Müssen Arbeitnehmer an Personalgesprächen teilnehmen?

30.09.2019
Negatives Feedback, Kritik oder zusätzliche Aufgaben - gerade, wenn es um solche Themen geht, möchten sich Mitarbeiter am liebsten vor Personalgesprächen mit dem Chef drücken. Geht das so einfach?
Ordnet der Chef ein Personalgespräch an, dürfen sich Mitarbeiter nicht davor drücken. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn
Ordnet der Chef ein Personalgespräch an, dürfen sich Mitarbeiter nicht davor drücken. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Der Chef schickt eine Einladung für einen Termin zum Mitarbeitergespräch. «Bringt doch sowieso nichts», denken sich manche und würden am liebsten gar nicht hingehen. Sind Arbeitnehmer verpflichtet, an Personalgesprächen teilzunehmen?

«Allgemein kann man sagen, dass der Arbeitgeber während der Arbeitszeit jederzeit ein Personalgespräch anordnen kann, und er ist frei in der Entscheidung, wie er es durchführt», erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin.

Wichtig zu wissen für Arbeitnehmer ist, was eigentlich als Personalgespräch gilt. «Und das ist fast alles», so Bredereck. Wenn ein Arbeitgeber etwa einem Mitarbeiter erklärt, dass seine Leistung abgefallen ist, sei das im Grunde genommen ein Personalgespräch, so der Fachanwalt. Im üblichen betrieblichen Sprachgebrauch werden als Personalgespräche aber eher grundsätzlichere und umfassendere Gespräche zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter verstanden, die auch vorher angekündigt werden.

Für das Personalgespräch gibt es Regeln

Ordnet der Arbeitgeber Personalgespräche an, macht er Gebrauch von seinem Weisungsrecht: Er kann dem Arbeitnehmer Anweisungen zu allem geben, was dessen Arbeitsleistung betrifft. Bestimmte Regeln gelten daher auch für Personalgespräche. Sie dürfen nicht willkürlich, diskriminierend oder schikanierend angeordnet werden, erklärt Bredereck. Möchte ein Vorgesetzter seinen Angestellten etwa künftig zur Strafe jeden Morgen 30 Minuten in seinem Büro auf den Tag vorbereiten, wäre eine solche Weisung wegen ihres maßregelnden Charakters unwirksam.

Sogenannte Mitarbeiterjahresgespräche stellen Bredereck zufolge einen Sonderfall dar. Wenn es in solchen jährlichen Gesprächen um systematische Evaluationen, Prämien oder Zielvereinbarungen geht, sind die Rahmenbedingungen häufig in Betriebsvereinbarungen geregelt.

«In der Betriebsvereinbarung steht dann zum Beispiel, wie oft die Gespräche stattfinden, bis wann der Arbeitgeber sie ankündigen muss und dass die Themen dem Arbeitnehmer vorab mitgeteilt werden müssen.» Der Arbeitgeber muss sich an diese Vorgaben halten. Er ist deshalb nicht ganz so frei wie bei einem allgemeinen Personalgespräch.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Arbeitnehmer, die krank geschrieben sind, müssen nicht zu einberufenen Personalgesprächen erscheinen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Kranker Arbeitnehmer: Keine Pflicht zum Personalgespräch Zum Personalgespräch erscheinen müssen nur arbeitsfähige Mitarbeiter. Wer allerdings arbeitsunfähig erkrankt, ist auch nicht verpflichtet, beim Gespräch dabei zu sein, entschied ein Landesarbeitsgericht.
Die heimliche Aufzeichnung von Personalgesprächen ist für alle Beteiligten verboten. Die Folge kann für den Arbeitnehmer eine fristlose Kündigung sein. Das zeigt ein Urteil aus Hessen. Foto: Arne Dedert/dpa Mitarbeiter darf Personalgespräch nicht heimlich aufzeichnen Personalgespräche dürfen ohne Wissen und Zustimmung aller Anwesenden nicht aufgezeichnet werden. Die Aufnahme verletzt die Persönlichkeitsrechte der Gesprächsteilnehmer. Missachten Arbeitnehmer dieses Verbot, droht die fristlose Kündigung.
Der Arbeitgeber muss Mitarbeitern Einblick in ihre Personalakte gewähren und sie Kopien von den Unterlagen machen lassen. Foto: Franziska Gabbert Dürfen Angestellte ihre Personalakte einsehen? In einer Personalakte stehen viele sensible Daten eines Arbeitnehmers. Darf man die eigene Personalakte einfach so einsehen?
Ein Arbeitgeber darf ein befristetes Arbeitsverhältnis auslaufen lassen, wenn der Arbeitnehmer stark übergewichtig ist. Das entschied das Landesarbeitsgericht Niedersachsen. Foto: Lindsey Parnaby/dpa Keine Vertragsverlängerung bei Übergewicht ist rechtens Ein Kraftfahrer erhält trotz starker Fettleibigkeit einen Job. Zu einer Verlängerung des befristeten Arbeitsverhältnisses kommt es aber nicht - wegen des Übergewichts. Ist das rechtens?