Muss ich auf Anweisung des Chefs früher zur Arbeit kommen?

18.11.2019
Besonders bei vorbereitenden Tätigkeiten ist vielen Arbeitnehmern oft nicht richtig klar, ob sie diese in ihrer privaten Zeit machen müssen oder ob das bereits zum offiziellen Job gehört.
Wenn der Chef möchte, dass Arbeitnehmer früher zur Arbeit kommen - etwa um den PC hochzufahren - gilt das auch als Arbeitszeit. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Wenn der Chef möchte, dass Arbeitnehmer früher zur Arbeit kommen - etwa um den PC hochzufahren - gilt das auch als Arbeitszeit. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Um sich umzuziehen, um den Computer hochzufahren oder um die Produktionsanlage in Gang zu bringen: Kann der Chef von seinen Mitarbeitern verlangen, dass sie für solche Tätigkeiten früher zur Arbeit kommen?

«Im Arbeitszeitgesetz ist festgelegt, was zur Arbeitszeit zählt», erklärt Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Das heißt: Beginn und Ende der Arbeitszeit unter Einhaltung der Ruhezeiten. «In der Regel ist Arbeitszeit die Zeit, in der der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber zur Verfügung steht», erläutert der Fachanwalt.

Anhand von Beispielen wird deutlich, was zur Arbeitszeit gehört - und was nicht. «Stellt etwa ein Chemiebetrieb seinen Mitarbeitern die Arbeitskleidung zur Verfügung, gehört das Umkleiden von Privat- zu Schutzkleidung und andersherum zur Arbeitszeit», so Meyer. Ein Automechaniker dagegen, der zu Hause bereits seinen Blaumann anzieht, macht das in seiner privaten Zeit.

Müssen zum Beispiel in einem Lebensmittelbetrieb die Maschinen vor Beginn der Produktion eingerichtet werden, gehört auch das zur Arbeitszeit. «In vielen Betrieben beginnt die Arbeitszeit mit der Auslösung der Arbeitszeiterfassung bei Eintritt in das Firmengebäude», erklärt Meyer.

Möglich sei es aber, für solche vorbereitenden Tätigkeiten eine geringere Vergütung zu vereinbaren, wie der Fachanwalt sagt. «Dann wird die Umkleidezeit zum Beispiel mit einem geringeren Stundenlohn bepreist.»

Zur Person: Peter Meyer ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung: Gesetzlich geregelt ist sie in Deutschland noch nicht, deswegen sind die Meinungen unter Arbeitsrechtlern dazu geteilt. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Muss es bei meinem Arbeitgeber eine Zeiterfassung geben? Kontrollorgan oder Schutzmaßnahme: Die Zeiterfassung am Arbeitsplatz ist nicht unumstritten. Aber muss es nun eigentlich ein Erfassungssystem geben?
Zum Teil sind Arbeitgeber sogar dazu verpflichtet, ein System zur Zeiterfassung einzuführen: Beginn, Dauer und Ende der täglichen Arbeitszeit werden dann genau dokumentiert. Foto: Andrea Warnecke Darf jeder Arbeitgeber eine Zeiterfassung einführen? Sind Stechuhren und Co. in Zeiten flexibler Arbeitszeiten eigentlich noch üblich und angebracht? Manche Unternehmen sind sogar gesetzlich zur Zeiterfassung gezwungen.
Ein Zeiterfassungssystem mit Fingerprint dürfen Arbeitgeber nur mit Einwilligung der Mitarbeiter nutzen. Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn Beschäftigte können Zeiterfassung per Fingerscan ablehnen Neue Zeiterfassungssysteme sollen verhindern, dass Beschäftigte füreinander stempeln. Müssen sie das System per Fingerabdruck auslösen, ist das aus Datenschutzgründen nicht unbedenklich.
An- und Abmeldung im Chat: Prinzipiell hat der Arbeitgeber Anspruch darauf, zu erfahren, von wann bis wann ein Arbeitnehmer arbeitet - auch im Homeoffice. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn Darf der Chef die Arbeitszeiten im Homeoffice kontrollieren? Arbeiten Beschäftigte jeden Tag im Betrieb, können Vorgesetzte leicht sehen, wer wann kommt und geht. Darf der Chef die Arbeitszeiten auch abfragen, wenn alle im Homeoffice sind?