Schüler bei Projekten außerhalb der Schule unfallversichert

27.04.2016
Nicht nur auf dem Schulweg und auf dem Schulgrundstück sind Schüler in der Regel unfallversichert. Auch wer sich wegen einer Projektarbeit an einem anderen Ort aufhält, genießt einen Unfallschutz. Das bestätigte das Landessozialgericht Baden-Württemberg.
Wenn Schüler außerhalb des Schulgeländes an einem Schulprojekt arbeiten, sind sie unfallversichert. Das entschied das Landessozialgericht Baden-Württemberg. Foto: Julian Stratenschulte
Wenn Schüler außerhalb des Schulgeländes an einem Schulprojekt arbeiten, sind sie unfallversichert. Das entschied das Landessozialgericht Baden-Württemberg. Foto: Julian Stratenschulte

Stuttgart (dpa/tmn) - Ein Schüler ist auch dann gesetzlich unfallversichert, wenn er sich außerhalb der Schule auf dem Nachhauseweg von einer Projektarbeit befindet.

Denn Projektarbeiten sind Teil des Unterrichts und stehen - wenn sie in der Schule selbst stattfinden - unter der Aufsicht von Lehrern. So entschied das Landessozialgerichts Baden-Württemberg (Az.:L 6 U 4904/14),wie die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt.

Der Fall: Ein Schüler war auf dem Nachhauseweg von einem Videodreh verunglückt. Den Schülern war im Musikunterricht die Aufgabe gestellt worden, einen Videoclip zum Thema Musik und Werbung zu drehen. Es war freigestellt, dies auch im privaten Bereich umzusetzen. Der Schüler wurde von einem Mitschüler angerempelt und fiel so unglücklich auf den Kopf, dass er ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt und seitdem an den Rollstuhl gefesselt ist. Die Berufsgenossenschaft wollte den Sturz nicht als Arbeitsunfall anerkennen.

Das Urteil: Der Schüler hatte in zweiter Instanz Erfolg. Entscheidend sei, dass die Gruppenprojektarbeit eine organisatorisch von der Schule getragene Unternehmung gewesen sei, auch wenn sie im häuslichen Bereich stattgefunden habe. Wenn die Schule den minderjährigen Schülern die Entscheidung überlasse, wo sie die Aufgabe erledigen, führe dieser aufgelockerte Schulunterricht nicht dazu, dass die gesetzliche Schülerunfallversicherung entfalle. Projektarbeiten auch außerhalb der Schule gehörten mittlerweile zu einem modernen Unterrichtskonzept. Der Schutzbereich der Unfallversicherung decke diese Formen ab.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Auch bei Honorarverträgen von Musiklehrern werden Sozialbeiträge fällig. Foto: Marc Tirl Fester Stundenplan: Für Musiklehrer muss gezahlt werden Gute Nachrichten für selbstständige Musiklehrer: Für sie gilt eine neue Regelung, zumindest wenn sie für städtische Schulen auf Honorarbasis arbeiten und sich an den Lehrplan der Schule halten müssen.
Ärzte, die fest in einem Krankenhaus arbeiten, gelten als sozialversicherungspflichtig, auch wenn die Klinik mit ihnen einen Honorarvertrag abgeschlossen hat. So entschied das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen in einem verhandelten Fall. Foto: Angelika Warmuth Krankenhaus muss zahlen: Sozialversicherung für Honorararzt Sind Honorarärzte fest in die Klinikabläufe integriert, gelten sie nicht als Selbstständige sondern werden als sozialversicherungspflichtig eingestuft. So entschied ein Landessozialgericht.
Auch Amateurfußballer, wenn sie einen Vertrag mit einem Verein haben, sind im Falle einer schweren Verletzung unfallversichert. Foto: Daniel Reinhardt Bei Vertrag mit Verein: Versicherung für Amateurfußballer Fußballer in den Amateurliegen kicken meist aus Spaß an der Freude. Dennoch steigt die Anzahl der Kicker, die mit einem Verein einen Vertrag schließen. Verletzen sich diese Vertragsfußballer während eines Spiels, muss die Berufsgenosseneinschaft einspringen.
Bei Patienten mit einem totalen Haarausfall zahlt die Krankenkasse in der Regel eine Echthaarperücke. Auch eine jährliche Beschaffung kann gerechtfertigt sein. Foto: Peer Grimm Patientin hat jedes Jahr Anspruch auf neue Echthaarperücke Wer aus gesundheitlichen Gründen seine Kopfhaare verliert, leidet darunter sehr. In der Regel übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Echthaarperücke. Doch wie häufig können Patienten diese austauschen? Ein Urteil gibt die Antwort.