Mehr als 300 Beschwerden wegen Gebühren beim Bezahlen

10.01.2019
Eine seit kurzem geltende EU-Richtlinie untersagt Händlern, für bestimmte Bezahlarten ein zusätzliches Entgelt zu verlangen. Doch nicht alle Geschäftsinhaber halten sich daran. Das zeigen Zahlen der Beschwerdestelle.
Weder beim Online-Shopping noch im Laden darf das Bezahlen mit Kreditkarte zusätzliche Kosten verursachen. Manche Händler berechnen dennoch eine Gebühr. Foto: Uli Deck
Weder beim Online-Shopping noch im Laden darf das Bezahlen mit Kreditkarte zusätzliche Kosten verursachen. Manche Händler berechnen dennoch eine Gebühr. Foto: Uli Deck

Bad Homburg (dpa) - Die Wettbewerbszentrale sieht in Einzelfällen noch Nachbesserungsbedarf beim Schutz von Verbrauchern vor zusätzlichen Entgelten beim Bezahlen im Handel.

Zwar habe die Mehrzahl der Unternehmen die seit einem Jahr geltenden verschärften gesetzlichen Regeln korrekt umgesetzt, bilanzierte Rechtsanwalt Peter Breun-Goerke von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs. Es gebe aber «zu Detailfragen noch Klärungsbedarf, denen wir im Rahmen unserer Beschwerdestellenachgehen».

Der Gesetzgeber hatte einer gängigen Praxis einen Riegel vorgeschoben: Seit dem 13. Januar 2018 ist es Händlern online wie an der Ladenkasse untersagt, für die gängigsten Zahlungsmöglichkeiten Aufschläge zu verlangen. Diese waren etwa bei Reisebuchungen im Internet Usus: Für die Zahlung per Kreditkarte, Lastschrift oder Überweisung verlangten Anbieter dabei ein zusätzliches Entgelt.

Die Wettbewerbszentrale überwacht die Umsetzung der EU-Richtlinie in Deutschland auch mit Hilfe einer Beschwerdestelle. Dort können Verbraucher und Gewerbetreibende Fälle melden, in denen die Regeln nicht umgesetzt werden. Mehr als 300 Beschwerden gingen nach Angaben von Breun-Goerke im ersten Jahr ein. Sie kamen von Kunden von Fluggesellschaften, Telekommunikationsanbietern oder Online-Händlern.

Die Wettbewerbszentrale fordert - notfalls per Klage - die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben ein. In 31 Fällen ergingen förmliche Unterlassungsaufforderungen an Unternehmen. Die Mehrzahl der Fälle konnte nach Angaben der Wettbewerbszentrale außergerichtlich beigelegt werden: Die Unternehmen verpflichteten sich, kein Zahlungsentgelt mehr bei Abwicklung eines Kaufs per Kreditkarte zu erheben oder keinen Aufschlag mehr bei Zahlung per EC-Karte zu berechnen, wenn die Kaufsumme einen Mindestbetrag unterschritt.

Beschwerdestelle der Wettbewerbszentrale

EU-Richtlinie


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Beim Bezahlen von Waren per Sepa-Überweisung dürfen für Verbraucher keine Zusatzkosten entstehen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild Neue Beschwerdestelle für Verbraucher bei Zusatzentgelten Verbraucher müssen es nicht mehr hinnehmen, wenn Händler für gängige Zahlarten eine Gebühr verlangen. Denn diese Praxis ist laut EU-Richtlinie nun untersagt. Wer dennoch mit Zusatzkosten konfrontiert wird, kann sich an eine Beschwerdestelle wenden.
Im Internet gibt es jetzt eine Sepa-Beschwerdestelle. Dort können sich Verbraucher melden, wenn sie beim Lastschriftverfahren diskriminiert werden. Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa Diskriminierung: Beschwerdestelle bei Wettbewerbszentrale Verbraucher aus EU-Mitgliedstaaten dürfen in jedem dieser Länder per Lastschrift bezahlen. Doch nicht jedes Unternehmen hält sich an diese Regelung. Darauf hat jetzt die Wettbewerbszentrale reagiert.
Bei der Wettbewerbszentrale beschwerten sich Verbraucher 280 Mal über Probleme mit der internationalen Kontonummer IBAN. Foto: Ralf Hirschberger Verbraucher melden Probleme mit Kontonummer IBAN Eigentlich sollte die internationale Kontonummer IBAN den Zahlungsverkehr erleichtern. Doch offenbar verursacht sie bei grenzüberschreitenden Überweisungen und Lastschriften oft Probleme. Das zeigen Zahlen der Sepa-Beschwerdestelle.
Schnee sorgte in einigen Regionen Deutschlands für Zugverspätungen und Zugausfälle. Betroffenen Bahnkunden steht eine Entschädigung zu. Foto: Kathrin Deckart/dpa Nach Wintereinbruch: Wann bekommen Reisende ihr Geld zurück? Wartende Passagiere an vielen Bahnhöfen und Flughäfen: Der jüngste Wintereinbruch hatte etliche Ausfälle und Verspätungen von Zügen und Flügen zur Folge. Wer hat Anspruch auf Entschädigung - und wer nicht?