Lohnt der Abschluss einer BU-Versicherung?

19.11.2021
Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird bald teurer. Weil der Höchstrechnungszins für Lebensversicherungen sinkt, werden die Prämien für neue Verträge steigen. Warum ist das so?
Ein zu schneller Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht ratsam. Denn die Gesundheitsfragen müssen ausführlich beantwortet werden. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Ein zu schneller Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht ratsam. Denn die Gesundheitsfragen müssen ausführlich beantwortet werden. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Hamburg (dpa/tmn) - Ab 1. Januar 2022 sinkt der Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung von derzeit 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent. Das hat auch Folgen für die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Deren Beiträge werden ab dem kommenden Jahr oft teurer.

Aus Angst vor steigenden Kosten sollte jetzt aber niemand schnell noch einen Vertrag abschließen, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten im Interview mit dem dpa-Themendienst.

Frage: Ist die Berufsunfähigkeitsversicherung eine wichtige Police?

Bianca Boss: Diese Versicherung gehört zu den wichtigen Policen. Schließlich geht es bei der BU darum, dauerhafte Arbeitskraftverluste abzusichern. Dauerhafter Arbeitskraftverlust bedeutet - vereinfacht gesagt -, dass man kein Geld mehr verdienen kann, weil man zu krank zum Arbeiten ist. Gegen dieses finanzielle Risiko schützt die Versicherung.

Es gibt hier neben der BU aber noch eine weitere geeignete Police, die eine monatliche Rente in vereinbarter Höhe leistet, solange der Zustand andauert: die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, kurz EU.

Frage: Wo liegen die Unterschiede?

Boss: Die Erwerbsunfähigkeitspolice leistet, wenn Versicherte dauerhaft keine Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes ausüben können. Üblicherweise ist das der Fall, wenn man in einem Umfang von mehr als drei Stunden täglich nicht mehr arbeiten kann.

Die BU leistet bereits dann, wenn der zuletzt in gesunden Tagen ausgeübte Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nur noch teilweise ausgeübt werden kann - üblicherweise zu nicht mehr als 50 Prozent. Ob Versicherte noch in der Lage sind, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig zu sein, ist - anders als bei der EU - unerheblich.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist also leistungsstärker, für viele Berufe kostet sie aber auch mehr.

Frage: Wie teuer ist eine BU im Durchschnitt?

Boss: Durchschnittswerte sind für BU-Verträge eigentlich nichtssagend. Es hängt von einer Vielzahl von einzelnen Faktoren ab, wie viel man für seinen Vertrag bezahlt. Ein wichtiger Faktor ist zum Beispiel der Beruf, den Sie bei Antragsstellung ausüben.

Dabei gilt: Je risikoreicher ein Beruf, desto höher der Beitrag. Oder anders gesagt: In einem handwerklichen Beruf müssen Sie meist mehr für die BU bezahlen, als in einem Bürojob.

Frage: Welche Faktoren beeinflussen den Beitrag noch?

Boss: Neben dem ausgeübten Beruf spielen auch die versicherten Leistungen eine Rolle. Auch der Status der versicherten Person hat einen Einfluss. Es kann also einen Unterschied machen, ob Versicherte verbeamtet, sozialversicherungspflichtig beschäftigt, selbstständig, freiberuflich tätig oder als Schüler oder Student noch ohne Beruf sind.

Aber auch das Freizeitverhalten kann die Höhe der Prämie beeinflussen. Wer riskante Sportarten ausübt, muss unter Umständen mehr zahlen, ebenso in der Regel alle, die Vorerkrankungen haben.

Frage: Warum führt der sinkende Höchstrechnungszins bei Lebensversicherungen jetzt bei der BU zu höheren Beiträgen?

Boss: BU- und EU-Verträge gehören aufsichtsrechtlich zur Sparte Lebensversicherung. Der Rechnungszins ist vor allem für die Kalkulation der Tarife relevant.

Beispiel BU: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Damit die Prämie aber nicht jährlich ansteigt, sondern über die vereinbarte Vertragsdauer konstant bleibt, hat die Prämie neben dem Risiko- und Kostenanteil noch einen Sparanteil. Das heißt es werden aus diesem Sparanteil Rückstellungen gebildet, um die Prämie zu glätten, so dass sie eben über die vereinbarte Vertragsdauer konstant bleibt.

Wenn der Höchstrechnungszins abgesenkt wird, können ab dem 1. Januar 2022 die Rückstellungen nur noch mit dem höchstens bei 0,25 Prozent anzusetzenden Rechnungszins verzinst werden. Entsprechend muss dann die Prämie gegenüber den aktuellen Tarifen, die mit bis zu 0,9 Prozent kalkuliert sind, steigen. Wie stark die Erhöhung ist, hängt von vielen Faktoren ab. Wir rechnen bei BU-Verträgen mit einer Prämiensteigerung um fünf bis zehn Prozent.

Frage: Sollte ich aus diesem Grund jetzt in diesem Jahr noch schnell eine Versicherung abschließen?

Boss: Vor allem bei solchen Personenversicherung wie EU oder BU gilt: Sorgfalt vor Geschwindigkeit! Bei diesen Verträgen kommt es nicht vorrangig auf die Prämienhöhe an, sondern auf eine saubere und einwandfreie Antragsstellung und bedarfsgerechte Leistungen.

Vor allem die umfängliche Aufarbeitung der Gesundheitshistorie ist naturgemäß sehr zeitaufwendig. Sie ist aber für einen Vertrag Voraussetzung. Von einem Abschluss noch schnell in diesem Jahr raten wir daher dringend ab, wenn darunter die Sorgfalt bei der Antragstellung leidet. Denn das kann im schlimmsten Fall den Versicherungsschutz kosten.

Frage: Welche Punkte sind bei einem Vertrag wirklich wichtig?

Boss: Am wichtigsten ist es, einen individuell passenden Vertrag abzuschließen. Ein Abschluss auf eigene Faust im Internet empfehlen wir deshalb nicht. Ratsam ist es, über einen spezialisierten Versicherungsberater oder Versicherungsmakler eine Risikovoranfrage zu stellen, um so zu ermitteln, welche geeigneten und bedarfsgerechten Verträge es gibt, und welche Verträge für den Antragsteller möglich sind.

© dpa-infocom, dpa:211118-99-50335/2

Infoblatt zur Berufsunfähigkeitsversicherung


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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