Testament unterschrieben werden.

Der Fall: Ein Erblasser schrieb vor seinem Tod sein Testament mit Filzstift auf die Platte eines Holztisches. Darin setzte er eine Frau als Alleinerbin für sein ganzes Vermögen ein. Dem Text auf der Tischplatte fehlte allerdings die Unterschrift.

Der Erblasser hatte auch einen Bruder, der zwischenzeitlich in einem handschriftlichen Testament ebenfalls zum Alleinerben erklärt worden war. Diese Erbeinsetzung hatte der Verstorbene allerdings handschriftlich widerrufen und die entsprechenden Papiere auf den Holztisch mit dem Testament gelegt. Die Frau beantragte nun einen Alleinerbschein.

Das Urteil: Die Richter wiesen den Antrag ab. Dem Testament auf dem Holztisch fehle ein entscheidendes Merkmal: die Unterschrift. Daher sei das Holztischtestament hier unwirksam. Grundsätzlich sei es aber zulässig, seinen letzten Willen auf eine Tischplatte zu schreiben, betonte das Gericht. Denn die Verwendung ungewöhnlicher Materialien und nicht alltäglicher Schreibmaterialien sei gesetzlich nicht untersagt. Zwingend notwendig sei aber die Signatur.

© dpa-infocom, dpa:201022-99-39786/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Nicht nur das ursprüngliche Testament muss eigenhändig zu Papier gebracht werden. Auch bei einem Widerrufstestament ist diese Form einzuhalten. Foto: Kai Remmers Widerruf eines Testaments per E-Mail nicht möglich Eine E-Mail eignet sich nicht als urkundlicher Nachweis. Daher können Erblasser ihr Testament auch nicht auf dem elektronischen Weg widerrufen. Das bestätigt ein Urteil des Kammergerichts Berlin.
Testamente werden normalerweise selbst oder vom Notar aufgesetzt. Eine Ausnahme macht das Nottestament. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Nottestament braucht nicht immer einen Vermerk Nicht immer kann ein Testament eigenhändig aufgesetzt werden. Gesetzlich möglich sind auch sogenannte Nottestamente. Bei den Anforderungen dafür gibt es aber Spielraum.
Verfassen Ehegatten ein gemeinsames Testament, in dem die Erbfolge festgelegt ist, kann ein Ehepartner nach dem Tod des anderen keine Änderungen mehr vornehmen. Ausnahme ist ein Zuwendungsverzichtsvertrag. Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn Können sich die Erben über das Testament hinwegsetzen? Setzen Familien Testamente auf, in denen die Erbfolge klar geregelt ist, können die Verfügungen nicht einfach geändert werden. Das ist nur in ganz bestimmten Fällen möglich.
Um ein Testament zu widerrufen, muss das Originaltestament geändert werden. Das Durchstreichen einer Kopie ist unzulänglich. Foto: Hans Wiedl Testament kann jederzeit widerrufen werden Nicht selten endet ein Streit in der Familie mit dem Wunsch, jemanden zu enterben. So kann es auch im Affekt passieren, dass Erbdokumente vernichtet werden. Doch reicht es aus, eine Testamentskopie durchzustreichen, um den letzten Willen zu widerrufen?