Sparkassen: Zahlungsmoral in der Krise bislang unverändert

12.10.2020
Geschäftsrückgang und Kurzarbeit: Die Corona-Krise hat für viele Menschen in Deutschland auch wirtschaftliche Folgen. Doch bisher wirkt sich das kaum auf ihre Solvenz aus. Was ist für die kommenden Monate zu erwarten?
Laut dem Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis ist weder bei der Rückzahlung von Darlehen noch bei der Inanspruchnahme von Dispokrediten eine auffällige Zunahme zu erkennen. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Laut dem Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis ist weder bei der Rückzahlung von Darlehen noch bei der Inanspruchnahme von Dispokrediten eine auffällige Zunahme zu erkennen. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Berlin (dpa) - Die Zahlungsmoral der Verbraucher in Deutschland hat nach Einschätzung der Sparkassen in der Corona-Krise bislang nicht gelitten. «Wir sehen derzeit keine außergewöhnliche Entwicklung, weder bei der Rückzahlung von Darlehen noch bei der Inanspruchnahme von Dispokrediten», sagte Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis.

«Die Sparquote wächst derzeit noch. Die Menschen treffen mehr Vorsorge. Bestimmte Ausgaben, zum Beispiel für Reisen werden, in der Pandemie zurückgestellt», erläuterte Schleweis.

Finanzinstitute konnten Kunden, die wegen der Krise in Not geraten sind, vom 1. April an die Zahlung von Zins, Tilgung oder Rückzahlung von Krediten für drei Monate stunden. Schleweis zufolge gewährten Sparkassen teilweise eine längere Frist von sechs bis neun Monaten. Insgesamt ermöglichten die Sparkassen bis Ende Juli 367.000 Kunden einen Zahlungsaufschub, davon 198.649 Privatkunden und 180.005 Gewerbekunden.

Mittelständische Unternehmen sieht der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) in der Summe auch für eine längere Durststrecke gerüstet. «Die Krisenresistenz der meisten Firmen ist dank guter Kapitalpolster noch sehr ordentlich», sagte Schleweis. Nach jüngsten Daten des Verbandes liegt die durchschnittliche Eigenkapitalquote bei den mittelständischen Unternehmen bei 39 Prozent. Dazu wertet der DSGV Geschäftsbilanzen und Kreditkennzahlen von mittelständischen Firmenkunden mit einem Jahresumsatz von bis zu 250 Millionen Euro aus. Einige Branchen wie Hotellerie und Gastronomie stünden allerdings deutlich unter Druck.

Zwar rechnet Schleweis im kommenden Jahr mit steigenden Insolvenzzahlen. Das könnten die Sparkassen aber gut verkraften. «Die Sparkassen haben die letzten Jahre, die praktisch ohne Kreditausfälle waren, genutzt, um die Rücklagen immer weiter aufzustocken. Sie sind gerüstet für Ausfälle über das bisherig Maß hinaus.» Insgesamt sei die Kreditwirtschaft seit der Finanzkrise 2008 widerstandsfähiger geworden. «Die Finanzinstitute haben mehr Eigenkapital und die Regulierung hat einiges bewirkt, dass Banken widerstandsfähiger geworden sind».

Mit einem steilen Aufschwung nach dem Konjunkturabsturz in der Corona-Krise - ein sogenanntes V-Szenario - rechnet Schleweis eher nicht. Er erwartet, dass es langsam wieder aufwärts geht, «also eher ein breites U. Ich gehe davon aus, dass wir noch nicht am Ende sind.»

© dpa-infocom, dpa:201012-99-913146/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Verbraucher müssen vor allem beim Tanken und Heizen mehr Geld ausgeben. Foto: Friso Gentsch Was bedeutet die steigende Inflation für Verbraucher? Verbraucher spüren es im Geldbeutel: Das Leben in Deutschland ist teurer geworden. Im Oktober erreicht die Inflation den höchsten Stand seit dem Krisenjahr 2008.
Die Mehrheit der Bundesbürger rechnet im kommenden Jahr mit einer guten finanziellen Lage. Foto: Sebastian Gollnow/dpa Deutsche Verbraucher sind besonders optimistisch Keine spürbare Angst vor einer Rezession: Deutsche Verbraucher bewerten ihre eigene finanzielle Situation entgegen der aktuellen Wirtschaftslage als überraschend positiv. In Europa blicken nur die Dänen noch zukunftsfroher auf das Jahr 2020.
Laut Daten des Vergleichsportals Verivox haben in diesem Jahr schon 35 Banken Negativzinsen für Guthaben vor allem auf dem Tagesgeldkonto eingeführt. Foto: picture alliance / Daniel Karmann/dpa/Illustration Immer mehr Banken kassieren Negativzinsen Das Geld auf dem Tagesgeldkonto wird weniger statt mehr. Die Zahl der Kreditinstitute steigt, die Negativzinsen an Sparer weitergeben. Es trifft inzwischen nicht mehr nur vermögende Privatkunden.
Das Geldvermögen der privaten Haushalte ist zum Jahresbeginn auf einen Rekordwert von 6170 Milliarden Euro gestiegen. Foto: Sven Hoppe Geldvermögen der Privathaushalte erreicht Rekordwert Kaum verzinste Gelder bei Kreditinstituten stehen bei den Bundesbürgern weiter hoch im Kurs. Dennoch steigt das Geldvermögen auf einen Höchstwert.