Spendentopf wächst trotz weniger Spender

27.02.2019
Immer weniger Menschen in Deutschland spenden Geld für einen guten Zweck. Dennoch wächst der Spendentopf auf mehr als fünf Milliarden Euro im Jahr an - wie geht das?
Wer gibt, bekommt auch etwas zurück: Spenden sind in der Regel steuerlich absetzbar. Foto: Robert Günther/dpa-tmn
Wer gibt, bekommt auch etwas zurück: Spenden sind in der Regel steuerlich absetzbar. Foto: Robert Günther/dpa-tmn

Berlin (dpa) - In Deutschland spenden nach einer Analyse für den Deutschen Spendenrat immer weniger Menschen Geld für einen guten Zweck. Dennoch haben die Bundesbürger mit 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2018 insgesamt sogar etwas mehr gespendet als im Vorjahr (5,2 Milliarden Euro).

Damit setzt sich der Studie zufolge ein Trend der vergangenen Jahre fort: Weniger Spender geben mehr Geld. Im Schnitt war es im vergangenen Jahr ein Rekordwert von 38 Euro pro Spende. Ihren Geldbeutel öffnen die Bundesbürger dabei fast sieben Mal im Jahr, sehr häufig vor Weihnachten.

Niedrigster Wert seit Beginn der Erhebung

Insgesamt haben 2018 rund 20,5 Millionen Bundesbürger im Alter ab 10 Jahren Geld gespendet. Das ist nur noch ein knappes Drittel (31 Prozent) der Bevölkerung in dieser Altersgruppe - und der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Damals schenkte noch rund die Hälfte der Bundesbürger Geld für gemeinnützige Zwecke, vor allem unter dem Eindruck der Tsunami-Katastrophe. Allein im Vergleich zum Jahr 2017 gab es im vergangenen Jahr rund 800.000 Spender weniger.

Die durchschnittliche Spende aber stieg im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 35 auf 38 Euro. Das ist laut Spendenrat der höchste Wert seit 2005. Seit 2015 liegt das Spendenvolumen insgesamt konstant über 5 Milliarden Euro. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat für die Studie rund 10.000 Privatleute über 10 Jahren repräsentativ und kontinuierlich nach ihrem Spendenverhalten befragt.

«Es verstärkt sich der Eindruck, dass diejenigen, die spenden, sich immer stärker in der Verantwortung fühlen, Gutes zu tun», sagte Daniela Geue, Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats. In dem Dachverband haben sich 63 Spendenorganisationen aus den Bereichen soziale und humanitäre Hilfe, Umwelt, Tierschutz, Kunst und Kultur zusammengeschlossen.

Häufigser Spendenzweck ist humanitäre Hilfe

Am häufigsten öffnen die Deutschen ihr Portemonnaie weiterhin für humanitäre Hilfe (73,7 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr schenkten sie aber etwas weniger für diesen Bereich (minus 4 Prozent),zu dem auch die Not- und Katastrophenhilfe gehört. Mit insgesamt 394 Millionen Euro gab es auch weniger Geldspenden für geflüchtete Menschen im In- und Ausland als 2017 (403 Millionen Euro). Beliebter für eine Gabe waren 2018 generell Projekte im Inland (63 Prozent),vor allem im Bereich Umwelt- und Naturschutz, Tierschutz und Sport.

Nach wie vor spenden Menschen über 60 Jahre zusammen am meisten - durchschnittlich zwischen 250 und 310 Euro im Jahr. Diese Großzügigkeit macht über die Hälfte des gesamten Spendenvolumens aus. Doch vor allem Jüngere haben 2018 deutlich mehr abgegeben als im Vorjahr. Bei Menschen bis 40 waren es im Schnitt zwischen 122 und 207 Euro im Jahr. 2017 lag dieser Wert zwischen 114 und 190 Euro.

Die meisten Spender sind insgesamt einer Organisation treu (50,2 Prozent). Fast einem Fünftel liegt aber auch ein konkretes Projekt am Herzen (16,9 Prozent). Ähnlich viele (17,8 Prozent) spricht ein konkreter Spendenaufruf an.

Mit Spenden Steuern sparen

Wer Geld spendet, kann unter bestimmten Voraussetzungen Steuern sparen. Der Betrag muss dafür aber an eine steuerbegünstigte Organisation überwiesen worden sein - dazu gehören beispielsweise Kirchen, Museen, gemeinnützige Vereine, Stiftungen oder politische Parteien. Darauf weist die Bundessteuerberaterkammer hin. Nur dann können Verbraucher ihre Spende als Sonderausgaben in der Einkommensteuererklärung angeben.

Spenden für kirchliche, mildtätige und gemeinnützige Organisationen kann man bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte absetzen. Liegt die Spende über diesem Höchstbetrag, kann der überschüssige Betrag vorgetragen werden - dann wird er steuerlich im nächsten Jahr berücksichtigt.

Oft übermitteln Organisationen die Spendenbescheinigung direkt elektronisch an das Finanzamt. Falls nicht, gilt ab der Steuererklärung für 2017: Die Pflicht zur Einreichung von Spendenquittungen und Belegen entfällt. Allerdings sollte man Spendenbescheinigungen aufbewahren - falls das Finanzamt doch Rückfragen hat.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer nur an seriöse Hilfsorganisationen spenden möchte, kann sich am DZI-Siegel orientieren. Auch das Logo der «Initiative Transparente Zivilgesellschaft» kann einen Hinweis geben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Wie Spender seriöse Organisationen erkennen Gerade in der Weihnachtszeit bitten wieder viele Hilfsorganisationen um eine Spende. Einige Menschen scheuen sich aber, etwas zu geben. Sie befürchten, dass das Geld nicht bei den Bedürftigen ankommt. Eine Annahme, die nicht immer berechtigt ist.
Wer gibt, bekommt auch etwas zurück: Spenden sind in der Regel steuerlich absetzbar. Foto: Robert Günther/dpa-tmn Wann Spenden steuerlich absetzbar sind Alle Jahre wieder flattern in den Wochen vor Weihnachten viele Spendenaufrufe ins Haus. Wer dann gibt, bekommt auch etwas zurück - denn das Finanzamt belohnt den Einsatz für die gute Sache. Man muss nur wissen, was steuerlich absetzbar ist - und wie das funktioniert.
Auch der Verzicht auf eine Vergütung wird steuerlich als Spende anerkannt. Dafür gelten jedoch besondere Voraussetzungen. Foto: Armin Weigel (Archiv) Aufwandsspenden an Vereine auch durch Lohnverzicht möglich Spendenwege an gemeinnützige Vereine können auch abgekürzt werden - dazu können Steuerzahler einfach auf ihre zuvor vereinbarte Vergütung verzichten. Allerdings gelten für diese Variante einige Bedingungen.
Geldspenden können in vielen Fällen bei der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden. Foto: Monika Skolimowska Mit Spenden Steuern sparen Geldspenden an gemeinnützige Organisationen lassen sich häufig steuerlich absetzen. Welche Bedingungen sind zu erfüllen, damit man die Spende als Sonderausgabe in der Einkommensteuererklärung ausweisen kann?