Nachgezahlte Kirchensteuern mindern Steuern beim Erben

31.05.2017
Der Nachlass verstorbener Menschen bereitet den Erben normalerweise keine großen Probleme. Das sieht anders aus, wenn sie offene Steuern übernehmen müssen. Doch zum Glück gibt es die Möglichkeit, diese Forderungen zu minimieren.
Laut Bundesfinanzhof können offene Kirchensteuern eines Verstorbenen als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Foto: Frank Leonhardt/dpa
Laut Bundesfinanzhof können offene Kirchensteuern eines Verstorbenen als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Foto: Frank Leonhardt/dpa

München (dpa/tmn) - Erben, die offene Kirchensteuern eines Verstorbenen übernehmen, dürfen diese in ihrer eigenen Steuererklärung als Sonderausgaben geltend machen. Dies geht aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) hervor (Az.: X R 43/13).

«Ändert das Finanzamt die Einkommensteuern des Verstorbenen und muss der Erbe deshalb Steuern nachzahlen, können die für den Verstorbenen gezahlten Kirchensteuern in der eigenen Einkommensteuererklärung des Erben abgezogen werden», erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

In dem verhandelten Fall veräußerte ein Vater sein Steuerbüro gegen Ratenzahlung. Nach dem Tod des Mannes einigten sich die Erben mit dem Erwerber darauf, dass der Restkaufpreis in einer Summe gezahlt wird. In dem gegenüber der Erbengemeinschaft ergangenen Einkommensteuerbescheid für den Verstorbenen erfasste das Finanzamt einen Veräußerungsgewinn, was zur Nachzahlung von Kirchensteuern führte. Die Tochter übernahm die Forderung und machte diese als Sonderausgaben bei sich geltend. Dies lehnte das Finanzamt ab.

Der Bundesfinanzhof gestattete hingegen den Sonderausgabenabzug. Für die Kirchensteuernachforderung musste die Tochter unbeschränkt, also nicht nur mit dem Nachlass, sondern auch mit ihrem gesamten Eigenvermögen einstehen. Daher sei es zu einer wirtschaftlichen Belastung gekommen, die steuerlich berücksichtigt werden muss.

Das Bundesfinanzministerium hat das Urteil inzwischen anerkannt und im Bundessteuerblatt veröffentlicht. «In Fällen von nachzuzahlenden Kirchensteuern sollten Erben deshalb den Sonderausgabenabzug bei sich verlangen», rät Klocke.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Eine Steuerbefreiung gibt es für Immobilien-Erben meist nur, wenn sie das Wohneigentum als Lebensmittelpunkt nutzen. Foto: Schierenbeck/Wenda Erbe muss Immobilie für Steuerbefreiung selbst nutzen Wer Immobilien erbt, muss dafür in der Regel Erbschaftssteuer zahlen. Eine Ausnahme: Der Erbe nutzt die Immobilie selbst. In diesen Fällen wird häufig eine Steuerbefreiung gewährt. Die Regel sind aber streng.
Prozesskosten im Erbschaftsstreit fallen unter Nachlassverbindlichkeiten und können steuerlich geltend gemacht werden. Foto: Jens Büttner/dpa Erbstreit: Prozesskosten können Erbschaftsteuer mindern Prozesskosten können ziemlich teuer werden. Geht es jedoch um Erbschaftsangelegenheiten, können diese beim Finanzamt als Nachlassverbindlichkeiten angeführt werden. Das bestätigt ein Urteil aus Düsseldorf.
Die Erbfallkostenpauschale deckt nicht nur Kosten für die Beerdigung ab, sondern auch Ausgaben, die dem Erben im Zusammenhang mit der Abwicklung des Nachlasses entstehen. Foto: Marijan Murat/dpa Was Erben als Kostenpauschale beim Finanzamt ansetzen dürfen Erben können in ihrer Erbschaftsteuererklärung die Kosten für die Bestattung, ein angemessenes Grabdenkmal und Grabpflege angeben - oder eine Pauschale geltend machen. Was gibt es dabei zu beachten?
Muss ein Grab fachgerecht saniert werden, können die Kosten als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Foto: Holger Hollemann/dpa Sanierung des Familiengrabes von der Steuer absetzen Steuerzahler können die Kosten für die Sanierung einer Familiengrabstätte von der Einkommensteuer absetzen. Dies geht aus einem Urteil des Finanzgerichts Hessen hervor.